Grüße aus dem Weserbergland
 Grüße aus dem Weserbergland

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Abbildung 161

„Mithras tötet den kosmischen Stier“

Römische Marmorrelief aus Sidon, um 400 v. Chr.

Quelle: Privates Bildarchiv

Bildbearbeitung und Text,

Urheber: O. Jung

 

Umgeben von Tierkreiszeichen - den Symbolen für Charaktereigenschaften - zeigt das römische Marmorrelief aus Sidon den Lichtgott „Mithras". Er wird am 25. Dezember, dem Tag der Sonnenwende in einer Höhle geboren. Seine Mutter ist eine Jungfrau. Hirten sind bei der Geburt dabei und beobachten die Ankunft des Lichtträgers in der Welt. Sie kommen um ihn anzubeten und opfern ihm die Erstlinge der Herden und die der Früchte ihres Ackers. … weiterlesen

 

Mithras war eine römische Gottheit die in der Mythologie die Sonne personifizierte. Sein iranischer Kult entstand etwa um 4.500 v. Chr. und war erst seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. im ganzen Römischen Reich verbreitet. Sein Name geht auf den persischen Gott „Mithra“ zurück der im Altpersischen Vertrag, Gefährte oder Freund bedeutet. Beide haben ihren Ursprung vermutlich im vedischen „Mitra“, was mit Vertrag, Eid übersetzt wird. Als Gott des Lichts, des Rechts und der Bündnisse wachte er – auf dem Bild durch den Hund symbolisiert - über die irdische und kosmische Ordnung. In einem goldenen Panzer, mit silbernem Speer, Pfeilen, Keulen und Dolchen bewaffnet, zog er in den Kampf gegen den Geist des Bösen. Dabei wurde sein Streitwagen von weißen Pferden - den lauteren Kräften - gezogenen.

 

Wie der Gott „Re“ der Ägypter ist er das Sinnbild für die unbesiegbare "Sonne hinter der Sonne". Der Welterkennen ermöglichenden Schaukraft. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass der Mensch, der Erkennende Geist, als höchstes Ziel die Einung mit dem Absoluten erkennt und alle Hemmnisse auf diesem Wege beseitigen kann.

 

Eines der größten davon ist der kosmische Stier. Er ist das Symbol für alle animalischen Triebe im Menschen, die einem Bullen eigen sind. Darum muss er ihn in sich mit seinem scharfen Verstand - auf dem Bild mit einem scharfen Messer - töten. Wollte er der unbesiegte Sonnengott sein, war ein Pakt mit der Wahrheit, die Kenntnis der kosmischen Ordnung und der Gesetze die sie regeln, unabdingbar.

Um dem Schüler die ewigen Geschehnisse in der Natur nahezubringen, fasste der Mithraismus des Altertums die Vorgänge im Menschen in einem Symbolismus am Himmel zusammen, sodass er schließlich von deren Wahrheit ergriffen und erfüllt wurde.

In den Mysterien wurde der Wahrheitssucher dann durch verschiedene Mutproben und Waschungen von den in die Naturgeheimnisse Eingeweihten auf das große Ziel vorbereitet. Nach seiner Aufnahme in die Kultgemeinschaft schreitete er - analog den sieben Bewusstseinsebenen - in sieben Weihegraden bis zum vollendeten Mithras Jünger empor. Dadurch hoffte er die höchste Bewusstseinsstufe zu erreichen um sich dann mit dem Absoluten zu einen.
 
Hatte der Eingeweihte schließlich alle Grade des Heilswegs durchschritten, konnte er selbst die wiederkehrenden Geschehnisse der ewigen Erneuerung am Himmel ablesen. Dort oben war die Kunde vom eigenen Kampf, Selbstopfer, Tod, Überwindung des Todes und sieghafter Wiedergeburt des göttlichen Mittlers, der Schaukraft, aufgezeichnet. In jedem neuen Jahr sah er die mystischen Lehren von neuem am Himmel bestätigt.


 


 

 

Abbildung 161 a

„Apis – Der kosmische Stier“

Quelle: Ägyptischen Museum zu Kairo

Bildbearbeitung und Text,

Urheber: O. Jung

 

 

 

Diese Votivtafeln aus der prädynastischen Epoche zeigen den kosmischen Stier. Für die Wissenden früherer Zeiten war er das Symbol für das Begehren nach körperlichem Leben und körperlicher Lust. Das entspricht in etwa der „Libido“, dem Sexualtrieb nach Freud. Das lateinische Wort „libido“ bedeutet „Begehren, Begierde“. Im engeren Sinne: „ Trieb nach Wollust, Maßlosigkeit“.

