Grüße aus dem Weserbergland
 Grüße aus dem Weserbergland

Teil V: Geheimwissen
Bauwerke, Parabeln Symbole,

Astronomen wollen Funksignale von Außerirdischen aufspüren

Tatsächlich halten Astronomen schon seit vielen Jahren nach Funksignalen von außerirdischen Kulturen Ausschau und senden selbst Rufzeichen ins All. Die Nasa hat die Fahndung nach einer „anderen Erde“ mit außerirdischem Leben sogar zu einer ihrer wichtigsten Aufgaben für das dritte Jahrtausend erklärt. Dabei geht man davon aus, dass außerirdische Intelligenzen versuchen würden, uns Radiosignale zu übermitteln und sich auch untereinander mittels verbesserter Rundfunktechnik verständigen. Die amerikanische Weltraumbehörde NASA startete sogar eine Raumsonde mit Formeln, Codes und aufgemalten Zeichnungen, die Findern jenseits des Sonnensystems durch die interstellare Flaschenpost die Existenz des Menschen und die Koordinaten seines Planeten mitteilen sollen.

Abbildung 123             Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

 

Bei der Suche nach Rückmeldungen wird elektronische Technik eingesetzt die so sensibel ist, dass man auf Pluto ein Transistorradio „hören“ könnte. Erst kürzlich wurde ein Gerät in Betrieb genommen, das auf einer Million Frequenzen zugleich feststellen kann, ob von irgendwo Außerirdische irgendeine Botschaft zur Erde funken. Diese Lauscher sind Radioteleskope mit riesigen Antennenschüsseln und hochempfind-lichen Empfängern. Die Antenne fängt Radiosignale auf und bündelt diese elektromagnetischen Wellen so, dass sie vom Empfänger „gelesen“ werden können.

Um Außerirdische Signale aufzufangen hat man sogar Heimcomputer eingesetzt. Zu diesem Zweck mussten die Nutzer die Software „SETI@Home-Screensaver“ herunterladen wenn sie mitmachen wollten. Bis Ende 1999 hatten ihn über 1,5 Millionen Menschen aus 224 Ländern auf ihren Rechner kopiert und den SETI mit Rohdaten versorgt. In der Hoffnung das erste Zeichen intelligenten außerirdischen Lebens ausfindig zu machen, stellten sie dem Projekt 125.000 Jahre Computerzeit zur Verfügung.

Abbildung 124            Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Abbildung 125          Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Bisher wurde aber trotz des immensen Aufwands keine Antwort aufgefangen. Manche unserer Wissenschaftler schlussfolgern daraus, dass es außer uns keine technische Kultur in erreichbarer Nähe gibt. Andere Astroforscher ließen sich von den Misserfolgen nicht stoppen. Nachdem 1993 der US-Kongress sämtliche Gelder für ihre Suche nach außerirdischen Intelligenzen gestrichen hatte, sammelten sie von privaten Sponsoren wie etwa dem Microsoft - Mitgründer Paul Allen oder Gordon Moore von Intel viele Millionen Dollar ein. Damit finanzierten sie das Seti-Institut im kalifornischen Mountain View und das „Project Phoenix“.

Hören Außerirdische unseren Funkverkehr ab?

Das alles schließt natürlich nicht aus, dass Außerirdische unsere Radio- und Fernsehsendungen nicht abhören können. Vielleicht werden die Bewohner des waffenstarrenden blauen Planeten am Rande der Milchstraße von ihnen schon längst beobachtet weil sie herausfinden wollen, was wir hier auf der Erde so treiben. Denn seit es Radio und Fernsehen gibt, steigt von der Erdeoberfläche eine elektronische Radauglocke auf, die sich in alle Richtungen mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet und von unserer Entwicklungsstufe kündet. Ich fürchte nur, was die fremden aus dem Weltraum dabei über uns erfahren, das macht kein schlankes Bein. Wenn sie hören und sehen, wie wir mit unserem Planeten umgehen und was wir uns mit Bomben und anderen Waffen gegenseitig antun, werden sie es sicher vorziehen, sich nicht bemerkbar zu machen.

Vielleicht ändert sich das, wenn unsere Forscher Einsteins Relativitätstheorie aufgegeben und für alle Schwingungen ein Trägermedium eingeführt haben. Dann werden auch wir früher oder später ihren Wissensstand erreichen und in Akascha, der ja unter ungeheurem Druck steht, superschnelle Signale aussenden und empfangen können. Aber bis dahin werden wohl noch viele tausend Tonnen Treibhausgas in die Atmosphäre geblasen. Zumindest ist in absehbarer Zeit nicht damit zu rechnen, dass die alten Vorstellungen aufgegeben werden.

Warum das so ist brachte Herr Schulz – Hoos aus München in einem Leserbrief so auf den Punkt: „Was die RST angeht, sind es wohl weniger inhaltliche Probleme, die ihrer „Entzauberung“ entgegenstehen als ein verletzter Stolz der Physiker - von der Gemeinde der Nichtphysiker, die sich populärgebildet dieser Theorie verschworen haben, einmal abgesehen. Es wäre das erste Mal, dass in der Physik eine Theorie, die vor allem aus pragmatischen Gründen (sie liefert passende Ergebnisse) aufrechterhalten wurde, zugunsten besserer Einsicht öffentlich!, aufgegeben wird.

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass heute eine ganze Liga von Professoren und Doktoren aufsteht und freiwillig sagt: Liebe Freunde, wir haben uns über ein Jahrhundert lang geirrt. Damit stünden ja sofort auch sehr teure Experimente wie der LHC auf dem Prüfstand der Glaubwürdigkeit der Physik, denn wenn man sich schon in den grundlegenden Beziehungen von Raum und Zeit irrt, wie mag es dann erst bei den unbeobachtbaren Größen des Mikrokosmos aussehen, wird mancher Politiker fragen. Wie überhaupt es ja so ist, dass die Physik früher wichtige Theorien intern diskutieren und aufgeben konnte, heute wird daraus schnell ein Schauspiel am Pranger einer riesigen Öffentlichkeit. Das hindert neue Einsichten am Einzug, nicht nur in der Physik“.


Dazu kommt noch, dass man dann den Relativisten die Schuld an vielen Missständen geben wird. Die ganze Tragweite der Fehlinterpretation des Michelson-Experimentes wird ja erst deutlich, wenn man sich vor Augen hält, was uns im Hinblick auf Umweltbelastung und ähnlicher Probleme erspart geblieben wäre und welche ungeheuren Möglichkeiten in punkto Energiegewinnung und Raumschiffantrieb heute schon genutzt werden könnten, wenn Forscher aufgrund der richtigen Schlussfolgerungen schon vor über einhundert Jahren damit begonnen hätten, die energiereichen Raumwirbel im Mikro- und Makrokosmos anzuzapfen.

 

Wie bei fast jeder guten Medizin gäbe es dann allerdings auch noch einige unerwünschte Nebenwirkungen. Sobald man die Gravitation so weit reichend beherrscht, kommen zu den schon vorhandenen Möglichkeiten, allem Lebendigen auf diesem Planeten den Garaus zu machen, die ohnehin schon mehr als ausreichend sind, noch einige effektivere hinzu. Zum Beispiel hat der nach immer mehr Macht strebende „Selbstgefühl - Stimulierer“ nun nicht nur die Wahl zwischen den atomaren, biologischen und chemischen Waffen, um dieses Ziel zu erreichen, sondern es gesellen sich noch einige globalere hinzu, die das makabere Spiel ins Gigantische steigern.

Wenn die Pole springen

Um zu zeigen wie mächtig er ist, könnte er vielleicht von einem sicheren Standpunkt aus die Pole springen lassen, so dass die einhergehenden Katastrophen das ihrige tun. Bei jedem Polsprung treten ungeheure Kräfte auf die im glutflüssigen Erdinneren katastrophale Veränderungen hervorrufen. Das hat an der Oberfläche verheerende Folgen. Ein Polsprung ist das Ende der jeweiligen Zivilisation auf dem davon betroffenen Planeten; denn es bleibt kein Stein auf dem anderen.

Nehmen wir einmal an, der apfelförmige Raum-Wirbel der mit 24facher Schallgeschwindigkeit um die Erde rast kippt um wie die laufende Trommel eines Betonmischers die man entleeren will, weil starke Kräfte aus seinem Umfeld ihn dazu zwingen. Wenn das nur schnell genug geschieht, behielte unsere Erde wie ein rotierender Kreisel ihre mehr oder weniger stabile Achslage bei und würde Betrag und Richtung ihrer Rotation nicht wesentlich ändern.

Bei dieser Prozedur muss der Äquatorwulst des Raum-Wirbels, der ja für einen Teil der äquatorialen Wölbung des Erdkörpers verantwortlich ist, über die abgeflachten geographischen Pole der Erde wandern und wölbt auf seinem Wege alles in die Höhe, was keinen Widerstand entgegensetzen kann. Die abgeflachten Pole des Raum-Wirbels, die sich über den Äquatorwulst des Erdkörpers schieben, drücken alles nach unten. Und das während die Erdkugel sich unbeirrt um ihre Achse dreht.

 

Abbildung 126

Erde im Etherwirbel vor dem Polsprung“

Quelle: Privates Bildarchiv

Urheber: O. Jung

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Der Etherwirbel erzeugt zwei Kräfte. Durch seine Sogkraft Gravitation und senkrecht zur Flussrichtung des wirbelnden Mediums ein Magnetfeld. Darum ist unsere Erde von einem Gravitationsfeld und einem gigantischen Magnetfeld umgeben.  weiterlesen

Abbildung 127

Erde im Etherwirbel während des Polsprungs“

Quelle: Privates Bildarchiv

Urheber: O. Jung

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Dieses Bild zeigt den apfelförmigen Etherwirbel während er im Uhrzeigersinn auf halbem Wege umkippt. Dabei ziehen die Sogkräfte seines Äquatorwulstes die Erdkruste an den abgeflachten Polen in die Höhe. Dagegen lassen seine abgeflachten Pole die vorher aufgewölbte Erdkruste am Erdäquator ein wenig fallen.  weiterlesen

Abbildung 128

Erde im Etherwirbel nach dem Polsprung“

Quelle: Privates Bildarchiv

Urheber: O. Jung

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Die magnetischen Pole wandern vor und nach einem Polsprung, weil der Etherwirbel wie ein angetrunkener Mensch ein wenig hin und her schwankt. Vermutlich weil starke äußere Kräfte ihn aus dem Gleichgewicht bringen und schließlich umkippen. Läuft er nach der Prozedur in etwa wieder mit der Erdachse parallel, hat sich das Erdmagnetfeld umgepolt.  weiterlesen

Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, welche verheerenden Veränderungen auf der Erdoberfläche eintreten, wenn der Gravitation erzeugende Raumwirbel wie ein unsichtbarer Super-Riese mit eisernem Griff die zerbrechliche Erdkruste massiert. Gigantische Springfluten laufen wie Gezeitenwellen um den Erdball, begraben ganze Kontinente unter ihren Salzwassermassen und bringen die Achse des rotierenden Erdkörpers aus dem Gleichgewicht. Während sie immer stärker hin und her taumelt, reißt die Erdkruste an allen möglichen Stellen auf und glutflüssige, brodelnde Lava quillt aus Rissen und Spalten hervor, wie Blut aus einem geschundenen Körper.

 

Weil die Achsenpole der rotierenden Erde und die des Raum-Wirbels nicht sofort wieder übereinstimmen, wird sowohl die Erdachse, als auch die Achse des Raumwirbels noch sehr lange beträchtlich hin und her pendeln. Diesen Schwankungen müssen die Gezeitenwülste weiterhin folgen. Sie transportieren dabei nicht nur ungeheure Wassermengen aus den Erdozeanen hin und her, sondern verändern auch die Bewegungen des glutflüssigen Magmas im Erdinneren.

Das kann nicht ohne Einfluss auf das Driften der mächtigen kontinentalen Erdplatten bleiben, die mit ihren Sockeln im flüssigen Magma des Erdinneren schwimmen. Sie werden schwanken, sich an ihren Berührungspunkten reiben und ineinander verkeilen, wie die Eisschollen auf einem zugefrorenen Strom, der das erste Schmelzwasser führt. Dadurch erheben sich über den Bruch- und Nahtstellen neue Gebirgsketten, während alte für immer darin versinken.

Abbildung 129

„Kippt der Etherwirbel, springen die Pole“

Quelle: PM – Magazin 8 / 1981

Urheber: Nicht genannt

Bildbearbeitung und Text,

Urheber: O. Jung

 

In ferner Zukunft könnten skrupellose Potentaten über Mittel verfügen, mit denen sie von einem sicheren Stand-punkt aus die Pole springen lassen. Dann kippt der apfelförmige Raumwirbel um 180 Grad, während der Erdkörper sich weiter um seine Achse dreht. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, welche verheerenden Veränderungen auf der Erdoberfläche eintreten, wenn der Gravitation erzeugende Etherwirbel wie ein unsichtbarer Superriese mit eisernem Griff die zerbrechliche Erdkruste massiert.

 

Gigantische Springfluten laufen wie Gezeitenwellen um den Erdball, begraben ganze Kontinente unter ihren Salzwassermassen und bringen seine Achse aus dem Gleichgewicht. Während sie immer stärker hin und her taumelt, reißt die Erdkruste an allen möglichen Stellen auf und glutflüssige, brodelnde Lava quillt aus Rissen und Spalten hervor, wie Blut aus einem geschundenen Körper.

Aber das ist noch nicht alles, was die jeweils lebenden Bewohner der Erdoberfläche verkraften müssen. Weil sich durch das Pendeln der Erdachse der Einfallwinkel der Sonnenstrahlen verändert, ändert sich auch der Rhythmus der Jahreszeiten und die großen Klimazonen der Erde verschieben sich beträchtlich. Blühende tropische Landschaften verwandeln sich in Wüsten aus Schnee und Eis, während die dicken Eispanzer der Gletscherregionen schmelzen und üppiger Vegetation Platz machen.

Dass bei einem früheren Polsprung derartig krasse Klimaschwankungen auf unserem Planeten stattgefunden haben, belegen zahlreiche archäologische Funde. So entdeckten Archäologen in Braunkohlengruben auf Jütland versteinerte Bananenstauden, die wahrscheinlich 20 Millionen Jahre dort gelegen haben. Der Fund beweist, dass auf der Halbinsel zwischen Kattegatt und Nordsee einmal afrikanisches Klima herrschte. Auch Kohlenflözfunde in der Antarktis und fossile Palmen auf Spitzbergen sind eindeutige Belege dafür, dass dort vor vielen Millionen Jahren subtropische Urwälder gestanden haben.

Vielleicht stellt man später sogar einmal fest, dass auch die letzten großen Eiszeiten, die auf der nördlichen Erdhalbkugel überall ihre Spuren in Form von Gletschermoränen hinterließen, durch mehr oder weniger große Verschiebungen der Klimazonen ausgelöst wurden. Sicherlich ist in diesem Zusammenhang auch interessant, dass nach jahrelanger Forschungsarbeit bewiesen wurde, dass der geographische Südpol vor 450 Millionen Jahren im Westen des afrikanischen Kontinents gelegen hat und weite Teile Afrikas von Schnee und Eis bedeckt waren. Gleichzeitig hat man festgestellt, dass am Nordpol vor einigen Millionen Jahren nie Poleis in der heutigen Ausdehnung existierte.

Aber glücklicherweise werden die erworbenen Erkenntnisse, die in ferner Zukunft diese negativen Möglichkeiten zulassen, schon vorher die menschliche Denk- und Handlungsweise hin zum Positiven verändern. Sie werden auf Religion, Philosophie und den ethisch-moralischen Bereich nicht ohne Auswirkungen bleiben. Das entsprechende Wissen wird beim Erkennenden eine radikale Wandlung des Bewusstseins bewirken und seine Handlungen entsprechend steuern. Aus diesem Grunde ist es mehr als unwahrscheinlich, dass er weiterhin den zerstörerischen Ambitionen den Vorrang gewährt.

Die entsprechenden Erkenntnisse zeigen ihm ja unwiderruflich auf, dass er es selbst ist, der da immer wieder ernten muss, was er vorher ausgesät hat, und dass er diesem Mechanismus nicht so leicht entrinnen kann. Die fromme Lüge, dass nach dem Tode alles vorbei sei, mit der trügerischen Hoffnung: „Solange ich lebe, wird schon alles gut gehen, und nach mir die Sintflut!“, entpuppt sich als verhängnisvoller Irrtum, weil das bisher dominierende materialistische Weltbild mit seinen materialistisch ausgerichteten Konsequenzen endgültig zu Bruch geht. Die Annahme, Materie sei alles, und alle das Universum auf- und abbauenden Kräfte - wie zum Beispiel die vier Wechselwirkungen oder die Eigenschaften des Lebens wie Erkennen und Bewusstsein - wohnten dieser Materie inne, lässt sich nicht mehr aufrechterhalten.

Es ist sicher, dass die Erkenntnisse, die zur kontrollierten Verknüpfung der vier Wechselwirkungen führen, die größte Wende in der Menschheitsgeschichte auslösen. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen werden vor keinem Bereich halt machen und allem ihre Zielrichtung aufzwingen. Auf der einen Seite wird sich der Bibelspruch bewahrheiten der besagt: „Und nun wird ihnen nichts mehr unmöglich sein, was immer sie sich vornehmen“. Auf der anderen zerschellen am neuen Weltbild alle Illusionen. Das kommt nach der Bibel einer Vertreibung aus dem Paradiese gleich, denn wie bei allen geistigen Hinterlassenschaften der Eingeweihten verbirgt sich auch hinter der Paradiesgeschichte eine verschlüsselte Mitteilung.

Man darf die alten Texte nicht wörtlich nehmen

Wenn in der klassischen Mythologie einer von den mystischen Vögeln, der Drache von Ladon, die Funktion des Wächters übernimmt und die goldenen Äpfel in den Gärten der Hesperiden bewacht, so ist das alles symbolisch gemeint. Man darf die alten Texte nicht einfach wörtlich nehmen, wie wir das von unseren wissenschaftlichen Büchern gewohnt sind. In diesem Bild ist der Drache der Gravitation erzeugende Raumwirbel und die glänzenden Äpfel die Himmelskörper deren Bewegungen er überwacht. Für den nach Wahrheit dürstenden Adepten galt es, diesen welterzeugenden Drachen aufzuspüren, denn er lebt ja im Verborgenen, symbolisch im Walde.

Um ihm seine Suche zu erleichtern, haben die weisen Männer früherer Epochen ihr Wissen in vielen Formen hinterlassen, aber das geheimnisvoll-rätselhafte ist allen gemeinsam. Die Art, wie sie ihre geheimnisumwobenen, verschlüsselten Aussagen darboten, sollte Neugierde erwecken und war gleichzeitig ein Prüfstein für Intelligenz und Lauterkeit des Suchenden. Wer sich aber über die eingebauten „Stolpersteine“ hinwegsetzte, die Aussagen allzu wörtlich nahm und zum Beispiel in einem richtigen Walde nach einem Feuer speienden Tier Ausschau hielt, hatte die Prüfung nicht bestanden. Er war nicht reif für das kostbare Juwel der Wahrheit, das die Wissenden früherer Epochen wie ihren Augapfel hüteten.

Rabbi Simeon Ben Jochai

Dass es sich bei den meisten alten Schriften um verschlüsselte Mitteilungen handelt, bestätigt uns zum Beispiel in der Kabbala Rabbi Simeon Ben Jochai der im 2. Jh. n. Chr. lebte in Bezug auf die Tora. Das Wort bedeutet hebräisch Lehre und ist der Sammelname für die fünf Bücher Moses. Sie stammt unmittelbar von Gott selbst und ist somit der heiligste Teil des Alten Testaments. In der kabbalistischen Praxis hat sie bei den Suchenden das größte Gewicht. Sie wurde auf großen Pergamentrollen geschrieben und in einem kostbar verzierten Schrank aufbewahrt.

Simeon Ben Jochai, der viele Schriften verfasst hat, soll der Legende nach auch der Verfasser des Sohar sein. Diese Urheberschaft wird aber an andere Stelle dem spanischen Kabbalisten Moses Ben Schem Tov de Leon ebenfalls zugeschrieben. Der Sohar, das „Buch des Glanzes“, ist das Hauptwerk der Kabbala (13. Jh. n. Chr.) und die Säule des kabbalistischen Wissens. Kabbala heißt übersetzt „empfangen durch Überlieferung“ und ist die Bezeichnung für die jüdische Geheimlehre und Mystik.

Rabbi Simeon sagte: „Wehe dem, der glaubt, die Tora enthielte gewöhnliche Worte und weltliche Erzählungen! Wenn dies der Wahrheit entspräche, wäre es uns auch heute noch unbenommen, eine Tora herzustellen, die mehr Bewunderung erregt. Wir müssten zu diesem Zweck nur aus den verschiedenen Büchern weltlicher Gesetzgeber und Moralschriftsteller die herausragendsten und erhabensten Stücke entnehmen und aus ihnen eine neue Tora zusammenstellen. In Wahrheit aber liegt in jedem Wort der Tora ein tiefes Geheimnis verborgen, das in menschliche Worte eingekleidet ist.

Die Erzählungen die sich in der Tora finden, sind eine Einkleidung der höheren Lehren. Es gibt ja nur törichte Menschen, die, wenn sie einen schön gekleideten Menschen sehen, schon mit diesem Anblick zufrieden sind und über dem Kleid den Körper vergessen. Von solchen Menschen kann man nicht erwarten, dass sie die Seele zu würdigen und zu schätzen wissen, obwohl doch der Wert des Körpers hauptsächlich von dem Zustand seiner Seele abhängt. Ebenso verhält es sich mit der Tora: Die Erzählungen sind ihr Kleid. Die aus ihnen hervorgehende Moral ist ihr Körper, während der verborgene, geheimnisvolle Sinn, die Seele der Tora ist.

Die Narren halten die Erzählungen selbst schon für den Körper der Tora und dringen überhaupt nicht tiefer hinein. Die Verständigen sehen auch das, was das Kleid umschließt, nämlich die in den Erzählungen enthaltene Morallehre. Die wirklichen Weisen aber richten ihr Augenmerk ganz allein auf die Seele der Tora, welche die verborgenen Lehren enthält. Sie allein sind dazu bestimmt, in der zukünftigen Welt die Seele dieser Seelen anzuschauen, welche in der Tora atmet.

Wenn die Tora nur gewöhnliche Worte und Erzählungen enthielte, wie z. B. die Worte Esaus, Labans, Hagars, der Eselin Bileams oder Bileams selbst, ohne dass den Worten ein tiefer Sinn innewohnte, wie würde die Tora dann die Lehre der Wahrheit, die vollkommene Lehre oder das treue Zeugnis Gottes heißen dürfen? Warum würde man sie dann höher als Gold oder Perlen achten? In Wahrheit aber birgt jedes ihrer Worte einen höheren Sinn! Jede Erzählung enthält weit mehr als die Begebenheiten, die sie lediglich zu berichten scheint. Und dieses mehr ist eben die höhere und heilige Lehre, die wahre, aber verborgene Tora!“ (Abb. 76a)

Geheimschriften enthalten drei Sinngehalte

Wie viele auf uns gekommene Geheimschriften ist auch die Tora nicht für die einfachen Leute verfasst, sondern ihr wahrer Inhalt wurde von den Meistern nur auserwählten Schülern gelehrt. In der Regel haben die Eingeweihten ihre Parabeln aber so abgefasst, dass sie jedem etwas zu geben haben, ob er nun ein einfacher Gläubiger oder ein großer Weiser ist. Ganz grob lassen sie sich in drei Sinngehalte aufgliedern:

Der erste, nach Simon Ben Jochai das Kleid oder die Hülle, bezieht sich auf den äußeren Wortsinn und hat mehr märchenhaften Charakter. Er ist für die einfachen Menschen bestimmt. Befolgen sie die darin enthaltenen Gebote, bewahren sie sich vor großem Schaden. Dabei spielt es keine Rolle ob sie wissen warum das so ist. Sie sind hier in der gleichen Lage wie ein unwissendes Kind. Nimmt es die Warnungen seiner Eltern ernst und steckt den Nagel nicht in alle Löcher der Steckdosen bleibt es am Leben. Fasst es auf die heiße Herdplatte obwohl es ihm verboten wurde, muss es große Schmerzen erdulden.

Der zweite, nach Simon die höhere Lehre oder Morallehre, gilt dem aufrecht nach Wahrheit suchenden Schüler, der schon bestimmte Vorkenntnisse besitzt. Er ist vergleichbar mit einem Gesellen, dessen Sinnen und Trachten darauf ausgerichtet ist, die Meisterschaft zu erlangen.

Der dritte, die übersinnliche Lehre, bezieht sich auf die ursächliche Verknüpfung von Schaukraft und Welt; dieser eigentümlichen Verstrickung des Sehers als Subjekt mit der zu erfahrenden materiellen Welt als Objekt. Der Ursache von Bewusstsein und Leben in einem organischen Körper. Sie ist einzig dem weit in die Zusammenhänge eingedrungenen Meister vorbehalten. Sein Streben ist darauf gerichtet, die höchste Bewusstseinsstufe zu erlangen, in der Bewusstsein und letzte Wirklichkeit eins und dasselbe sind.

Es ist daher müßig Texte aus einer Überlieferung abzudrucken um näher auf ihre vordergründigen Aussagen einzugehen, eben weil ihre geistigen Urheber sie verschlüsselt haben. In dieser Beziehung hatten sie alle den Ehrgeiz sich gegenseitig durch die Wahl vieler dunkler Worte zu übertreffen. Niemand durfte hinter ihre Geheimnisse kommen, außer einiger Weiser allein. Das derart behütete Wissen sollte ausschließlich das Erbe späterer Generationen sein denen durch bestimmte physikalische Erkenntnisse der Schlüssel zu diesen Rätseln zufallen würde.

Wie Simon Ben Jochai uns wissen ließ, gilt das auch für das meistverkaufte Schlüsselwerk des 20.Jahrhunderts - die Bibel. So sagt zum Beispiel ein Autor der Antike, der Grieche Aliskandar Du'lqarnain: „0 du, der dieses Buch liest, du hast die Herrschaft der Erde gewonnen, wenn das Glück dir hilft und keine Hemmung dich abhält. Wenn du dich also zum Pflücken der Frucht dieses Baumes anleiten lässt, so sage Dank dem Schöpfer der Welt dafür, dass er dich beschenkt hat, indem er dieses edle Wissen vor den Händen der Menschen und vor den Dummen bewahrt hat; denn seiner würdig sind nur wenige, aber die es suchen, sind Viele.

Darum haben wir auch befohlen, es zu behüten, sobald du es zu Gesicht bekommst. Und sage auch uns Dank dafür, dass wir es nicht vernichtet haben, und schließe dich uns an in der von uns für richtig gehaltenen sorgfältigen Aufbewahrung. Denn die Annahme dieses unseres Vermächtnisses an dich und die Ausführung des dazu Dienlichen liegt dir ob und kommt dir zu, weil wir nun aus der Welt der Veränderlichkeit und des Wechsels entrückt sind in die Welt der Dauer und des Lichtes, so dass es jetzt keinen Geiz bei uns gibt und keinen Kummer, keinen Neid und keine Armut.“

Priester Sagijus warnt vor Geheimnisverrat

Sicher gibt es außer dem Streben nach Bescheidenheit für die Geheimniskrämerei der Wissenden noch andere Gründe. Einen nennt uns der berühmte Meister und des alten Syrischen kundige Christ und Philosoph, der Priester Sagijus aus Nabulus indem er schreibt:

„Nachdem ich auf das Buch des Meisters Balinus des Weisen gestoßen war und gesehen hatte, was darin an Geheimnissen unter dem Schleier der Sprache des alten Syrischen verborgen war an Kenntnis der Dinge, die Hermes, das Haupt der griechischen Weisen, unter Geheimworten, Decknamen und verschiedenartigen bildlichen Ausdrücken, seinen Schülern lehrte und was er ihnen zu verbergen geheißen hatte vor den Unwissenden, ja selbst vor den eigenen Kindern, Angehörigen, Freunden und Vertrauten, und zwar als weise Maßnahme, die dem Bekanntwerden dieser Geheimnisse vorbeugen sollte, damit nicht die bürgerliche Welt, die auf der gegenseitigen Hilfe der Menschen aufgebaut ist, zugrunde ginge und die Übel sich vermehrten, bin ich kühn vorangegangen und habe es aus der syrischen Ursprache übersetzt, ohne auch nur einen Buchstaben wegzulassen.

So erwarte ich von dem, der die Entschlüsselung mittels meiner Schrift in Angriff nimmt, dass er rein und gottesfürchtig ist und meinen Rat befolgt. Dass er, was immer ihm Gott von diesem Wissen verleiht, im Gehorsam gegen ihn, nicht den mit diesem Wissen beschenkt, der seiner nicht würdig ist, und von den Geheimnamen nicht mehr enthüllt, als ich selbst enthüllt habe.“

Uns mag diese Haltung befremdlich erscheinen. Wir sind von unseren Wissenschaffenden gewohnt, dass sie ihre Erkenntnisse so schnell wie möglich veröffentlichen, um sich die Ehre der Erstendeckung zu sichern. Für die Weisen früherer Epochen war eine solche Handlungsweise undenkbar. Für sie wäre das Selbstgefühlstimulierung in Vollendung. Eine Verhaltensweise, die den aufrecht nach Wahrheit suchenden Adepten daran hindert, sich mit dem Einen zu einen.

Ein anderer Grund für die Verschlüsselung war sicher die begründete Angst vor den Mächtigen, die mit der jeweils gültigen Religion die Massen beherrschten. Mit ihnen war nicht zu spaßen. So mancher der öffentlich eine Meinung vertrat die ihre Macht untergrub, musste um sein Leben fürchten. Mit dem Errichten von Scheiterhaufen Galgen und Kreuzen war man in früheren Zeiten immer schnell bei der Hand. So war es ratsam, sich in Geheimgemeinschaften und heimliche Zirkel zurückzuziehen die nicht kontrolliert werden konnten und deren literarische Produkte nur heimlich von Hand zu Hand gingen.

Es ist auch möglich, dass die Wissenden die unbekümmert dahinlebenden einfachen Menschen mit ihren Erkenntnissen nicht belasten wollten. Damit sie dennoch davon profitieren können haben sie in ihre Schriften Gebote eingefügt. Wer sie beherzigt sät gutes Karman, dass sowohl in seinem jetzigen Leben, als auch in seinen zukünftigen entsprechend gute Ernte bringt. Befolgt er sie nicht, erntet er nur Disteln und Dornen: „Denn was der Mensch aussäet, das wird er wiederum einschneiden!“, heißt es daher in unserer Bibel.

Balinus der Weise

Wie man vorgehen muss wenn man den wahren Sinn der in den überlieferten Texten versteckt ist erfassen will und was dabei zu beachten ist, zeigt uns ein Eingeweihter, der sich Balinus nennt. Er lebte im 1. Jh. n. Chr. und wurde von De Sacy, einem Forscher, der alte auf uns gekommene Schriftwerke übersetzte, mit seinem Alias „Apollonios von Tyana“ identifiziert. Stellvertretend für viele andere weise Männer vor ihm schreibt er in seinem Buch „Apollonios des Weisen über die Ursachen der Dinge“ für den aufrecht Forschenden folgendes:

„Ich lehre und beschreibe auf dem Wege dieses Buches die Weisheit, in die ich eingeweiht bin, damit ihr meine Weisheit höret und sie in euren Geist eindringe und euer Wesen prägendend durchdringe. Wer mein Wort in sein Wesen aufgenommen hat, so dass sein Wesen in geistige Bewegung geraten ist, der gewinnt durch die Kraft seines Wesens Beistand zur Erschließung der Weisheit und der Einsicht in den Aufbau der Wesen und in die Ursachen der Dinge.

Wenn jemand aber nicht in seinem Wesen bewegt wird, mein Wort zu hören, so kommt das von der Verhüllung seines Lichtes durch das Dunkel und von der Menge des grob Materiellen, das zwischen sein Wesen und das Aufsteigen auf den Stufen der Weisheit tritt, wie eine dunkle Wolke das Licht des leuchtenden Blickes hindert, sich mit dem Licht der strahlenden Sterne zu verbinden.

Und nun will ich euch meinen Namen nennen, damit ihr „begierig“ werdet nach meiner Weisheit und „nachdenkt“ über meine Worte und sie euch vor Augen haltet Tag und Nacht, um in langem Forschen das Wissen von den Geheimnissen der Schöpfung und den Wundern der Geschöpfe zu erreichen. Ich bin Balinus, der Herr der Talismane und Wunder. Ich bin derjenige, welcher in die dunkle Grabkammer eingedrungen ist und das Wissen über die Geheimnisse der Schöpfung aus dem Buche Hermes des Weisen herausgeholt hat.

Ich bin derjenige, dem das Wissen und die Weisheit vom Lenker der Welt gegeben worden ist und der vereint ist mit einem Wesen, das fein ist und frei von Hemmungen, so dass es imstande ist, durch seine Feinheit einzudringen und alles, was den äußeren Sinnen verborgen ist, durch die inneren Sinne zu erfassen, nämlich durch Denken, Scharfsinn, Einsicht, Bemühung und Urteilskraft, durch die äußeren Sinne aber, was zu ihrem Bereich gehört, nämlich die Farben, Geschmäcke und Gerüche, das Hören, Fühlen und Riechen.

Es bleibt also nichts von der Schöpfung, weder von der geistigen, feinen, lichtartigen, noch von der groben, schweren, körperhaften, nichts von dem, was unter die inneren und äußeren Sinne fällt, dessen Wesen, Ursache und Beschaffenheit ich nicht erfasst hätte und in das dies mein Buch nicht eindränge durch seine Feinheit und sein Ebenmaß, so dass es das grob Körperliche überwindet, das sein Gegensatz ist.

Ich sage euch also - höret auf mein Wort -, dass ein jedes Ding von den vier Naturen (Elementen) stammt, nämlich der Hitze (Feuer) und der Kälte (Erde), der Feuchtigkeit (Wasser) und der Trockenheit (Luft), so dass die Natur eines jeden von ihnen mit der des anderen verknüpft ist, indem sie in einem einzigen Kreislauf laufen., d. h. eine einzige Ordnung sie vereinigt und eine einzige Sphäre mit ihnen kreist. Ihr Oberstes ist verbunden mit dem Untersten, ihr Nächstes ist verbunden mit dem Fernsten und es verknüpft sie ein einziges Gepräge. Sie besteht ganz aus einem einzigen Grundstoff, in dem ursprünglich kein Unterschied vorhanden ist.