 

Auf andere Bahnen geleitet ist er als zielgerichteter Antrieb die Ursache des menschlichen Wollens und Handelns. Weil das Begehren nach sexueller Lust eines der mächtigsten Hindernisse auf dem Weg zur Einung mit dem Absoluten ist, war es für die Weisen der böse Satan. In dieser Symbolik stellvertretend ein Stier. Der Sexualtrieb musste um jeden Preis durch den auf das höchste Ziel ausgerichteten, messerscharfen Verstand – symbolisch ein Dolch, Schwert oder Speer - abgetötet werden. Das ist der Grund, warum sie ihren Schülern Enthaltsamkeit empfahlen. Die Tötung eines richtigen Stieres hilft da nicht. Eine solche Tat schafft nur zusätzlich schlechtes Karma.

 

Zudem waren sie der Meinung, dass alles was dem Menschen Lust verschafft, ihn abhängig macht. Und zwar nicht nur von den eigenen Drängern, Trieben und Begierden in ihm - wie bei einem Rauschgiftsüchtigen -, sondern auch von den Dingen, Tieren und Menschen, die zur Erfüllung seiner Wünsche, oder dem Ausleben seiner Leidenschaften, erforderlich sind. Dadurch wird aus einem mächtigen König ein besiegter Sklave.

 

Das ist in etwa der Sinngehalt der entsprechenden Darstellungen auf den prähistorischen Tafeln. Auf der linken ist es nur ein einfacher Mensch den der Stier durch einen Tritt auf den Arm niederhält. Auf der rechten ein Pharao. Ihm zerquetscht er mit dem Vorderbein Wade und Schienbein. Das heißt, er wird durch den Sexualtrieb in seinem Handeln und seinen Bewegungen eingeschränkt.

 

Natürlich ist das alles nur sinnbildlich gemeint. Es beschreibt entsprechende Vorgänge im Bewusstsein. Der Stier steht für den Trieb, die Figur mit dem Kunstbart für den Menschen, den erkennenden, empfindenden Erleber. Eigentlich ein König, der so zum Sklaven gemacht wird. Die Strickleiter mit den fünf Sprossen versinnbildlicht die Sinne Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack und Getast. Sie bilden eine Seilschaft und münden im Sechsten, dem Denken. Dort verarbeitet der Verstand die eingespeisten Sinneseindrücke zu einem Bild.

 

Diese Informationen werden von den Sinnesorganen gesammelt und gespeichert, wie Vorräte von einem Eichhörnchen. Darum hat der vorzeitliche Künstler diese schlauen Kerlchen neben den Leitersprossen, die das Seil mit Händen umklammern, abgebildet. Alle Sinne wie Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten sind bei den tagaktiven Eichhörnchen gut ausgeprägt.

 

Die räumliche Wahrnehmung ist sehr gut. Ihre großen Augen verschaffen ihnen einen guten Rundumblick. Daher können sie die Abstände gut einschätzen wenn sie von Baum zu Baum springen. Auch der Hörsinn ist bestens entwickelt. Feinde wie Katzen, Wiesel, Luchs, Krähen, Baummarder und Greifvögel erwischen die Eichhörnchen nur sehr selten. Sie verfügen auch über einen feinen Geruchssinn. Damit spüren sie noch Nüsse auf, die 30 Zentimeter unter dem Schnee liegen. Beim Fühlen und Tasten helfen die Tasthaare an der Schnauze, über den Augen, an den Beinen, am Bauch und über der Schwanzwurzel. Damit können sie sich auch nachts gut orientieren.

Alles Eigenschaften durch die man die Sinne und ihre Fähigkeiten, in diesem possierlichen Tier zusammengefasst, symbolisch darstellen kann.