Nachdem sich aber die Zufälle getroffen hatten, zeigten sich Unterschiede in den Teilen dieses Grundstoffs, die Beschaffenheiten unterschieden sich durch den Wechsel in der Zusammensetzung der vier Naturen und die Dinge erhielten verschiedene Namen wegen der Verschiedenheit der Substanzen und der Formen. Wenn nun auch die Grundstoffe nach der Zusammensetzung verschieden sind, so sind sie doch gegenseitig verbunden (Affinität), einander anziehend oder abstoßend, sich einander verwandelnd gemäß ihrer Verwandtschaft und ihrer Verschiedenheit, das Verwandte anziehend durch den Zusammenhang mit ihm und das Entgegengesetzte abstoßend durch den vorhandenen Gegensatz.

Dies ist das Geheimnis der Welt und die Erkenntnis der Wurzeln (Ursachen) der Naturen. Ich habe also das Wissen von der Verwandtschaft der Naturen miteinander nach Ähnlichkeit und Verschiedenheit beschrieben, damit das Wissen davon zugänglich werde für den, der Tag und Nacht in das Buch schaut und nicht davon ablässt. Er wird dadurch kundig der Ablenkung der Dinge von ihrer Substanz und fähig zur Bindung der vier Naturen und ihres Gegensatzes; dann ist er Herr über das Wissen von den Ursachen der Dinge.

Ich habe diese Auseinandersetzung an den Anfang dieses meines Buches gestellt, damit, wer sie versteht, die Hauptpunkte des Wissens kennt und durch das Wissen davon zu dem Wissen von den Geheimnissen der Schöpfung hingeführt wird und dadurch die kunstgerechte Darstellung der Natur erreicht.

Und nun mache ich euch bekannt mit meinem Stammbaum und meiner Herkunft. Ich war eine Waise und gehörte zu den Bewohnern einer Stadt im Königreich Tuwana die Tuwanuwa heißt, (Südanatolien, 2. Jahrt. v. Chr.) und besaß nichts. Nun befand sich in meiner Heimat ein Standbild aus Stein auf einer Säule von Gold, auf der geschrieben stand: „Siehe, ich bin Hermes, der Dreifache an Weisheit. Ich habe dieses Wunderzeichen offenkundig vor allen Augen hingestellt, aber dann durch meine Weisheit verhüllt, damit Niemand dazu gelangt als ein Weiser gleich mir.“

Auf der Brustseite des Standbildes aber war in der Ursprache geschrieben: „Wer die Geheimnisse der Schöpfung und die Darstellung der Natur kennen lernen will, der sehe unter meinen Fuß.“ Aber die Leute verstanden nicht, was er damit sagte und pflegten unter seinen Fuß zu schauen, sahen aber nichts. Damals war ich noch schwach an Geist wegen meiner Jugend. Als sich aber meine geistige Natur gekräftigt hatte, las ich, was auf der Brustseite der Bildsäule geschrieben war, dachte über das nach, was es besagte und grub unter der Säule nach.

Und siehe da, ich gelangte in eine unterirdische Kammer, gefüllt mit Finsternis, in die kein Strahl der Sonne eindrang, obgleich sie darüber stand. In der sich die Winde erhoben und nicht aufhörten zu wehen. So fand ich wegen der Finsternis keine Möglichkeit, einzudringen und es hielt mir auch kein Strahl eines Lichtes darin stand wegen der Menge der Winde. Da war ich machtlos und mein Kummer war heftig. Der Schlaf überwältigte mich, während ich im Herzen besorgt war und über die Schwierigkeit nachdachte, in die ich geraten war. Da erschien mir ein Greis, ganz von meiner Form und Gestalt und sprach zu mir: „O Balinus, steh auf und gehe in diese Kammer hinein, damit du zu dem Wissen von den Geheimnissen der Schöpfung kommst und davon die Darstellung der Natur erreichst“.

Ich antwortete: „Ich sehe nichts in ihrer Finsternis und nicht hält sich in ihr ein Strahl Feuers wegen der Menge der Winde“. Da sagte er zu mir: „O Balinus, setze dein Licht in ein durchsichtiges Gefäß aus Glas, durch das du den Wind von deinem Licht abhältst, so das er es nicht ausbläst und du mit deinem Licht in der Finsternis Helle bekommst“! Da wurde mir wieder wohl ums Herz, ich wusste, dass ich mein Ziel erreicht hatte und sagte: „Wer bist du, der du mir diese Wohltat erwiesen hast?“ Er antwortete: „Ich bin dein eigenes vollkommenes, feines Wesen“.

Da erwachte ich voller Freude, stellte mein Licht in ein Gefäß, wie mich mein Geistwesen geheißen hatte und trat in die Kammer ein. Siehe, da fand ich einen Greis, der auf einem Thron aus Gold saß und in seiner Hand eine Tafel aus grünem Smaragd hielt, worauf geschrieben stand: „Dies ist die Beschreibung der Natur“. Und vor ihm befand sich ein Buch, darauf war geschrieben: „Dies ist das Geheimnis der Schöpfung und das Wissen von den Ursachen der Dinge“.

Da nahm ich das Buch in aller Ruhe weg und verließ die Kammer. Ich lernte aus dem Buch die Geheimnisse der Schöpfung und erreichte die Darstellung der Natur und lernte das Wissen von den Ursachen der Dinge. Mein Name wurde berühmt durch meine Weisheit. Ich verfertigte Talismane und bewirkte Wunder durch die Mischung der vier Naturen, ihre Zusammensetzungen, Unterschiede und Bindungen. Ich verfasse nun dieses Buch für diejenigen, die nach mir kommen, wie es auch für mich von denen verfasst worden ist, die vor mir waren“.

Welche Grundelemente enthält eine Überlieferung von einem Meister?

Beim „Buch Hermes des Weisen“ das Balinus aus der Kammer herausgeholt hat und in dem das Wissen über die Geheimnisse der Schöpfung aufgezeichnet war, handelt es sich der Legende nach um das „Buch Kuma“. Ich habe die märchenhafte Erzählung des Balinus hierher gesetzt, weil sie wunderschön zeigt welche Grundelemente eine Überlieferung enthalten muss die von einem Meister stammt. Zum einen muss der Verfasser glaubwürdig sein.

Darum schreibt Balinus, dass er ein Eingeweihter ist und gibt seinem Werk den Titel „Buch Apollonios des Weisen über die Ursachen der Dinge“. Zu seiner Zeit war ein Weiser eine glaubwürdige, hoch geachtete Autorität. Wer in unserer Zeit für einen Bericht Glaubwürdigkeit herstellen will, setzt an den Anfang: „Der Professor Dr. Mustermann von der Universität und Forschungsanstalt Musterhausen, der für seine Entdeckung des Mustermanneffekts den Nobelpreis erhielt, erklärte seinen Studenten den Sachverhalt folgendermaßen: …“

Zum anderen muss seine Darstellung sachlich sein Anliegen kundtun und vor allem neugierig machen. Außerdem sollte sie eingebaute Stolper- und Prüfsteine enthalten, damit sich die Spreu vom Weizen trennt. Alles ist in Balinus Werk vorhanden. Stolper- und Prüfsteine sind Sachverhalte die so nicht stimmen können. Zum Beispiel kann ein öffentlich zugängliches Standbild aus Stein auf einer Säule von Gold, dort nicht lange gestanden haben. Räuber hätten es eher früher als später abmontiert und die Säule von Gold gestohlen.

Auch eine unterirdische Kammer, gefüllt mit Finsternis, in die kein Strahl der Sonne eindrang, obgleich sie darüber stand und in der sich die Winde erhoben und nicht aufhörten zu wehen, kann es so nicht gegeben haben. Ein Greis, der auf einem Thron aus Gold saß und in seiner Hand eine Tafel aus grünem Smaragd hält, hat da bestimmt nicht so lange gesessen, bis aus dem jungen Balinus ein reifer Mann geworden war.

Wer mit solch offensichtlichen Unmöglichkeiten konfrontiert wird hat drei Möglichkeiten. Entweder er ist naiv und glaubt alles wörtlich weil es ja von einem Weisen stammt. Oder er sagt: „Mit dem Unsinn befasse ich mich erst gar nicht. Wer so einen Quatsch von sich gibt, von dem kann ich ganz bestimmt nichts lernen.“ Beide kommen als Adepten nicht in Frage. Sie haben die Prüfung nicht bestanden. Ein Dritter liest was da steht und denkt: „Ein Mensch der zu damaliger Zeit lesen und schreiben konnte und dessen Schriften Jahrhunderte oder gar Jahrtausende überdauerten, kann nicht so dumm gewesen sein, dass er die Widersprüche nicht bemerkt hätte. Er muss sie absichtlich eingebaut haben.“

Neugierig geworden liest er alles aufmerksam und vorurteilsfrei. Weil er nicht gleich den wahren Sinn der Geschichte erfasst, fragt er sich warum das so ist. Um darauf eine Antwort zu finden, beherzigt er den Rat Balinus und lässt seine Worte in sich eindringen und sein Wesen prägend durchdringen. Dabei erkennt er, dass der ihm seine Frage längst beantwortet hat. Es kommt von der Verhüllung seines Lichtes, seines Erkenntnisvermögens, das vom Dunkel des grob Materiellen getrübt wird wie klares Wasser durch aufgewirbelten Schmutz. Soll das Wasser sauber werden, braucht man es nur so lange stehen lassen bis es zur Ruhe kommt. Dann sinkt der Schmutz zu Boden und es wird wieder durchsichtig.

Unruhe, Wille und Begierden trüben das Denkvermögen

Das gleiche gilt für das Denkvermögen das von der Unruhe, die Wille, Begierden und Leidenschaften in seinem Bewusstsein erzeugen, beeinträchtigt wird. Diese Unruhe behindert sein Denkvermögen wie eine dunkle Wolke das Licht der Sonne. Je mehr sich die starken seelischen Bewegungen beruhigen, desto klarer wird sein Durchblick. Dann begreift er warum es nicht ausreicht die Worte nur zu hören. Will er Einsicht in den Aufbau der Wesen und in die Ursachen der Dinge erlangen, muss das Thema seinen Geist durch intensives Denken völlig ausfüllen. Nach der Lehre der Weisen erfährt er dabei aber nichts Neues. Wie die Daten in einem riesigen Computer, so ist in seiner Seele alles gespeichert, was er sich in seinen unendlich vielen Vorleben an Wissen angeeignet hat. Er braucht es nur abzurufen und sich bewusst zu machen.

Freilich hatte man in Balinus Zeiten noch keinen Computer. Dafür stand aber die Steinmetzkunst in hoher Blüte. Um ihren Schülern den Sachverhalt zu veranschaulichten sagten die Meister zu ihnen: „Sieh einem Bildhauer bei seiner Arbeit zu. Wenn er eine Form aus dem Stein hauen will existiert sie nicht erst in seiner Vorstellung, sondern ist schon vorher im Stein enthalten. Er schlägt nur das überflüssige weg und bringt sie so zum Vorschein. Dabei ist es gleichgültig um welche es sich handelt, denn es gibt keine die der Stein nicht enthält.

Abbildung 130

Schimon ben Jochai

„Besitzer der Perle des Lichts“

Quelle: H. Werner, „Kabbala“; Komet Verlag, o. Jz. Urheber: Nicht benannt

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Simon ben Jochai lebte im 2. Jh. n. Chr. und war ein Schüler des Rabbi Akiba. Er weihte ihn in die Geheimnisse der Geheimnisse ein. Das waren die „Perlen des Lichts“ welche die Eingeweihten wie ihren Augapfel hüteten. Nur Auserwählten wurden sie mitgeteilt. Darum heißt es in der Kabbala:  weiterlesen

Abbildung 131            Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Im Datenspeicher der Seele ist es genauso. Auch sie enthält ausnahmslos alle Formen des Wissens. Auch hier braucht man nur das Nichterwünschte weglassen um das Gewünschte ins Gedächtnis zu rufen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Bei allen Gedächtnisinhalten handelt es sich um Schwingungen. Sie sind im seelischen Getriebe nach Energiestufen geordnet. Die Schwingungen des Bewusstseins haben die höchste Energiestufe. Alle anderen schwingen auf einem niedrigeren Energieniveau. Um das Verhältnis zwischen diesen unterschiedlichen Schwingungseinheiten anschaulich zu machen, benutzt Balinus hier als Vergleich die Beziehung zwischen dem Licht der Sterne und dem der Sonne. Das Tageslicht entspricht den Schwingungen des Wachbewusstseins und das schwache, unterschiedlich helle Licht der Sterne, denen der Gedächtnisinhalte.

So wie das starke Licht der Sonne das der Sterne, so überlagern die starken Schwingungen des Wachbewusstseins die schwächeren der Gedächtnisinhalte. Soll ein Stern auch am Tage sichtbar sein, muss das Sonnenlicht solange abnehmen bis es schwächer ist als das des Sterns, oder das des Sterns solange zunehmen, bis es das Sonnenlicht überstrahlt. Das ist auch bei den Gedächtnisinhalten und dem Wachbewusstsein so. Die starken seelischen Bewegungen des Wachbewusstseins überdecken alles. Wollen wir uns tiefer liegende Bewusstseinsinhalte bewusst machen benutzt unser Denkapparat hauptsächlich die zweite Möglichkeit.

Das geschieht nach dem Resonanzprinzip. Hören wir z. B. ein bestimmtes Wort oder eine längst vergessene Melodie, führen diese Schwingungen den Schwingungen im Gedächtnis Schwingungsenergie zu, die damit auf gleicher Welle liegen. Unser Denkapparat verstärkt sie und hebt sie ins Bewusstsein. Das funktioniert aber nur bei Gedächtnisinhalten mit verhältnismäßig hoher Schwingungsenergie. Weil alle Schwingungen gedämpfte Schwingungen sind nimmt diese mit der Zeit ab und sie sinken auf der Energiescala immer weiter nach unten. Deshalb ist diese Methode für sehr weit zurückliegende Gedächtnisinhalte ohne die erste ungeeignet.

Dafür die erste Möglichkeit umso mehr. Zwar können wir die Sonne nicht soweit abdunkeln das auch am Tage die Sterne funkeln, wohl aber den Energielevel unseres Bewusstseins durch geeignete Methoden soweit absenken, dass immer schwächere Gedächtnisinhalte ins Bewusstsein treten. Auf diese Weise können wir uns auch an Dinge erinnern die aus weit zurückliegenden Zeiten stammen. Dabei ist uns das Resonanzprinzip behilflich. Beschäftigt uns ein bestimmtes Problem so sehr, dass es unseren Geist durch intensives Denken völlig ausfüllt, versetzen diese Schwingungen alle Gedächtnisinhalte in Resonanz, die damit harmonieren und heben sie durch Energiezufuhr ins Bewusstsein.

Aus diesem Grunde sagt Balinus am Anfang seines Buches: „Ich lehre und beschreibe auf dem Wege dieses Buches die Weisheit, in die ich eingeweiht bin, damit ihr meine Weisheit höret und sie in euren Geist eindringe und euer Wesen prägendend durchdringe. Wer mein Wort in sein Wesen aufgenommen hat, so dass sein Wesen in geistige Bewegung geraten ist, der gewinnt durch die Kraft seines Wesens Beistand zur Erschließung der Weisheit und der Einsicht in den Aufbau der Wesen und in die Ursachen der Dinge“.

Fasst man seine Ausführungen in Bezug auf die Ursachen der Dinge kurz zusammen ergibt sich folgendes Weltbild:

  1. Alles besteht aus einem einzigen Grundstoff in dem ursprünglich kein Unterschied vorhanden ist.
  2. Als sich in einem Teil dieses Grundstoffes innerhalb einer kreisenden Sphäre Unterschiede ausbildeten, änderte sich ihre Beschaffenheit.
  3. Dadurch bildeten sich innerhalb der Sphäre vier Elemente mit unterschiedlichen Eigenschaften.
  4. Alle vier sind so durch eine einzige Ordnung miteinander verknüpft, dass sie sich ineinander umwandeln können.
  5. Sie werden durch das Gesetz der Schwerkraft geordnet. Das schwerste befindet sich unten und die anderen ihrer Wichte entsprechend darüber.
  6. Alle sind miteinander verbunden. Ihr Unterstes mit dem Obersten und ihr Fernstes mit dem Nächsten.
  7. Wie Aggregatzustände laufen sie in einem Kreislauf und bestehen immer aus demselben Grundstoff.
  8. Diese vier Grundelemente sind symbolisch: Die kalte Erde, das feuchte Wasser, die trockene Luft und das feurige Plasma aus dem die Sonnen bestehen.
  9. Durch den Wechsel in der Zusammensetzung der vier Grundelemente bildeten sich Substanzen und Formen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Weil sie sich dadurch voneinander unterschieden erhielten sie verschiedene Namen.
  10. Obwohl die Grundstoffe nach der Zusammensetzung verschieden sind, so sind sie doch gegenseitig verbunden, einander anziehend oder abstoßend, sich einander verwandelnd gemäß ihrer Verwandtschaft und ihrer Verschiedenheit, das Verwandte anziehend durch den Zusammenhang mit ihm und das Entgegengesetzte abstoßend durch den vorhandenen Gegensatz.

Balinus nennt die Raumblase in der sich im vorher homogenen Grundstoff Unterschiede ausbildeten „kreisende Sphäre“. Das hat seinen Grund vermutlich in den unterschiedlichen Übersetzungen der hebräischen Schöpfungsgeschichte. So steht z. B. in der Bibel von 1736 im zweiten Satz: „Aber die Erde war ungestalt und leer, und Finsternis war über dem Abgrund, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.“ Martin Luther ersetzt ungestalt mit „wüst“ und das Wort Abgrund mit „Tiefe“. Den Geist Gottes lässt Luther über dem Wasser schweben.

Im Hebräischen steht dafür der Plural „majim „ die Wasser. Der jüdische Sozialphilosoph, er lebte von 1878 bis 1965, verdeutschte den hebräischen Text des Alten Testaments mit: „Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal. Finsternis über „Urwirbels“ Antlitz. Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser“. Das von allen Meistern über Jahrhunderte gehütete Geheimnis ist nach Balinus also das Wissen um Ursache und Bestand der Welt. Danach besteht sie nicht nur aus einer universalen Grundsubstanz, sondern ist das Zusammenspiel von vier bewegungsbedingten Grundelementen.

Die vier Elemente Luft, Feuer, Wasser und Erde

Wie alle Eingeweihten lehrte auch Flamel dass die Welt aus vier Elementen besteht. In seinem Buch schreibt er zu diesem Sachverhalt folgendes: „Das Aufrechte und Wahrhafte haben die Wissenden in ihren Schriften mit sehr dunklen und vieldeutigen Worten verfasst, damit sie nicht vollkommen verstanden werden sollten, außer von Weisen allein, damit die Wahrheit den Bösewichtern vorenthalten und verborgen bleiben sollte, die diese Wissenschaft verunehren und das Wissen hätten missbrauchen können. Wisset, dass diese Wissenschaft eine Erkenntnis über Zeiten und Eigenschaften der vier Elemente ist und in der alle Weltweisen einhelliger Meinung sind. Halte auch für gewiss, dass in allen Dingen, die unter dem Himmel erschaffen sind, vier Elemente sind…

Diese vier Elemente sind zwar nicht sichtbar, sondern in der Sache selber, die die Weltweisen unter dem Deckmantel der elementarischen Lehre, als Wissenschaft vorgewiesen und danach gearbeitet haben. Weil diese Wissenschaft aber keine Erkenntnis der Erden ist, so verstehen die Uneingeweihten unter diesen vier Elementen vielerlei Dinge wie z.B. Blut, Haar, Eiter, Urin und andere Sachen, über die ich nur spotten kann, nachdem ich zu einem besseren Sinn gekommen bin, als ich ihn vorher gehabt habe.

Obzwar die alten Philosophen von dieser Wissenschaft unterschiedlich geschrieben und unter fast unzähligen Namen die wahren Anfänge der Kunst verbargen, so haben sie doch solches nicht ohne großwichtiges Bedenken getan. Und ob sie doch mannigfaltig davon geredet haben, so sind sie doch untereinander keineswegs streitig oder widereinander gewesen, sondern zielen alle auf einen Zweck und reden von einem Ding. Doch haben sie es für gut befunden, die Hauptsache, das eigentlich Wirkende, mit wunderlichen und seiner Natur und Eigenschaft nach gar zuwiderlaufenden Namen zu benennen. Dies haben viele Scharlatane ausgenutzt, um ihren nach Gott und Wahrheit strebenden Zeitgenossen das Geld aus der Tasche zu ziehen“.

Diese vier unsichtbaren, geheimnisvollen Elemente sind vordergründig die bekannten Aggregatzustände fest, flüssig, gasförmig und plasmisch, symbolisiert durch Erde, Wasser, Luft und Feuer. Sie unterscheiden sich nur durch die verschiedenen Bewegungszustände des Grundstoffs. Schwingen z. B. die Molekühle der chemischen Verbindung H2 O in einer bestimmten Weise zusammen entsteht Eis. Erreicht ihr Erregungszustand durch Energiezufuhr einen höheren Wert, wird daraus Wasser, auf noch höherem Energieniveau Dampf und bei extrem hohem Plasma.

Nach den Lehren der Alten gibt es außer den drei Aggregatzuständen fest, flüssig und gasförmig noch einen vierten den sie symbolisch „Feuer“ nannten. Dabei handelt es sich um den plasmisch-feurigen Stoff, aus dem die Sterne bestehen. Bei Temperaturen von über 100 Millionen Grad Hitze existiert keine Materie mehr, die wir mit irgend einem irdischen Stoff vergleichen könnten. Die festen und flüssigen scheiden von vornherein aus, und was übrig bleibt, wäre nur ein materieller Zustand, den wir mit Gas bezeichnen könnten.

Aber dieses Gas hat nichts mit den uns bekannten irdischen Gasen gemein. Im Plasmagas der Sterne existieren keine Atome mehr, sondern nur noch Atomkerne und freie Elektronen. Plasma ist zwar einem Gas sehr ähnlich, dennoch ist es kein irdisches Gas. Wenn man also von den Aggregatzuständen spricht, dann darf man den plasmischen nicht auslassen. Schon deshalb nicht, weil er die vorherrschende Zustandsform des materiellen Kosmos ist; denn alles andere zählt dagegen nicht. Kalte, nichtleuchtende Himmelskörper sind die Ausnahme. Da die Aggregatzustände mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften ihrem Wesen nach nur vier verschiedene, druck- und temperaturabhängige Bewegungs- oder Schwingungs-Zustände ein und desselben Stoffes sind, ist die elementarische Lehre der Alten hintergründig eine Schwingungslehre.

Aus diesem Grunde ist das Schlangensymbol, das ja für Schwingung steht, in allen kosmogonischen Schriften zu Hause. Mit dem geheimnisvollen eigentlich Wirkenden ist Akascha, die schwingende Grundlage gemeint, deren vielfältige Bewegungs- oder Schwingungszustände die unterschiedlichen Eigenschaften des weltlichen Seins wie Erkennen und Trägheit, Leben und Bewusstsein oder Anziehung und Abstoßung hervorbringen. Dass sich ändernde Schwingungen die Eigenschaften eines Stoffes radikal verändern, können wir gut beobachten, wenn wir einen Eiswürfel in die Mikrowelle legen.

Die Atome der Eismolekühle bewegen sich zueinander, wie Mücken in einem Mückenschwarm. Wird dieser Bewegung nun durch die Mikrowelle Schwingungsenergie zugeführt, wird sie immer schneller. Dadurch verwandelt sich der Eiswürfel über dem Gefrierpunkt in Wasser und über dem Siedepunkt in Wasserdampf. Obwohl alle drei Aggregatzustände nur drei verschiedene Schwingungszustände desselben Stoffes sind, haben sie dennoch jeweils total andere Eigenschaften. Auf Eis kann man Schlittschuh laufen, im Wasser schwimmen, in der Luft fliegen und mit dem plasmischen durch Kernverschmelzung unseren Energiebedarf für Generationen decken.

Gleichzeitig benutzten die Alten die Aggregatzustände als Symbole für vier Grundzustände von Akascha. Diese werden durch unterschiedliche Bewegungszustände, die der Superpulsar der Weltschöpfung darin erzeugt, hervorgerufen.

  1. Luft / Äther (gasförmig): Einem feinstofflichen Schwingungsträger der „Luft“, Pneuma oder Geist genannt wurde und bei den Ägyptern „Nut“ hieß. Das Wort bedeutet Geist, Lufthimmel, himmlischer Raum oder himmlischer Abgrund.
  2. Feuer (plasmisch): Den darin Schaukraft erzeugenden Schwingungen. Sie wurden „Feuer“ genannt, weil sie die Ursache für das Erkennen sind wie das Feuer für das Licht. Die Ägypter verehrten darin ihren Gott„Schuh“, was Sonnenenergie bedeutet. Auch in der Bibel kommt der sich offenbarende Gott symbolisch im Feuer.
  3. Wasser / Ether (flüssig): Dem grobstofflicheren Schwingungsträger der materiellen Welt den man „Wasser“ nannte. Ihn verehrten die Ägypter in der Göttin „Tefnut“. Das Wort wird mit Feuchtigkeit übersetzt.
  4. Erde (fest): Den sich darin träge verhaltenden Schwingungen, die „Erde“ hießen. Sie sind identisch mit dem ägyptischen Erdgott „Geb“, der Materie.

Der melodische Himmel

Der Schwingungsträger Pneuma oder Geist, symbolisch „Luft“ und die darin Schaukraft erzeugenden Schwingungen, symbolisch „Feuer“, bilden zusammen eine Weltschale die Himmel genannt wurde. Der Schwingungsträger der materiellen Welt, symbolisch „Wasser“, und die darin Trägheit erzeugenden Schwingungen bilden zusammen den Weltenkern, symbolisch „Erde“.

Der Himmel wird auch der „Melodische Himmel“ genannt, weil er von Engeln, „Tönen“, bewohnt wird. Sie werden in der Symbolik häufig als Kinder mit Flügeln und Musikinstrumenten dargestellt. Die Flügel oder Schwingen stehen für „Schwingung“ und Kinder für „unschuldig“. Physikalisch sind diese Töne die „individualisierten Schwingungen“, die sich in diesem „speziellen Trägermedium“, dem Pneuma oder Geist, erkennend verhalten. Weil es sich dabei um rotierende oder pulsierende Schwingungen handelt, wurden sie von den jüdischen Mystikern Ophanim genannt. Ein hebräisches Wort das „Räder“ bedeutet und in der Merkaba – Mystik die Bezeichnung für Engel ist.

Abbildung 132

„Nut, Symbol für die Himmelswelt“

Quelle: Schöpfungsgeschichte im alten Ägypten Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Nut, die einen Halbkreis bildet, symbolisiert die Himmelswelt die Schu durch sein Handeln (Hände) erzeugt und durch seine Arme trägt. Dabei wird er vom Widdergott Chnum unterstützt. Schu bedeutet „Leere", auch „Himmelsluft die sich wirkend erweist". Er ist der Hauch Atums, die Lebensluft als dynamische Kraft des Alls. Der Mythos lässt ihn sagen: „Atum (der Allerzeuger) hat mich ausgespien als Schu, gleichzeitig mit Tefnut, die nach mir hervorkam als Speichel (Ether, symb. Wasser) aus seinem Munde“.  weiterlesen

Der „Himmel“ reicht bis zum Äußersten Rand der Raumblase die der Superpulsar in Akascha aufwölbte. Er beginnt von uns aus gesehen dort, wo die letzten Galaxien im Raum stehen und die hier gemeinte „Erde“ endet. Diese Erde ist das gesamte „materielle Weltall“. Sie ist mit unserem Planeten nicht identisch und befindet sich tatsächlich im Mittelpunkt unserer Welt.

 

Die Schwingungsträger von Himmel und Erde verhalten sich wegen ihrer unterschiedlichen Eigenschaften zueinander wie Luft und Wasser in unserer Erfahrungswelt, wobei die „Himmels-Luft“ die Wasser schwebend umgibt und in der Regel, wie das Flott der Milch, immer oben bleibt. Darum wird in den Überlieferungen berichtet, dass der Geist Gottes „brausend, schwingend“ auf dem Wasser schwebte.

Abbildung 133

„Himmel und Erde“

Quelle: Hatte die Welt einen Schöpfer?

Bildbearbeitung und Text,

Urheber: O. Jung

 

Das nebenstehende Bild zeigt die Welt so, wie sie sich aus dem entschlüsselten Weltbild der Überlieferten Texte ergibt, aber aus physikalischer Sicht. In der Bildmitte die materielle Welt. In der Symbolik der Alten die Erde. Darüber eine neutrale Zone. Sie beginnt dort, wo die letzten Galaxien im Raum stehen. Wo sie endet beginnt die Himmelswelt. Sie wird von einer unüberwindlichen Barriere umschlossen. Die Wissenden nannten sie „Kreis überschreite mich nicht“. In indischen Überlieferungen heißt sie „Dhyanipasha“, was Zaun oder Seil der Engel bedeutet.

 

Dahinter erstreckt sich der gähnende Weltraum. Darin existieren Abermilliarden andere Weltsysteme die durch unvorstellbare Entfernungen voneinander getrennt sind. Sie alle, einschließlich der unseren, gehören zu einem Hypersystem dessen Größe sich unserem Vorstellungsvermögen völlig entzieht.

Abbildung 134

Hypersystem“

Urheber: O. Jung, 2018

Bildbearbeitung und Text: O. Jungfernschaft

 

Nach dem Weltbild der Gefallenen Engel ist ein Universum nichts Einmaliges. Weder nacheinander, noch nebeneinander. Denn hinter dem äußersten Rand der Himmelswelt, da wo unser Weltall endet, beginnt erst der richtige Weltraum. Ein Behälter mit gewaltigen Ausmaßen in dem zahllose Universen unaufhörlich erscheinen und wieder verschwinden.

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Kuh und Stier als Symbole

Um zu verdeutlichen, wie ein homogener Stoff wie die Urwasser, sich durch Schwingung zuerst in zwei und später in vier Naturen aufspaltet, benutzten die Alten der verschiedenen Kulturkreise gern einen Vergleich aus der Milchwirtschaft. Darin wird „Akascha“, das ursprüngliche Wasserchaos, die Ur- oder Sintflut, zu einem Milchmeer, deren Urheberin eine Urkuh ist. In indischen Allegorien hieß sie „Surabhi, die Kuh des Überflusses“. Mit Beinamen nannte man sie auch die Quelle von Milch und Quark. Sie ist identisch mit „Amrita, dem Ozean der Unsterblichkeit“.

Mit diesem Urozean ist der Schwingungsträger Akascha gemeint, die neutralen Wasser des Raumes vor der Weltwerdung. In der germanischen Überlieferung hat Surabhi in der Urkuh „Audumla“ ihre Entsprechung. Audumla bedeutet „die den Erzeuger hervorbringt“. In der ägyptischen Götterwelt wird diese hervorbringende Kraft symbolisch zur Urkuh „Mehet-uret“, wörtlich „Die große Schwimmerin“. Ein Schwimmer ist Beweger und Bewegtes im Medium Wasser. Das Medium in dem die Bewegung der großen Schwimmerin möglich ist, sind die Urwasser des Raumes, mit dem sie ebenfalls identisch ist. Damit haben wir auch hier das Dreigestirn Beweger, Bewegtes und Medium in einem.

Abbildung 135

„Die Himmelskuh, Symbol für die Urflut Akascha“

Quelle: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte.

(Lefebure, Tomb. de Seti p. III. pl. 17)

Bildbearbeitung und Text,

Urheber: O. Jung

 

Die Himmelskuh Mehet-uret, auch Methyer genannt, symbolisiert den in Fülle vorhandenen „Urstoff Akascha“, die ursprünglichen Wasser des Raumes in der Weltennacht. Dann liegt die Bewegung, die Dreiheit Schwingungsträger, Schwingung und ihr Erzeugnis, die Schaukraft, „schlafend in dem unendlichen Schoß der Dauer“. Diese Schaukraft wird hier durch das „Uzatauge“ symbolisiert. Mehet-uret bedeutet „Die große Schwimmerin“ und Methyer „Die große Flut“. Schwimmerin steht hier symbolisch für Beweger und Bewegtes und Flut für das Medium in der die Bewegung stattfindet.

Abbildung 136

Ägyptische Göttinnen“ Links: Die Hathorkuh an der Bergwand des Westens (Brit. Museum.) Rechts: Nut mit den Göttern Schu, Chnum und Geb Quelle: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte Bildbearbeitung und Text: O. Jung

Diese beiden Bilder sind eine symbolische Darstellung der Seelen im Kreislauf der Wiedergeburten zwischen Himmel und Erde. Links die „Göttin Bat“, von Ba = Seele. In der Symbolik die Weltseele. Ein alles erfüllendes, durchströmendes, ... weiterlesen

Abbildung 137

Ägyptische Göttinnen“ Links: Die Göttin Hathor Mitte: Die Göttin Isis Quelle: Beide Bilder Roemer – und Pelizaeus Museum, Hildesheim Rechts: Die Göttin Isis mit ihrem Kind Harpokrates Quelle: Preußischer Kulturbesitz Bildbearbeitung und Text: O Jung

 

Links: Die Göttin „Hathor“. Auf dem Kopf Geierhaube, stilisierte Krone, Kuhgehörn und Sonnenscheibe. In der rechten Hand die Lebensschleife Anch und in der linken das Lotossymbol.  weiterlesen

Abbildung 138

Horus, Symbol für die unsterblichen Egos“

Quelle: Links: Roemer – und Pelizaeus Museum Hildesheim

Rechts: Nicht bekannt

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Horus: Sein Name bedeutet der „Hohe“. Er ist das Symbol für die mit Schaukraft begabten, unsterblichen Egos im Himmel und auf Erden. Auch hinter diesem Bilderrätsel verbergen sich physikalische Sachverhalte die nur durch das Weltbild der Überlieferer verständlich werden. Dabei geht es selten ... weiterlesen

Eine andere Kuh hieß in der Vratya-Tradition Altindiens Viraj, die Wesensgebärerin. Auch sie symbolisiert den Superpulsar der Weltschöpfung als Dreigestirn. Sie ist direkt aus dem „All- oder Großgott“ entstanden und brüllt mit der Stimme einer Kuh. Das bedeutet, sie erzeugt durch ihr Gebrüll in Akascha ein schwingendes Feld, wie eine brüllende Kuh Schallwellen in der sie umgebenden Luft. Dadurch erzeugt sie ein göttliches Urpaar, aus dem die Welt entstand. Dieses Urpaar sind die Schwingungsträger „Äther“ im Schalen- und „Ether“ im Kernbereichs des Superpulsars.

Das Quirlen des Milchozeans

Das Urpaar wurde nach den alten Texten „durch das Quirlen des Milchozeans herausgezogen“. Wann das geschah sagt uns das Shatapatha Brahmana. Dort heißt es: „Das Buttern des Milchmeeres fand im Satya Yuga statt, im ersten Zeitalter, das sofort auf die Sintflut folgte“. Dadurch wurden die vier Elemente von den Göttern, den kosmischen Kräften, aus den Wassern des Raumes herausgezogen. Der Legende nach wurde dabei ein wenig Milch verschüttet. Daraus entstand die Milchstraße.