Abbildung 161 b

„Der Stier als Symbol“

Quelle: Privates Bildarchiv

Bildbearbeitung und Text,

Urheber: O. Jung

 

Dieses Bild zeigt den Apis bei einer Prozession als schreitenden Stier. Zwischen seinen Hörnern eine Sonnenscheibe mit der sich aufbäumenden Uräusschlange. Stierbilder versinnbildlichen in der Symbolik Stärke, den Willen zum Sieg, ungezügelte Kampfeslust, ausgeprägten Sexualtrieb, Zeugungskraft und Fruchtbarkeit. Eigenschaften die auch dem „Ich bin der Größte fordernden empirischen Ich“ in den verkörperten Seelen der Wesen eigen sind und unter dem Begriff „Lebens- und Überlebenswille“ zusammengefasst werden können.

 

Die in die Naturgeheimnisse Eingeweihten früherer Zeitalter gingen von fünf Seinsweisen aus. Die der materiellen Welt, der organischen Welt, der Himmelswelt, die Seinsweise der Weltennacht und die merkmallose Seinsweise des Absoluten über die keine Aussagen möglich sind. Dabei unterschieden sie zwischen Erkennendem und Erkennbarem. Das Erkennbare, wie zum Beispiel die materielle Welt, waren für sie nur von geringem Interesse. Sie richteten ihr Augenmerk vorzugsweise auf das Erkennende. Dabei spielte die „Schaukraft“ eine zentrale Rolle. So wie Licht die Mittlerin zwischen Objekt und Auge ist, so ist die Schaukraft die Mittlerin zwischen dem erkennenden Subjekt und dem Monitor „Bewusstsein“.

 

Diese Eigenschaft zu erkennen, die dem Subjekt eigen ist wie das Nasssein dem Wasser, und die Schaukraft, verhalten sich zueinander wie Auge und Licht. So wie es ohne Licht mit noch so guten Augen kein Erkennen gibt, so gibt es für das Erkennende ohne die Schaukraft kein Welterkennen und damit kein Welterleben. Beides, Licht und Schaukraft haben eine Quelle die von Ursachen abhängig ist. Bei Licht ist es Feuer und bei der Schaukraft sind es bestimmte Schwingungszustände im Schwingungsträger „Äther“. Optimales Feuer, optimales Licht und gutes Sehen. Optimaler Schwingungszustand im Äther, optimale Schaukraft und optimales Erkennen. Schwankt das Licht, nimmt das Erkennen zu oder ab. Nehmen die Schwingungen im Äther zu oder ab, ändert sich das Erkenntnisvermögen und verschwindet im Tiefschlaf oder tiefer Narkose völlig.

 

Nun gibt es in unserer Erfahrungswelt zwei natürliche große Lichtquellen. Die Sonne und den Mond. Die Sonne versinnbildlicht die Ursache für das Erkennen in der Himmelswelt und der Mond das zu- und abnehmende Erkennen in den verkörperten Seelen in der materiellen Welt. Dadurch wird die Sonne in der Symbolik zum Himmelsauge und der Mond zum Auge der materiellen Welt. Auf sie weist das nach unten zeigende Dreieck auf der Stirn des Apis hin. So wie der Mond über kein eigenes Licht verfügt, so verfügt auch die Materie über keine eigene Schaukraft. Der Mond ist auf das Sonnenlicht angewiesen und die Materie auf die Schaukraft und Erkenntnisfähigkeit der Seele.

 

Dieser Sachverhalt wird beim Stier durch seine Hörner, die abgeblendete Sonnenscheibe und die Uräusschlange versinnbildlicht. Der Stier verkörpert den Drang in der inkarnierten Seele das Abenteuer Leben in der materiellen Welt zu erleben. Sein Gehörn steht für die Mondsichel. Das zu- und abnehmende Licht des Mondes für die zu- und abnehmende Erkenntnisfähigkeit der Seele. Die Uräusschlange für die Schwingungen die im Äther die Schaukraft erzeugen.

 

Eine Seele ist ein programmierter und daher individualisierter Schwingungsträger. Ihre Individualität und Persönlichkeit besteht nur in ihrem ständig wechselnden aktiven Programm, der Information. Unser Erkenntnisapparat kann nur Endliches, mit Merkmalen behaftetes, wahrnehmen und zu einem Weltbild verknüpfen. Darum ist ein Schwingungsträger auf dem sich alle Schwingungen in einer Pattsituation befinden für uns unerkennbar. Einen völlig entprogrammierten Schwingungsträger kann es aufgrund der Erhaltungssätze nach meiner Meinung nicht geben.