Für die Menschen früherer Zeitalter, die ja hauptsächlich Land- und Viehwirtschaft betrieben und die Milch noch selbst verarbeiten mussten, war der Vergleich zwischen dem, was in den Wassern des Raum – Ozeans bei der Weltwerdung stattfand und dem Buttern der Milch, durchaus angebracht. So wie die Milch in der Hauptsache aus Wasser besteht, in dem sich fein verteilt kleine Fettklümpchen befinden, so sind im Urwasser des Raumozean die Weltenkeime in Form von Monozellen verteilt. Sie sind durch den ungeheuren Druck der in Akascha herrscht, auf unvorstellbar kleine Größe geschrumpft und haben ihre Eigenschaften, wie z. B. Schau-, Denk- und Lebenskraft, vorerst verloren.

Aus der Kuhmilch wird Sahne und Magermilch, aus den Urwassern „Äther“ und „Ether“. Weil Sahne leichter ist als Magermilch, bildet sie oben eine cremige Schicht. Das ist auch beim Äther so. Er ist leichter als Ether und bildet über ihm den Schalenbereich. In der Raumblase die wir Welt nennen ist ja außen oben und im Zentrum unten. In der Sahne bilden sich Butterklümpchen und im „Äther“ individualisierte Schaukraftträger. In der Magermilch sinkt körniger Quark nach unten, im „Ether“ die Quarks aus denen die materielle Welt besteht.

Die vier Elemente Luft (Äther), Feuer (Schaukraft), Wasser (Ether) und Erde (Quarks), die aus dem Milchozean (Akascha) herausgezogen werden, haben in der Symbolik in den aus der Milch herausgezogenen Grundbestandteilen Butter, Buttermilch, Quark und Molke ihre Entsprechung. Dass die Milch des Milchozeans im Sinnbild von einer Himmelskuh stammt, führte zur allgemein verbreiteten Anbetung von Kuh und Stier. Beides sind Symbole die mit kosmischen Gottheiten oder Kräften der Natur verbunden sind. Dabei steht die Kuh für die passive, die Keime empfangende und austragende und der Stier für die zeugende oder erzeugende Seite.

Es ließen sich noch viele andere Kühe anführen die alle symbolisch die Gestaltwelt erschaffen. Da gibt es im Rig Veda z. B. die indische „Vach, die melodische Kuh, die Unterhalt und Wasser zu melken gibt und uns Nahrung und Unterhalt gewährt“. Die mit Sternen übersäte Kuh „Hathor“, die in Ägypten auch als kuhköpfige Frau angebetet wurde. Die Urkuh Neith – Ahet, „die Große, die Re als Kalb zur Welt brachte“. Oder die ägyptische „Methyer, die ihren Sohn, die Sonne, zwischen den Hörnern trägt“. usw.…

Beim Sinnbild „Methyer“ ist der Schlüssel zweimal rumgedreht. Die Kuhhörner symbolisieren das zu- und abnehmende Licht der Mondsichel und die Mondsichel die zu- und abnehmende Schaukraft im organischen Leben. Weil der Mond als Lichtempfänger auch die materielle Welt symbolisiert, in der der schwer mit Sünden beladene Seher im Kreislauf der Widergeburten der „Kuh zwischen die Hörner gerät“ und daher nur Leid erfährt, hieß er bei den Chaldäern „Sin“, was Sünde bedeutet. Wir würden heute sagen: „Die sündige Seele, die aus dem Himmel in die materiellen Welt herabgesunken ist, kommt dort unter die Räder“.

Re, auch Ra, ist ein altägyptischer Name der Sonne. Sie steht hier für die Ursache der Schaukraft. Auch der sich dahinter verbergende Sonnengott wurde in der ägyptischen Mythologie Ra oder Re genannt. Die Griechen setzten ihn später mit ihrem Gott Helios gleich. In welcher Beziehung Re zu Nun, der Personifizierung des aus sich selbst existierenden Urozeans stand, geht aus einem mythologischen Bericht, im „Buch von der Himmelskuh“, hervor. Dort redet Re den Gott Nun so an: „O du, der Älteste der Götter, aus dem ich hervorging!“ Und Nun antwortet ihm: „Mein Sohn Re, du, der Gott, der größer ist als sein Vater und als seine Schöpfer...“.

Die hier gemeinten „Schöpfer“ die nach der Kosmogonie von Hermopolis die Geburt der Sonne geheimnisvoll vorbereitet hatten sind die Hehu, die acht Himmelsstützen Amun und Amaunet, „das was verborgen ist“, Heh und Hehet, „die räumliche Unendlichkeit“, Keh und Keket, „das Leere“, und Nun und Naunet, „die Urwasser“. Sie sind schon vor der Schöpfung da. Weil die Lotosblume das Symbol für die Schöpfung war, wurde sie vom König oder Priester mit folgenden Formeln dargeboten:

„Empfanget den Lotos, der im Anfang entstand, der vertrieb die finstere Wolke, ohne dass jemand ihn erkennen konnte… Ihr, die acht Götter, habt aus einer aus euch ausgestoßenen Flüssigkeit „benen“, den Welten - Keim gemacht. Ihr habt diesen Samen auf den Lotos ausgegossen und Samenflüssigkeit vergossen: Ihr, die acht Götter, habt sie im Nun niedergelegt, verdichtet in eine einzige Form und euer Erbe entstand, strahlend, in Gestalt eines Kindes, (der werdende Mensch als erkennender Geist). Achtheit, empfanget den Gott (den Beweger), der mitten in seinem Teiche ist, der hervorging aus eurem Leib, O Acht! Der das Licht (die Schaukraft) einsetzte, beim Ersten Mal. Achtheit, es ist euer Sohn Re, der sich hervorbringt als ein Kind…“.

Ein altes Sprichwort Altindiens sagt: „Dunkelheit ist Vater - Mutter; Licht ihr Sohn“. Mit Dunkelheit ist der nicht erkennende Zustand vor der Weltwerdung gemeint. Das darin latent enthaltene Licht, das wie von einer finsteren Wolke verdeckt wird, muss erst aktiviert werden, damit es Erkennen ermöglichen kann. „Vater“ bedeutet in den Überlieferungen Zeuger oder besser Erzeuger. Sein Sohn ist das Erzeugte, die Schaukraft. Als ihr Symbol ist dieser Sohn der „Erstgeborene“, weil die Schaukraft bei der Weltwerdung als Erstes entstand. Seine Mutter ist Nut, der „Äther oder Geist“, der Schwingungsträger der Himmelswelt. In ihm reift er wie eine Keimzelle heran um sich später in viele Einzelzellen, den Monaden oder Seelen aufzuteilen.

Die Trinität Vater Sohn und Geist

Die Trinität Vater, Sohn und Geist bilden eine untrennbare Einheit. Daher nannte man sie auch „Dreifaltigkeit“. Das Produkt des Schwingungsträgers „Wasser“, symbolisch dem Meer, (lat. Mare, Mz. Maria), die Materie, in der Symbolik „Erde“, ist nur die Säugamme. Sie liefert der herabgesunkenen Seele die Nahrung, die sie für den Aufbau und den Erhalt ihres materiellen Körpers benötigt.

Abbildung 139           Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Abbildung 140

„Vater, Sohn und Geist vereint“

Quelle: Musaeum Hermeticum, Ausgabe Frankfurt, 1749

Urheber: Abraham Lambsprinck

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Ist der Superpulsar an seinem inneren Umkehrpunkt angekommen ist Weltennacht und Vater, Sohn und Geist (Akascha) sind wieder „Eines". Im Buch des Dzyan wird das so beschrieben: weiterlesen

Text für Abbildung 141

„Venus von Willendorf“

Kalksteinschnitzerei des Aurignacien aus der Jungsteinzeit.

Quelle: Historisches Museum, Wien

Bildbearbeitung und Text,

Urheber O. Jung

 

Diese als werdende Mutter dargestellte, etwa 30.000 Jahre alte und rund 11 cm große gesichts- und armlose Figur ohne Sinnesorgane wurde 1908 in Österreich gefunden. Sie könnte die keimträchtige Grundlage vor dem Weltwerden symbolisieren. Gesichtslos bedeutet „unpersönlich", keine Wahrnehmungsorgane „nicht wahrnehmend", armlos „Nichttäter".

Was es mit dem Teich auf sich hat der aus den Acht hervorging, überliefert uns Petosiris. Er lebte in Hermopolis und rühmte sich, die Tempel erneuert zu haben. In einem Text lässt er den Superpulsar der Weltschöpfung sagen: „Ich, der Phönix (Superpulsar), schuf einen heiligen Bezirk rings um den Großen Teich, … denn es ist der Ort, wo Re geboren wurde beim Ersten Mal, als die Erde noch mit dem Nun verschlungen war; denn es ist der Geburtsort aller Götter, die anfingen zu sein im Anfang, denn an diesem Ort ist jedes Wesen entstanden“.

Ein Teich oder Süßwassersee ist eine durch Einsenkung entstandene Wasseransammlung ohne unmittelbaren Zusammenhang mit dem Meer in dem das darin enthaltene Wasser von dem des Meeres verschieden ist. Aus diesem Grund, und weil die Funktion eines Sees mannigfach und für den Menschen sehr wichtig ist, ist er als Symbol für die abgesonderten Wasser des Raumes die unsere Welt ausmachen gut geeignet. Der heilige Bezirk steht in diesem Sinnbild als unüberschreitbarer Bereich für das Ufer. Mit dieser Eingrenzung ist die Stoßfront des Superpulsars der Weltschöpfung gemeint.

Man könnte sie mit dem äußersten Bereich einer sich ausbreitenden Druckwelle vergleichen, die bei einer Explosion entsteht. Die Bibel nennt sie „ein festes Gewölbe inmitten der Wasser, das eine gekrümmte Scheidewand zwischen den beiderseitigen Wassern, die die Wasser oberhalb des Gewölbes von den Wassern unterhalb des Gewölbes scheidet“. In diesem Sinne ist die Schöpfertat die Trennung der Wasser in obere und untere. Um diesen Vorgang in einem Sinnbild darzustellen, könnte man den Superpulsar der Weltschöpfung mit einem Wasserstrudel vergleichen, der das im Ruhezustand unterschiedslose Wasser in Innen und Außen aufteilt und durch die auftretenden Sogkräfte Oben und Unten erzeugt.

 Der Fisch als Symbol

Außerdem gibt es zwischen dem Wasser in einem Teich und den Wassern innerhalb des Superpulsars noch eine andere Analogie. So wie die Wasser des Raumes innerhalb des Superpulsars der Lebensraum für die individualisierten, mit Schau- Denk- und Lebenskraft begabten Schwingungen ist, so ist ein Teich der Lebensraum von allerlei Fischen. Weil ein Fisch sich durch das Hin- und Herschwingen seines Schwanzes fortbewegt, wurde er in manchen Überlieferungen ebenfalls als Symbol für Schwingung benutzt. Daher ist der Fisch ein uraltes Symbol des Wassers, des Lebens und der Fruchtbarkeit. Es war in den ersten Jahrhunderten der christlichen Gemeinschaften das Sinnbild mit der größten Verbreitung. Selbst in den Evangelien wurde es verwendet. Hierher gehören z. B: „der wunderbare Fischzug, die Speisung der Zehntausend, usw.“.

In einer Symbolik, in der alle Schwingungen zu Fischen werden, kann auch der Superpulsar der Weltschöpfung nur ein gewaltiger Fisch sein. Diese welterzeugende Ur – Schwingung nannten die Amoräer „Dagon“ und verehrten ihn als Fruchtbarkeitsgott. Nach dem Alten Testament war er auch ein Gott der Philister. „Dag“ bedeutete bei den Vorvätern der Juden sowohl „Fisch“ als auch „Messias“. Babylonisch heißt Dag-On „Mann-Fisch“. Er ist identisch mit „Oannes“, dem Mann-Fisch von Niniveh. In der chaldäischen Legende des Berosus unterrichtet der Mann-Fisch Oannes-Dagon (das Erkennende) das Volk und zeigt, dass die Welt aus den „Wassern“ gebildet wurde und daher alle Dinge dieser „Prima Materia“ entspringen.

Abbildung 142            Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Was es mit diesem Mann-Fisch auf sich hat, erfahren wir aus einer im Zohar befindlichen Allegorie, die von Isaak Mayer übersetzt wurde. Darin treffen drei Reisende einen alten Mann, der eine schwere Last trägt und kommen mit ihm ins Gespräch. Er ist sehr weise und seine Erklärungen, die er für die Naturgesetze gibt, sind so wundervoll, dass die Reisenden ihn um seinen Namen bitten. Er aber antwortet ihnen: „Fragt mich nicht wer ich bin, lasst uns lieber weiter über die Naturgesetze reden“. Darauf fragen sie ihn: „Wer veranlasste dich, also zu wandeln und eine so schwere Last zu tragen?“ (Karma im Kreislauf der Wiedergeburten)

Er antwortet ihnen: „Die Buchstaben „YHVH“. Nun noch neugieriger geworden, bieten sie ihm an: „Wenn du uns den Namen deines Vaters nennst, so wollen wir dir den Staub von deinen Füßen küssen“. Er erwidert: „Was meinen Vater anbelangt, so hatte er seine Wohnung in der großen See (Akascha) und war ein Fisch in derselben, der die große See teilte, (in innere und äußere Wasser) denn er war groß und mächtig und der „Alte der Tage“, bis dass er alle anderen Fische (Schwingungen) in der großen See verschlang“. (Dann ist Weltennacht). Sie lauschten seinen Worten und sprachen zu ihm: „Du bist der Sohn der „Heiligen Flamme“ (Ursache der Schaukraft), du bist der Sohn des „Alten“, du bist sein Sohn, das „Licht“ (die Schaukraft).“
Demgemäß werden in manchen Überlieferungen auch die beiden dualen Welten Himmel und Erde als Fische dargestellt.

Abbildung 143           Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Das Yin-Yang der Chinesen

Wie in den merkmallosen Urwassern der Weltennacht durch eine Schwingung zwei Fische werden, zeigt uns das Yin-Yang der Chinesen. Das Symbol stammt aus dem ersten klassischen konfuzionistischen Schriftwerk des 6. oder 7.Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung und heißt „I-Ging oder Buch der Wandlungen“. Für die weisen Männer Chinas war das Yin-Yang das Zeichen für die kosmische Ganzheit. Es besteht aus „Wu-Ki“, dem Kreis ohne Anfang und Ende und einer teilenden Wellenlinie, die hier sinnbildlich für Schwingung steht. Zeichnerisch erhält man das Symbol, wenn man eine Kreisfläche durch eine Wellenlinie mit nur einem Wellenberg und einem gleichgroßen Wellental in zwei gleiche Hälften teilt.

Text für Abbildung 144

„Das Yin-Yang der Chinesen“

Quelle: Buch „Hatte die Welt einen Schöpfer? Urheber: O. Jung , 2018

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

1. „Wu-Ki“, der Kreis ohne Anfang und Ende symbolisiert den Raum als „Ewig Einen“.

2. Wenn die Pulsschwingung von außen nach innen zum „Umkehrpunkt“ gelaufen ist wird der lokal pulsierende, vom Außendruck auf ein winziges Volumen zusammengedrückte Raumteil - im Symbol der Punkt im Kreis - zum „Keimträger“, zum „Welten-Ei“.

3. + 4. Schwingt der Pulsar wieder von innen nach außen, vermindert er den Druck in seinem Inneren.   weiterlesen

Die Wissenden Altchinas waren der Ansicht, durch die teilende Wellenlinie entstehe in Form von zwei dualen Welten aus dem „Nichtbenennbaren“, symbolisiert durch den Kreis, „Yu-Ming“ das Benennbare. Yu-Ming, nunmehr auch das Zeichen der kosmischen Dualität, trägt in jeder Hälfte, die jeweils schwarz und weiß dargestellt werden, den Keim des Gegenpols in sich. Damit dieser Sachverhalt im Symbol sichtbar wird, bekommt jeder der beiden fischförmigen Hälften ein kreisrundes Auge. Sie werden so eingezeichnet, dass zwei Fische entstehen, die einander in den Schwanz beißen und der weiße Fisch ein schwarzes, der schwarze aber ein weißes Auge besitzt.

Durch diese zwei Fische wird ausgesagt, dass die beiden dualen Welten in den vorsintflutlichen Wassern des Raumes existieren und sich darin wie Fische bewegen und vermehren. Sie haben vermutlich den Fischen des gleichnamigen Tierkreiszeichens Pate gestanden. Der schwarze Fisch steht für die grobstoffliche, nichterkennende materielle Welt, der weiße für die die Licht-Elemente enthaltende, erkennende, feinstoffliche Himmelswelt. Weil die Himmelswelt die aktiven zeugungsfähigen Lebenskeime enthält, ist sie in der Symbolik männlich. Sie wird zum Vater, wenn individualisierte Keimträger als Seelen in die Wasser der materielle Welt, dem Mare – Maria, hinabgestiegen sind und sich dort verkörpert haben.

Die grobstoffliche materielle Welt, die die Lebenskeime empfängt und austrägt, wird zur Mutter, und der Ich-Thys in den Körpern des organischen Lebens, zum Sohn der beiden. Dieser Vaterfisch kann nur Söhne haben weil seine Nachkommenschaft in Form des Karman ebenfalls Lebenskeime in sich trägt. Weil alle drei in den Wassern des Raumes existieren schreibt Tertullian: „Aber wir Fischlein werden gemäß unserem „Ich-Thys Jesus Christus“ im Wasser geboren!“ Das Wort „Ich“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Fisch.

Abbildung 145

„Spiel der Najaden“

Quelle: Kunstmuseum Basel

Urheber: Arnold Böcklin

Bildbearbeitung und Text, Urheber: O. Jung

 

Die Najaden waren in der griechischen Mythologie die Nymphen der Quellen, Brunnen und Bäche. Nymphen waren niedere Gottheiten oder Naturgeister die angeblich in Gehölzen, Brunnen, Wäldern, Wiesen, Flüssen und Meeren wohnen. In den Mythen sind sie Töchter des Zeus oder des Okeanos. Man stellte sie meist in Gruppen junger schöner Mädchen dar die Musik und Tanz lie­ben. Die einzelnen Gruppen wurden jeweils dem Teil der Natur zugeordnet, den sie repräsentierten. Daraus ergibt sich dann ob, und wenn ja, welche physikalischen Sachverhalte sich hinter diesen Sinnbildern verbergen. Wären sie männlich, könnten sie den physikalischen Sachverhalt der sich hinter dem Ich-Thys verbirgt sehr schön symbolisieren. Der menschliche Oberkörper mit Kopf und Armen stände dann für den Menschen, den er­kennenden Geist und der Fischschwanz für Schwingung.

Aus dieser Sicht ist das richtig, denn die Söhne von Vater und Mutter Fisch können zwangsläufig nur Fischlein sein. Als Ichs sind wir also die kleinen Fische und wenn wir „Ich“ sagen, nennen wir unsere wahre Natur beim richtigen Namen. Physikalisch sind wir individualisierte, mit Schau- und Lebenskraft begabte, lokal pulsierende, sich ständig entfaltende und wieder einfaltende Schwingungen der ewigen Grundlage, - der „Wasser des Raumes“! In den Strophen des „Dzyan“ wird das so beschrieben: „Die Söhne breiten sich aus und ziehen sich zusammen durch ihr eigenes Wesen wie ein Herz.“

Abbildung 146

Symbole für das Sehende“

Links: "Pfauenmännchen in der Retorte"

Berliner Kupferstichkabinett

Mitte oben: "Rose in der Retorte der Alchimisten"

Aus Abbé de Vallemont „Curiositez de la nature et del l’art“ , Brüssel 1715. Mitte unten: "Das flammende Herz" mit dem Tetragrammaton. Jakob Böhme, „Libri apologetitic“, 1764. Rechts oben: "Standbild einer Sphinx". Urheber und Quelle nicht bekannt. Rechts unten: Die "ägyptische Göttin Bastet". Skulptur im Roemer- u. Pelizaeus-Museum, Hildesheim. Bildbearbeitung und Text: O. Jung

Nicht überall ist der Fisch das Symbol für das „Ich“. In den einzelnen Kulturkreisen und Epochen wurden häufig andere verwendet. weiterlesen

Ich bin der „ICHBIN“

Diese Söhne sind die Seelen. In ihnen wohnt das wahrnehmende, genießende und leidende „Subjekt“, der Purusa, das Kernwesen Mensch. Sein Karman ist das eigentlich Schöpferische und Steuernde im leiblich-seelisch-geistigen Gesamtgefüge des empirischen Menschen. Das Wort Mensch ist wahrscheinlich vom lateinischen „mens“, abgeleitet, das soviel wie „erkennender Geist“ bedeutet. Karman bedeutet auch „der Werkrest aus den verschiedenen Existenzen“. Er ist die Ursache für die Verstrickung des Purusa in den Kreislauf der Wiedergeburten, für das Werden des körperlichen Organismus und die Eigenschaften eines Lebewesens.

Eine dieser Eigenschaften ist das Selbstgefühl. Das hier gemeinte Selbstgefühl ist aber nicht das, was wir unter Selbstwertgefühl verstehen. Beide hängen zwar zusammen, sind aber zwei Seiten einer Medaille. Hier verhält es sich wie bei Geld und Geldwert. So wie es ohne Geld keinen Geldwert gibt, so gibt es ohne Selbstgefühl kein Selbstwertgefühl. Das letztere ist sozusagen die Farbe des ersteren. Diese Färbung ist ein Produkt des „Ichmachers“.

Wie schon erwähnt, nannten ihn Indische Weise Ahamkara. Das Sanskritwort wird manchmal mit Egoismus übersetzt, bedeutet aber ICH-BIN-HEIT. Als Ursprung allen bewussten und unbewussten Daseins ist es als kosmisches Individuationsprinzip das Erste was in einer neuen Welt erscheint und auch die Ichfunktion des empirischen Menschen bewirkt. Es ist der erste schattenhafte Umriss der Selbstsucht, die alles auf sich bezieht und zum „Ich-bin-der-Größte“ fordernden Ich-Macher wird.

Die ICH-BIN-HEIT ist das was sieht. Eine bewusst erkennende, denkende Einheit, die altindische Meister Drastar, Saksin, Purusa oder Atman, die Gnostiker Christos und die Bibel „des Menschen Sohn“ nannten. Für die Lateiner war sie „mens“, das Gemüt, für die Ägypter „Menes“, das Meistergemüt und für die Pythagoräer und Griechen „Monas oder Monade“, die Seele. Für den Buddha „vinnanam“, das Bewusstsein. Er definierte es als ein unerkennbares, von allen Seiten leuchtendes Element. Sobald Objekte durch das Ineinandergreifen von Sinnentätigkeiten darin eintreten, flammt es auf und das Selbstexistierende, der Purusa oder Atman, kommt zu Welterleben.

Die ureigenste Wesensform dieses „ICHBIN“ ist reines Erkennen. Dies geschieht, indem er das zu Erkennende in sich aufsaugt und sich damit identifiziert, erkennend „das bin ich“. Dieses zu Erkennende ist für ihn das, was von den Sinnen eingespeist und vom Denkorgan so aufbereitet und reflektiert wird, dass er es erkennend auffassen kann. Die Überlieferungen sagen, der Seher sieht sich im Denkorgan wie in einem Wasser - Spiegel.

Er erkennt grundsätzlich nur sich selbst in seiner augenblicklichen Form. „Ist es durch die Sinnentätigkeiten bewegt, ist er den seelischen Bewegungen konform“, heißt es im Yogasutra. Die Trennung des empirischen ICH vom Nicht-Ich, nämlich der Außenwelt, wird von der Tätigkeit des Denkorgans bewirkt. Dadurch entsteht in ihm die falsche Annahme, dass der sich ständig verändernde und durch Zellerneuerung auswechselnde Körper das ICH sei.

Solange die seelischen Bewegungen andauern, kann der Seelen-Spiegel das einzig Wirkliche nicht widerspiegeln, weil es merkmallos ist. Damit das Sehende sein wirkliches Wesen erkennen kann müssen diese Bewegungen aufhören. Warum das so ist, demonstriert uns sehr schön das Wasser in einem See. Schaut man auf die Oberfläche wenn sich darauf starke Wellen ausbreiten, kann man sein Spiegelbild im Wasser nicht, oder nur verzerrt sehen. Erst wenn das Gewoge aufhört und das Wasser des Sees sich nicht mehr bewegt, tritt unser Spiegelbild hervor. Nur wenn die Bewegungen der seelischen Welt zur Ruhe kommen und der Seher sein wahres Wesen erkennt, kann er sich mit dem „Einen“ einen, indem er sich mit dem letzthin Wirklichen identifiziert und mit ihm eins wird. Er erlischt keineswegs, sondern erkennt in alle Ewigkeit, dieses einzig Wirkliche, das bin ich. „Ich bin dieses All! Das Alles bin ich“!

Um ihren Schülern verständlich zu machen, dass das Selbstexistierende dabei nur seine mit Merkmalen behaftete Form aufgibt, benutzten die Meister gern den Vergleich mit einer ins Meer gefallenen Schneeflocke. So wie das gefrorene Wasser der Schneeflocke nicht verschwindet, weil es sich mit dem Wasser des Meeres vereint, sondern nur seine eisige Form, so vergeht auch ein Buddha, ein Erwachter, nicht, wenn er sich mit dem Merkmallosen eint, sondern nur seine mit Merkmalen behaftete Form.

Dieses Einen mit dem Absoluten ist das Eingehen des Buddha ins Nirwana, des Brahmanen ins Brahman und des Christus in seinen Vater, seinem Erzeuger aus dem er einst kam. Darum steht im Evang. Joh. Kap. 14, Vers 20: „An demselbigen Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin, und ihr in mir, und ich in euch“! Die wahren Adepten sind darum bestrebt, dieses Ziel durch geeignete Verhaltensweisen zu erreichen.

Apophis, das Gierige der Wasser

Deshalb beschworen die Wissenden ihre Schüler, die dieses hohe Ziel anstrebten, ihre Leidenschaften und ihre Gier nach Anerkennung abzubauen und die großen Religionsstifter stellten für ihre Gläubigen Enthaltsamkeitslehren auf. Leider weiß heute niemand mehr, warum man sie befolgen soll und viele jubeln denen zu, die ein Tabu nach dem anderen niederreißen, ohne zu bemerken, welchen ungeheuren Schaden sie sich und anderen dadurch zufügen. Für den aufrecht Suchenden waren Begehren und Leidenschaften daher Feinde, die er niederwerfen und töten musste. Dazu gehörte selbstverständlich auch das empirische Selbstgefühl mit seinem ständig wechselnden Wertgefühl.

In der ägyptischen Mythologie sind diese Schwingungen im seelischen Getriebe „Apophis“. Sein Name leitet sich vom koptischen Aphoph oder Apap ab. Aphoph bedeutet Riesenschlange und Apap „der oder das Gierige der Wasser“. Apophis ist das Symbol der menschlichen Leidenschaften und daher die Schlange des Bösen. Sie soll versinnbildlichen, dass diese Schwingungen, die der Einung mit dem Absoluten im Wege stehen, riesig stark und daher schwer bezwingbar sind. Der David der sie besiegen will, muss dem einäugigen Goliath das Auge zerstören. Mit diesem Auge ist die Schaukraft im Seher gemeint, die in ihm durch die Tätigkeit der Sinne das empirische Ich erzeugt.

Abbildung 147

„Satan als Herr des Hexensabbats“

Quelle: Paul Christian, Historie de la magie, Paris, o. J.

Bildbearbeitung und Text, Urheber: O. Jung

 

Hexensabbat oder Teufelstanz waren in früheren Zeiten regelmäßige nächtliche Treffen von Menschen die mit beliebigen Partnern ihre sexuellen Phantasien auslebten. Dass dabei geheimnisvolle Flüge und Begegnungen mit Engeln oder Dämo-nen stattfanden wird in vielen alten Mythen berichtet. Freilich haben sich die Hexen und Hexer nicht wirklich in die Luft erhoben, oder mit Dämonen und Teufeln verkehrt. Das alles ist nur sinnbildlich zu verstehen. Kein Mensch glaubt beispielsweise, dass sich Andrea Berg mit ihrem Partner zum Himmel aufschwang wenn sie singt: „Ich bin mit dir so hoch geflogen, doch der Himmel war besetzt“.  weiterlesen

Abbildung 148

Die Schlange Apophis“

Links: Die vier Hexen

Sinnbild für das Begehren nach sexueller Lust.

Quelle: Kupferstich, 1491. Albrecht Dürer kopierte die berühmte Radierung von Israel van Mechelen. Sie zeigt vier wohlhabende Bürgerfrauen kurz vor ihrer Abreise zum Hexensabbat. Rechts: "Aufbruch zum Hexensabbat"Quelle: Kupferstich nach Ziarnko, Paris, 1612. Bildbearb. und Text: O. Jung

Der Künstler bildete hier eine eher einfache Frau ab. Der Besen den sie in der Hand hält war damals nicht nur das Symbol für den heimischen Herd, sondern hatte auch eine eindeutige Bedeutung in Bezug auf das Werkzeug das bei den Sexualriten verbotener Fleischeslust in hohen Ehren stand.  weiterlesen

Abbildung 149

Die Schlange Apophis“

Collin de Plancy unterhält sich mit dem Teufel.

Sinnbild: Das Böse hat in der Regel menschliche Gestalt.

Quelle: Kupferstich aus Collin de Plancy, Le Diable peint par luimeme, Paris, 1825.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Collin de Plancy, dem der Teufel im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts erschien, bestätigt die Anschauungen der Bauern. Der Versucher hat tatsächlich die traditionellen Attribute, Hörner und Schwanz, aber keine Hufe. Er ist acht Fuß groß und von ... weiterlesen

Abbildung 150

Die Schlange Apophis.“

Links: Der Dämon „Astarot“.

Sinnbild für die Herrschsucht.

Quelle: Kupferstich von Louis Breton (1818 – 1866)

Nach genauen Unterlagen von Johannes Wier (1515 – 1588).

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

Wier reiste viel, und wenn er in ein neues Land kam, verlangte er immer zuerst Auskunft über dessen Teufel. Auf diese Weise brachte er eine eindrucksvolle Sammlung von höllischen Wesen zusammen. Im Folgenden einige davon die ganz offensichtlich menschliche Charaktereigenschaften versinnbildlichen.  weiterlesen

Abbildung 151

„Die Schlange Apopis“

Bildbearbeitung und Text, Urheber: O. Jung

Links: Der Dämon „Belphegor“.

Sinnbild der geistigen Trägheit, der sittlichen Verrohung und Verkommenheit über die sich anständige, gesittete Menschen ärgern.

Quelle: Kupferstich aus Colin de Plancy, Dictionnaire infernal, Paris,1863.

 

Belphegor ist eine Namensform der Gottheit Baal Peor, was „Herr des Bergs Peor“ bedeutet. Er gehört zu den 12 engsten Vertrauten des Satans. Ursprünglich war er ein Fruchtbarkeits-gott den die Heiden durch Fressen, Saufen und Unkeuschheit verehrten. Später hielt er als „Dämon Belphegor“ Einzug in die christliche Mythologie.  weiterlesen

Abbildung 152

„Die Schlange Apophis“

Bildbearbeitung und Text, Urheber: O. Jung

Links: Der „Teufel und die eitle Frau“.

Sinnbild für die Eitelkeit.

Quelle: Holzschnitt aus „Der Ritter von Turn“, Augsburg, 1498 (Albrecht Dürer?)

 

Wer sich selbst und alles was mit seiner körperlichen und intellektuellen Person zu tun hat über alles liebt, ist wohl kaum ein Kandidat für die Einung mit Gott.  Rechts: Der Dämon „Behemoth“. Sinnbild für die Großmannssucht und Völlerei. Quelle: Kupferstich aus Collin de Plancy, Dictionnaire infernal, Paris, 1863

Der gewaltige „Behemoth“ wurde vom Kupferstecher Breton (1818 – 1866) sehr ausdrucks-voll dargestellt. In Hiob 40, 15, 16 sagt der Schöpfer zu Satan: „Hier ist Behemoth, den ich neben dir gemacht habe. Er frisst wie ein Ochse. Siehe, seine Kraft ist in den Lenden und sein Vermögen in den Sehnen seines Bauches“.

Abbildung 153

Die Schlange Apophis“

Links: Der Heilige Cado und der Teufel

Sinnbild für Gier nach Macht, Titeln und Würden“

Quelle: Französische Volkskunst. (Flugblatt ohne Jahreszahl)

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

In einem französischen Volksmärchen schließt der Heilige Cado einen Pakt mit dem Teufel. Dieser volkstümliche Druck aus dem vorigen Jahrhundert zeigt beide auf der Teufelsbrücke. Als Preis für die Erfüllung seines Begehrens übergibt Cado dem Teufel dort seine Seele, symbolisch eine Katze.  weiterlesen

Abbildung 154

Die Schlange Apophis“

Links: Der „Sabbatbock“.

Vordergründig, Darstellung der Sexualität“

Quelle: Kupferstich aus Eliphas Levis

Transzendental Magic“, Ausgabe von 1896.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Levis Rebus, in den er in Sinnbildern sein Wissen über Ursache und Bestand von Weltsein und Leben eingearbeitet hat, lässt sich ganz grob auf drei Ebenen interpretieren. Auf der ersten handelt es sich um eine etwas komische, aber trotzdem abschreckende Teufelsgestalt der Volkssage. Auf der zweiten um eine Darstellung der Sexualität, und auf der dritten um das Astrallicht.  weiterlesen

Text für Abbildung 155

Die Schlange Apophis“

Links: Des „Teufels Reichtümer“.

Sinnbild für das rastlose, unersättliche Streben nach Besitz und Reichtum.

Quelle: Holzschnitt aus Le Grand Grimoire, Nîmes, 1823.    Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

In den Volkssagen hat der Teufel immer Geld, Gold, Silber und andere Reichtümer zu vergeben. Deshalb erfreute er sich auch bei vielen großer Beliebtheit. Nur wer sich mit dem Absoluten einen will, für den ist das Streben nach solchen Werten Sünde. Will er sein Ziel erreichen, darf er keine Reichtümer ansammeln, sondern muss sich von allem Weltlichen trennen.  weiterlesen

 

Atman – das Erkennende

„Drastar“ heißt wörtlich übersetz Seher, Wahrnehmer oder Erfahrer. „Saksin“, Augenzeuge, der Zuschauende. „Purusa“, Zuschauer, Beschauer, Augenzeuge. „Atman“, Erkenntnisselbst. Atman bezeichnet in der Philosophie der Hindu auch das wahre Wesen aller Dinge, einschließlich des Universums. Es ist das Selbstexistierende, das keine Ursache hat. Das bleibt wenn alle Welten vergehen. Die Texte nennen es das „Elternlose“. Nach dieser Lehre hat Atman kein unterschiedliches Inneres oder Äußeres, sondern besteht durch und durch ganz aus Erkenntnis.

Von ihm wird gesagt, er sei das einzige Ding das wirklich existiere, eine unvergängliche Substanz. Als Einzelseele individualisiert, wandert er im Kreislauf der Wiedergeburten von Körper zu Körper. „Atman wohnt als ewige Wesensbestimmtheit das Erkennen inne, wie der Sonne das Leuchten. Er breitet sich nach allen Seiten aus, in dem was Speise isst und nicht isst. Groß sind seine Mächtigkeiten“, verkünden die Upanishaden.

Physikalisch ist er als Individualität eine Monade oder Seele, ein pulsierendes Feld im Schwingungsträger „Äther, Pneuma oder Geist.“ Ursprünglich ist die Heimat dieser Monade oder Seele die Himmelswelt. Die Ägypter verehrten dieses Schaukraft beinhaltende Schwingungspaket im Falkengott „Horus“. Das erklärt sich aus dem Charakter des Falken. Sein hoher Flug und seine siegreiche Angriffslust, die ihn zum Herrscher der Lüfte machen, sollen veranschaulichen, wie man sich den König der „Himmelsluft“ vorstellen kann. Horus ist in der ägyptischen Mythologie der Gott des Himmels, des Lichtes und der Güte. Weil zu seiner Beute sogar Schlangen gehören, die er erfolgreich tötet, symbolisiert er auch die physikalische Schwingung die Apophis besiegen kann.

Abbildung 156

„Amun - Hemen“

Der Licht- und Himmelsgott „Horus“, dargestellt als goldener Falke.

Sinnbild für die Schaukraft im Himmel und auf Erden.

Quelle: Statue aus dem Louvre, Paris

Bildbearbeitung und Text, Urheber: O. Jung

 

Das Wort Hemen bedeutet „Goldkönig“ und Amun „Der Verborgene“. Mit Amun ist ein Urgott gemeint dessen Gestalt niemand kennt. Er ist als ursprüngliche Quelle der Schaukraft der Lebenshauch der allen Dingen innewohnt. Er verkörpert den Aushauch der Bewegung und Leben in das Tohuwabohu des damals wüsten und leeren Alls brachte. Obwohl man seine Gestalt nicht kennt wird er entweder als Widder, als Menschengestalt mit Widderkopf, oder wie auf diesem Bild, als Mensch mit „Uräus“ auf dem Haupt, dargestellt. Hier überreicht er Horus zwei Augen. Das eine ist in der Symbolik das Sonnenauge. Damit sieht Horus in der Himmelswelt. Das andere das Mondauge. Damit sieht er in den körperlichen Organismen der materiellen Welt.

Abbildung 157

Symbole für Schaukraft und Leben“

Quelle: Grab des Sennedjem, Deir el-Medineh.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Die erste und daher älteste Gottheit die „Atum“, der Superpulsar, ins Dasein hob war „Re“, im Sinnbild die Sonne. Sie wurde mit wechselnden Namen und Symbolen dargestellt. Am Weltenmorgen ist sie „Chepri“, der Werdende, am Weltenmittag „Re", die Schaukraft auf ihrem Zenit und am Weltenabend „Atum" der dann untertaucht in die Unterwelt (die Weltennacht), um am neuen Weltenmorgen als Chepri wieder daraus aufzutauchen. Für die Verehrer der Sonne war daher Chepri - Re - Atum eine einzige Gottheit. Auf dem Basrelief sind verschiedene göttliche Repräsentationen zusammengefasst.  weiterlesen

Abbildung 158

Osiris-Triade“.

Ägyptische Symbole für Vater, Mutter, Sohn

Quelle: Osorkons II. XXII. Dynastie, Louvre, Paris.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Auf der Säule aus Lapislazuli der Namenszug des Pharaos Osorkon II. Links der falkenköpfige Gott Horus mit der Pschent Krone. In der Mitte Osiris, der Gott der Wiedergeburt. Er trägt die mit einer Kobra und zwei Federn geschmückte Krone, sowie den göttlichen Kunstbart. Rechts die Göttin Hathor. Zwischen ihrem Kuhgehörn die Sonnenscheibe. Sie bilden das Trio Vater, Mutter und Sohn.  weiterlesen

Diese Stilllegungsschwingung nannten die indischen Meister Nirodha „das Zur-Ruhe-bringen“. Dadurch wird die vollständige Stilllegung aller Bewusstseinsbewegungen erreicht. Das heißt jedes Erkennen, und damit die Welt, aufgeben. Das ist die Voraussetzung um Nirvana zu erreichen. Nirvana ist „Vollendung, Seligkeit“ und bedeute im Vedanta, dem letzten Worte menschlicher Erkenntnis, das Eingehen in brahman als der einzigen Wirklichkeit. Dann verschmilzt das merkmallose Bewusstsein mit dem Merkmallosen, Absoluten und wird mit diesem „Eins“.

Abbildung 159

„Erzengel Michael“

Symbolisiert die Schwingung, die das Einswerden mit Gott herbeiführt.

Quelle: Luca Giordano (1634-1705), Kunsthistorisches Museum, Wien.      Bildbearbeitung und Text, Urheber: O. Jung

 

Als Bezwinger des Satans ist Michael der Anführer der sieben Erzengel des Judentums und wird in der christlichen Kirche Heiliger Michael genannt. Der Name kommt aus dem Hebrä­ischen und bedeutet: „Wer ist wie Gott". Wie Mithra besiegte er den aufständischen Erzengel Luzifer mit seinem Anhang. Damit sind Schwingungen im „Seelischen Getriebe“ gemeint, die allerlei gute und böse Begierden erwecken. Diese Schwingungen können durch Entlüstung bis auf einen kleinen Rest aufgehoben werden.  weiterlesen

Abbildung 160

Luzifer“

Sein Gesicht in unserer Zeit

Quelle: Privates Bildarchiv

Künstler: Nicht bekannt

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Luzifer, von lat. Lux - Licht, trat als erster Erzengel aus den Tiefen des Chaos ins Dasein. Das Wort Chaos bedeutet Raum, von xaivw, weit offen, leer sein. Bei den Griechen der leere gähnende Weltraum. Eine grenzenlose Wasserfläche, die die Keime der harrenden Schöpfung enthält. In der Bibel der Zustand des Weltanfangs.  weiterlesen

Abbildung 161             Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

 

Himmel, Hölle und Nirvana

Der Buddha sagt dazu: „Alle Menschen werden wiedergeboren. Die Übeltäter gehen zu Avitchi, zur Hölle, gerechte Menschen gehen nach Devachan, dem Himmel. In Nirvana gehen ein, die, die frei sind von allen weltlichen Begierden“. Die Hölle war für alle echten Weisen ein Leben tragender Planet, weil die Seele dort nur Leid erfährt. Sie kannten keinen anderen Bestrafungsort als eine Erde. Folglich hatte in ihrer Symbolik der mächtigste Beherrscher dieser Tiefe, der Teufel, menschliche Gestalt. Seine tierischen Attribute, wie Kalbs- und Pferdefuß, Fell und Hörner, symbolisierten lediglich bestimmte Eigenschaften des Animalischen im Menschen.

Abbildung 162

Qualen der Hölle durch Teufel“.

Holzschnitt aus Le Grant Kalendrier des Bergiers, Troyes, 16. Jh.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

So stellte man sich im Mittelalter die Bestrafung in der Hölle vor und Göthe reimte:

 

Ich lasse mich nicht irre schrein,

Nicht durch Kritik noch Zweifel,

Der Teufel muss doch etwas sein,

Wie gibt`s denn sonst auch Teufel?

Abbildung 163

Qualen der Hölle durch Menschen“.

Quelle: Spanische Eroberer in der neuen Welt.

Las Casas, „Äußerst kurzer Bericht von der Verwüstung der indianischen Länder“, 1598.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Was Menschen sich im Laufe ihrer blutigen Geschichte alles einfallen ließen, um ihren Mitmenschen und Mitkreaturen Qualen und Leiden zuzufügen, kann kein noch so grausamer Teufel überbieten. Er könnte auch nichts Neues ersinnen, denn die Menschen haben nichts ausgelassen.  weiterlesen

Abbildung 164

Qualen der Hölle durch Menschen“.

Spanische Eroberer in Florida.

Las Casas, „Äußerst kurzer Bericht von der Verwüstung der indianischen Länder“, 1598.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Zu diesem Bild berichtet Las Casas: „In Florida schlugen die Spanier den Indianern Nasen und Hände ab und sandten die Verstümmelten aus, „damit sie wehklagend und von Blut triefend, die glorreichen Taten und Wunder des heiligen christlichen Glaubens verkündeten“.

Abbildung 165

Qualen der Hölle durch Menschen“.

Spanische Eroberer auf Haiti.

Las Casas, „Äußerst kurzer Bericht von der Verwüstung der indianischen Länder“, 1598.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Auf Haiti fragte ein Häuptling, der an den Pfahl eines brennenden Scheiterhaufens gefesselt war einen Missionar, ob auch die Spanier in den von ihm verkündeten Himmel kommen. Als der dies bejahte antwortete der Todgeweihte: „Dann will ich lieber zum Teufel in die Hölle“.

Für die Weisen auf der höchsten Bewusstseinsstufe ist die gesamte Welt die Hölle und darum wollten sie sich daraus befreien. In ihrer Symbolik ist „Dunkelheit“, „das Nichterkennbare“, das Merkmallose, der erstrebenswerteste Zustand und der Superpulsar der Weltschöpfung als Stoff und Schaukraftbringer, der böse Teufel. Daher werden die weltlichen Eigenschaften des erkennenden Geistes in ihrer Symbolik durch menschliche und tierische Attribute dargestellt.

Das lässt sich an der Götterwelt der Ägypter zeigen. Viele ihrer Götter hatten aus diesem Grund einen Tierkopf auf ihrem menschlichen Körper, oder umgekehrt. Die grundlegenden Zusammenhänge des „Ich-Bin“ wurden z. B. durch Sinnbilder wie Löwen, oder Löwenleib mit Menschenkopf abgebildet. Weil der mächtige „Ich bin der Größte“  fordernde Ichmacher alle Handlungen ausrichtet, war der Löwe daher zu allen Zeiten das Symbol für Macht.

Die Sphinx

Das wohl bekannteste Bilderrätsel dieser Art ist die „Sphinx“. Dieser Rebus wartet noch heute auf seine Enträtselung. Um anzudeuten, dass es sich bei diesem Mischwesen aus Löwenleib und Menschenkopf um Schwingungen handelt, hat es in den griechischen Überlieferungen Flügel. Dieses geflügelte Ungeheuer mit Kopf und Brust einer Frau und dem Leib eines Löwen saß in der griechischen Mythologie auf einem Felsen und gab allen die Theben betreten wollten, folgendes Rätsel auf:

„Welches Wesen hat morgens vier, mittags zwei und abends drei Füße?” Wer es nicht lösen konnte, den tötete die Sphinx. Erst Ödipus gab als richtige Antwort: „Der Mensch! Als Kind kriecht er auf allen vieren, als Erwachsener steht er auf zwei Beinen und im Alter stützt er sich auf einen Stock”! Danach brachte sich die Sphinx um. Als Lohn dafür, dass er die Thebaner von diesem schrecklichen Ungeheuer befreit hatte, machten sie Ödipus zu ihrem König.

Abbildung 166         Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Brust und Kopf einer Frau symbolisieren das Streben nach Leben und Lust und der Felsen auf dem die Sphinx saß, die Erde, die materielle Welt. Das Gleichnis soll versinnbildlichen, dass auf der höchsten Bewusstseinsstufe, wenn der erkennende Geist die große Täuschung durchschaut die die Sinne in ihm erzeugen, das „empirische Ich“, die Sphinx, stirbt. Dann bleibt nur das ungefärbte „Ich-Bin“.

Maya, die „Große Täuschung“, ist das Erkennen des objektiven im Universums. Die Inder nannten es Attavada, den Irrwahn. Den Glauben an die Getrenntheit des Ich von dem Einen Allumfassenden, dem Unendlichen SELBST. Dieser Irrwahn wird von „Rajah“, dem Verstand, dem Beherrscher der Sinne, dem Gedankenerzeuger, erweckt. Er ist „Mara“, der große Schlächter des Wirklichen. Das Wort bedeutet: „Das was tötet“. Dargestellt wird er mit einer Krone. Auf ihr leuchtet ein Juwel dessen Glanz alle blendet.

Im „Buch der goldenen Lehren“ das Lehrstücke Tibetanischer Meister enthält, steht zu diesem Thema folgendes:  „Wer die Stimme des Geistes, den „tonlosen Ton", hören und verstehen will, der muss das Wesen geistiger Versenkung kennen lernen.

Gleichgültig geworden gegenüber den Gegenständen der Sinneswahrnehmung, muss der Jünger den Herrscher der Sinne suchen, den Gedankenerzeuger, ihn, der die Täuschungen erweckt.

Der Verstand ist der große Schlächter des Wirklichen. Der Jünger muss den Schlächter töten.

 

Denn: Erst wenn ihm seine eigene Gestalt als wesenlos erscheint, so wie beim Erwachen alle Gedanken, die er im Traume gesehen, erst wenn er aufgehört hat, die Vielen zu hören, kann er den EINEN unterscheiden, den inneren Ton, der die äußeren Klänge zum Ersterben bringt. Dann erst - und nicht eher - wird er die Welt des Schatten-Seins, des Falschen, verlassen und wird in das Reich des wahren Seins eingehen.

 

Ehe die Seele sehen kann, muss die innere Harmonie erlangt, müssen die Augen des Fleisches für alle Täuschungen des Scheines blind geworden sein. Ehe die Seele hören kann, muss das Abbild (der verkörperte Mensch) ebenso taub geworden sein für Geschrei wie für Geflüster, für das Brüllen trompetender Elefanten ebenso wie für das silberklingende Summen der goldenen Feuerfliege.

 

Ehe die Seele verstehen und sich erinnern kann, muss sie zuerst mit dem „Schweigenden Sprecher“ vereint sein, so wie die Form, zu welcher der Ton gestaltet werden soll, zuerst mit dem Denken des Töpfers vereint ist. Dann erst wird die Seele hören und sich erinnern. Und dann wird zu dem inneren Ohre sprechen DIE STIMME DER STILLE und sie wird sagen:

 

„Wenn deine Seele lächelt, während sie im Sonnenlichte deines Lebens badet, wenn deine Seele frohlockend singt in ihrer Verpuppung von Fleisch und Stoff, wenn deine Seele weint in ihrer Burg der Täuschung, wenn deine Seele drängt, den Silberfaden zu zerreißen, der sie an den MEISTER bindet - wisse dann, o Jünger, dass deine Seele der Erde zugehört.

 

Wenn deine knospende Seele der Unruhe der Welt ihr Ohr leiht, wenn deine Seele Antwort gibt auf die tosende Stimme der „Großen Täuschung", wenn deine Seele, erschreckt vom Anblick heißer Schmerzenstränen und betäubt von den Schreien des Jammers, sich der scheuen Schildkröte gleich in die Schale ihrer ICHHEIT zurückzieht - dann wisse, o Jünger, dass deine Seele ein unwürdiger Tempel des verborgenen „Gottes" ist.

 

Wenn deine Seele, stärker geworden, heraustritt aus ihrem sicheren Zufluchtsort, wenn sie, sich lösend aus dem schützenden Schrein, ihren Silberfaden dehnt und vorwärts stürmt, wenn sie dann, auf den Wogen des Raumes ihr eigenes Bild erblickend, flüstert: „Das bin ich!" - gestehe dann, o Jünger, dass deine Seele in den Netzen der Täuschung gefangen ist.

 

Diese Erde, o Jünger, ist die Halle der Betrübnis, in welcher entlang des Weges grausamer Prüfungen Fallen gestellt sind, um dein Ich in der Täuschung zu verstricken, die der „Große Irrwahn“ genannt wird. Diese Erde, o unwissender Schüler, ist bloß der düstere Eingang, der zu dem Dämmerlicht führt, welches dem Tale des wahren Lichtes vorangeht - jenes Lichtes, welches kein Sturmwind auslöschen kann, jenes Lichtes, welches ohne Docht und Öl brennt.

 

Das Große Gesetz sagt: „Wenn du die Erkenntnis des Allselbstes erlangen willst, musst du zuerst dein wahres Selbst kennen lernen. Um die Erkenntnis dieses SELBSTES zu erlangen, musst du dein Ich dem Nicht-Ich, dein Sein dem Nicht-Sein opfern. Dann kannst du zwischen den Schwingen des GROSSEN VOGELS ruhen. Oh, süß ist die Ruhe zwischen den Schwingen dessen, was weder geboren wird noch stirbt, sondern GÖTTLICH ist durch ewige Zeitalter. Schwinge dich auf den Vogel des Lebens, wenn du zu wissen begehrst! Gib dein Leben auf, wenn du leben willst!“

 

Dieses Licht das kein Sturmwind auslöschen kann, ist die Schaukraft wenn sie von jedem Erkenntnisgegenstand befreit ist. Dann ist „Citta-Prasadana“, die völlige Beruhigung der inneren Welt eingetreten. In diesem Zustand strahlt „Prajna“, reine Erkenntnis auf. Der Mensch ist dann ganz zu sich gekommen und daher im Besitz der höchsten Erkenntnis.

 

Als für sich seiendes Subjekt west er als „sat“, seiend, „cit“, geistend in „ananda“, ewiger Heiterkeit und nie endender Urlust. Ein reiner Seinszustand in dem das Selbst ganz für sich ist und sich als ein Subjekt absoluter Realität erfasst. Die indischen Gurus nannten ihn „Kaivalya“ und die Mystiker „Bloßheit“.

 

Der Sphinx gebietet Schweigen

Ein Sprichwort sagt: „Reden ist Silber, schweigen ist Gold“. Silber war bei den Wissenden das Symbol für Weltsein und Leben. Sie entstand ja durch Gottes Wort. Gold das Sinnbild für das Merkmallose, das Schweigende. Den Zustand der Stille der einzig erstrebenswert ist. Damit der über alles herrschende Mensch, der erkennende Geist mit seinen Eigenschaften als „Empirisches Ich“, das sich hinter dem Sphinx verbirgt, auf der Straße des Lebens in diese Richtung geht, gebietet der Sphinx Schweigen.

 

Das imposanteste Standbild dieser Art steht in Ägypten. Es wurde ca. 2.500 (?) vor Chr. geschaffen, ist 20 Meter hoch, ca. 73 Meter lang, hat einen Löwenleib und den Kopf eines Mannes. Im Auftrag des Pharao Chephren (?) wurde es in der Nähe von Gizeh errichtet. Dort erheben sich aus den Hügeln der Wüste die drei mächtigen Pyramiden Chefren, Cheops und Mykerinos. Zu Füßen dieser Pyramiden ruht der Sphinx. Seine Pranken sind über die Stadt der Toten ausgestreckt, als wenn sie die magischen Geheimnisse schützen wollen, die darin verborgen sind.

Die in Europa anerkannte Autorität der Wissenschaften, der römische Historiker Plinius, er lebte um 23 bis 79, schrieb: „Vor den Pyramiden liegt der Sphinx; ein Zauber des Schweigens ruht auf ihm, denn man hält ihn für eine Gottheit.“ Und ein Araber des 13. Jh., Abd-al-Latif, überliefert uns: „Der Sphinx gebietet Schweigen. Das ist der wahre Grund dafür, dass man dieses Denkmal nie erwähnte, der Schrecken, den es dem Beschauer einflöße sei zu groß“.

 

Damals waren Körper und Antlitz noch schön, und der Mund trug den Ausdruck strahlender Anmut, so als ob er lächelte. Das mächtige Haupt leuchtete von roter Fayence. Seinerzeit hatte es noch nichts von seinem Zauber verloren. Die Araber nannten das Denkmal Abu'l-hawl, Vater des Schreckens. Die Ursache dafür ist nicht das Aussehen des schönen Standbildes, sondern der sich dahinter verbergende Symbolgehalt, der „Ich Bin der Größte“ fordernde Ichmacher. Er ist es der durch sein gnadenloses Streben nach Besitz und Macht Angst und Schrecken verbreitet.

 

Auf einem flachen Stein unter der Brust des riesigen Kunstwerks steht, dass es schon vierzehn Jahrhundert vor Christus tief unter dem Wüstensand lag. Bereits in jenen Tagen war der Ursprung des Sphinx durch die Sage verdunkelt. 

Abbildung 167           Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Der Legende nach ruhte einst der Prinz, der später König Thutmosis IV. wurde, mit seinen Begleitern im Schatten des halb begrabenen Sphinx aus. Vermutlich weil auf diesem Ort schon von je her ein großer Zauber lag, erschien ihm im Traum der Sonnengott, dessen Bildnis der Sphinx damals darstellte. Er sprach mit ihm wie ein Vater mit seinem Sohn und prophezeite ihm, dass er den Thron besteigen und viele Jahre glücklich regieren werde. Als Dank für diese frohe Botschaft bat er den Prinzen, er möge den Sand vom Sphinx entfernen wenn er den Thron bestiegen habe.

Zum Schluss sagte er: „ „Versprich mir, dass du tun wirst, was ich von ganzem Herzen wünsche. Dann weiß ich, dass du mein Sohn und Helfer bist“. Als der Prinz später gegen seine Erwartung König wurde, erinnerte er sich an den Traum und ließ, dem Willen des Gottes gehorchend, den Sphinx aus dem Sand ausgraben. Leider setze der Wüstensand seine unbarmherzige Arbeit fort. Ein paar Jahrhunderte später war das Riesenstandbild wieder unter ihm begraben.

Der griechische Philosoph und Schriftsteller Plutarch, er lebte etwa um 46 bis ca. 120 n. Chr., schrieb in seinem Buch „Isis und Osiris“, dass der Sphinx das Geheimnis der okkulten Weisheit symbolisiere. Er beschreibt ihn als ein herrliches Geschöpf mit Flügeln von immer wechselnder Farbe. „Wenn die Sonne sie bestrahlt, erglänzen sie wie Gold; auf einem Hintergrunde von Wolken spiegeln sie die Regenbogenfarben wider“.

Aber selbst dem unermüdlichen Forscher Plutarch gelang es nicht, in ihr Geheimnis einzudringen. Unendliche Jahre lang blieb der Sphinx der Wächter der ägyptischen Magie. Plutarch versichert uns, dass viele griechische Denker wie Z. B. Solon, Thaies, Pythagoras, Eudoxos, ja selbst Lykurg die beschwerliche Reise nach Ägypten unternommen hätten, um seine Priester zu bitten, sie in das Geheimnis einzuweihen. Wie wir heute wissen, waren ihre Bemühungen erfolglos.

Vielleicht hilft da das Totenbuch weiter. Es lässt den Sphinx sagen: „Ich bin das Kind von gestern, die Zwillings-Löwengötter haben mich ins Sein gerufen.“ Weil ein Kind nach landläufiger Meinung am Anfang seines Menschseins noch unschuldig ist, ist hier damit der noch merkmallose, neutrale, unprogrammierte, erkennende Geist gemeint wenn er das ewige Sein verlässt, um als Individualität seine Wanderung auf dem neuen Weltenrad anzutreten.

Im vorher angeführten Gleichnis wäre er der Wassertropfen der zur Schneeflocke wird. Frei übersetzt bedeutet „ich bin das Kind von gestern“: „Der Mensch, der erkennende Geist der Gegenwart, ist das Unschuldige der Vergangenheit“. In diesem Zustand befand er sich, bevor ihn ein Unerforschliches in den Kreislauf der Wiedergeburten verstrickte.

Die Zwillingslöwengötter

Die Zwillingslöwengötter sind symbolisch Sonne und Mond. Die Sonne steht für die unvergängliche Schaukraft, die zwar am Weltende der Finsternis, der Weltennacht, Platz macht, aber bei jedem heraufdämmernden Weltentag erneut aufgeht wie die Sonne und die neue Welt erleuchtet. Der Mond symbolisiert die von dieser Zentralsonne reflektierte Schaukraft in den Seelen, weil er wie sie sein Licht im Wechsel der Phasen verliert, aber dann doch immer wieder im vollen Rund seiner Scheibe erglänzt. Durch diese beiden Augen sieht Amun, das Verborgene, in der Welt der Erscheinungen.

Die Zentralsonne war für die Ägypter das „Auge des Re“, der Mond das Auge der feindlichen Brüder Horus und Seth. Horus, der Falkengott, ist in der himmlischen Sphäre beheimatet, Seth gehört der Erde zu. Horus ist sinnbildlich Licht, das Sehen ermöglichende, und Seth Finsternis, das Erkennen Verhindernde. Zwischen diesen beiden Polen tobt ein unerbittlicher Kampf. Nimmt eines von Beiden zu, nimmt das Andere ab.

Abbildung 168

Der Strahlenaton“.

Sonne, das Symbol für die Ursache der Schaukraft

Quelle: Roemer- und Pelizaeus - Museum, Hildesheim

Original-Zeichnung S. w.

Farbige Bearbeitung, O. Jung

 

Re und Aton sind ägyptische Bezeichnungen für die „Sonne hinter der Sonne“, der unvergänglichen Ursache der Schaukraft. Re ist der Name für diese Kraft die man in dieser Sonne verkörpert sah. Aton der Sitz dieser Kraft und der Eigenschaften Hu und Sia, die durch sie hervorgebracht wurden. Hu bedeutet Ausspruch, Befehl und Sia erkennen, verstehen.  weiterlesen

 

Abbildung 169

Oben: „Behedti, die Flügelsonne“

Symbol für Sonnen- und Mondauge

Roemer- und Pelizaeus - Museum, Hildesheim

Unten: „Nut mit einem Flügelpaar“.

Symbol für den Schwingungsträger Äther

Quell: Berlin, 1822

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Links oben: Behedti, die Flügelsonne. Sie war das Wahrzeichen des Gottes der Stadt Behdet, was „Stätte des Thronsitzes“ bedeutet. Damit ist nicht die Stadt, sondern der lokale Schwingungsträger Äther (Pneuma, Geist) in den Seelen gemeint, in dem die Schaukraft, Bewusstsein und Erkennen erzeugenden Bewegungen ihr Werk verrichten. weiterlesen

Abbildung 170

Geflügelte Sonnenscheiben an einer Tempelanlage“.

Kunsthistorisches Museum, Wien.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

An dieser Tempelanlage sind die geflügelten Sonnenscheiben mit ihrem Uräus in Stein gemeißelt. Sie symbolisieren auch hier die physikalische Ursache der Schaukraft in den beiden Welten Himmel und Erde. Die obere steht für das „Sonnenauge“ und die untere für das „Mondauge“. Die sie tragenden Lotospfeiler sind Sinnbilder für das werdende Weltall, den Superpulsar der Weltschöpfung. Er hob sie einst ins Dasein und trägt sie bis zum Weltende.  weiterlesen

Abbildung 171

Verehrung von Sonnen- und Mondauge“

Detail vom Sarkophagdeckel des Nes-Shuftene aus Sakkara.

Kunsthistorisches Museum, Wien.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Auf diesem wunderschönen Bildausschnitt das den Sarkophagdeckel eines königlichen Schreibers aus der ptolemäischen Epoche schmückt, wird auch die Anbetung der Sonne als Quelle des Lebens dargestellt. Allerdings war Nes-Shuftene offenbar nicht in das Mysterium der Weltentstehung eingeweiht. weiterlesen

Abbildung 172

Sonne, Symbol für Schaukraft, ihre Ursache und Emanation

Links: „Anbetung der aufgehenden Sonne“.

Totenbuch, nach der Ausgabe Navilles. I. Tafel 21

Rechts: Antropomorphisierter Dedpfeiler (Osiris).

Bonner Jahrbücher, 30, Tafel 4.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Oben im Bild die Sonne, die Schaukraft. Links und rechts von ihr jeweils drei Paviane. Sie stehen hier für die sechs Sinne Gesicht, Gehör, Geschmack, Geruch, Getast und Verstand, wobei der siebte die durch die Sonne symbolisierte Schaukraft ist.  weiterlesen

Abbildung 173

Hapi vor der Sonnenscheibe“

Links: Udjat, das Auge des Re

Mitte: Der pavianköpfige Gott Hapi

Rechts: Die Priesterin Hent – Taui

Quelle: Aus aus einem ägypt. Totenbuch, Papyrus, um 1000 v. Chr.

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Sonne, das Symbol für die Ursache der Schaukraft. In der obigen Abbildung ist auf einem stilisierten menschlichen Rumpf die Sonnenscheibe mit dem Auge des Re abgebildet. Mit dieser Hieroglyphe bezeichnete man die Ursache der Kraft der „Sonne hinter der Sonne“, deren sichtbare Manifestation das Sonnenfeuer war. ... weiterlesen

Das hat im seelischen Bereich elementare Auswirkungen auf das jeweilige Bewusstsein des Schaukraftträgers. Denn das Prinzip „Erde zu Erde, Asche zu Asche und Staub zu Staub“, also Gleiches zu Gleichem, regelt mit welchem Keim er sich bei der nächsten Wiedergeburt verbindet. Wie Schwingungspakete sich finden, demonstriert uns sehr anschaulich das Affinitätsprinzip wenn wir telefonieren. Wählen wir z. B. die Handynummer eines Freundes, klingelt von den vielen Millionen Handys als einziges sein Apparat.

Mit der zu- und abnehmenden Schaukraft verhält es sich so ähnlich wie mit der zu- und abnehmenden Wärme in der materiellen Welt. Ihr absoluter Nullpunkt stände in diesem Vergleich für das totale Nichterkennen. Steigt die Temperatur an, erzeugt das bei bestimmten Werten die vier Aggregatzustände fest, flüssig, gasförmig und plasmisch. Nimmt die Schaukraft zu, erzeugt das bei bestimmten Werten den pflanzlichen, animalischen, menschlichen und göttlichen Bewusstseinszustand. Mit dem letzteren meine ich den mir unbekannten Zustand des Bewusstseins, der bei den Bewohnern der Himmelswelt vorherrschend ist.

Horus entsprang nach der ägyptischen Mythologie aus dem Lotus des himmlischen Nils. Er war Gott des Himmels und des Lichtes. Weil er die Schaukraft erzeugende Schwingung in der Himmelsluft, dem Pneuma oder Geist versinnbildlicht, wurde er im König der Lüfte, dem Falken verehrt. Seth ist der Sohn des Erdgottes Geb und der Himmelsgöttin Nut. Geb ist eine alte Bezeichnung für Erde. Er verkörpert die materielle Welt schlechthin und damit auch den Ether. Als Personifikation ist er ein Grundelement des Kosmos und hat an der Weltschöpfung teil.

Das Refugium des Seth ist in der Symbolik die Erde. Der Legende nach stahl er Horus ein Auge mit dem er in der organischen Welt das Sehende ist. Er versinnbildlicht die Schaukraft der in die Materie herabgesunkenen, sündigen Seele, die sich dort verkörperte. In ihr wird er dann zum empirischen Ich. Im Wesen des Seth sind gute und Schlechte Programme verborgen, wobei die schlechten in der Regel überwiegen. Werden diese abgerufen und steuern entsprechende Taten, lassen sie ihn als unholde Macht erscheinen.

Er ist daher der Böse schlechthin, den man nur mit den ärgsten Beschimpfungen belegte, sodass schließlich aus ihm eine Teufelsgestalt wurde. Der Legende nach flieht Seth vor Horus in Gestalt einer brüllenden Schlange in die Tiefe der Erde. Er wurde in einem Tier verehrt, das keiner zoologischen Bestimmung zugeordnet werden kann. Die Ursache für das Böse in Seth, dem empirischen Ich, sind Schwingungen im seelischen Getriebe die Begierden wecken. Dabei sind das unersättliche Ausleben der animalischen Triebe, gepaart mit der Gier nach Geltung, Macht und Geld in Verbindung mit gnadenloser Kampfeslust, die Ursachen für die schlimmsten Taten wie Sadismus, Raub, Totschlag, Mord und Krieg.

Die Katze als Symbol

Das Symbol für diese unseligen Eigenschaften war bei den Ägyptern die Löwin „Sachmet“. Ihr Name bedeutet wegen ihrer jäh zupackenden Kraft „Die Mächtige“. Diese Göttin wurde als Frau (Symb. für das Begehren) mit einem Löwenhaupt (Symb. die Gier nach Macht) dargestellt. Ihr Charakter ist der ihres Tieres. Sie ist mit der Katzengöttin Bastet eng verbunden. Als Tefnut ist sie die Göttin der Feuchtigkeit, weil sie als Speichel aus dem Munde von Atum ausgeschieden wurde. In der Symbolik der Ägypter entsteht die Welt, wenn Atum ausatmet. Die ausgeatmete Luft entspricht dem Äther und der anschließend ausgeworfene Speichel dem Ether, dem Wasser.

Mit dieser Feuchtigkeit ist also der Schwingungsträger Ether gemeint und darum war ihr Beinamen „Herrin der unteren Stätte“. Als „Mondauge“ oder „Augenkind des Himmelsherrn“, blieb sie in der Symbolik dem Mond verbunden. Er warf das Sonnelicht zurück und war daher als Katze das Auge des Re, der Sonne. Aus diesem Grunde ist sie „Stirnschlange des Re“ und ruht auf seinem Haupt. Zu ihrem Wesen gehören ungebändigte Kampfeslust. Tefnut ist die zornige Löwin Sachmet und die heitere Katze Bastet, beide sind in Tefnut vereinigt. Als Herrscher über die animalischen Triebe wurde die Großkatze, der Löwe, symbolisch zum „König der Tiere“.

Abbildung 174.          Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Abbildung 175.       Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

 

Die ägyptische Katzengöttin „Bastet“ verkörperte die harmlosere Eitelkeit. Eitelkeit und Machtgier sind Triebfedern die das Selbstgefühl färben. Die so entstehenden Farbnuancen bestimmen das Selbstwertgefühl. Überwiegt die schwarze Farbe, die animalischen Triebe, wird das Sehende zur schwarzen Katze, verschwinden sie, wird daraus eine weiße. Darum sagt der Volksmund eine schwarze Katze bringt Unglück und eine weiße Glück.

Oder: „Geht die Katze von rechts nach links, Glück bringts. Geht sie von links nach rechts, folgt Unglück und Pech.“ Mit rechts und Links verhält es sich hier so ähnlich wie in der Politik. Weil das Herz des Menschen auf der linken Seite schlägt und darin wie in der Himmelswelt das Leben pulsiert, war die Himmelswelt die linke und die materielle Welt die rechte Seite. Der Unterschied ist nur, dass für die Erdenmenschen die rechte Seite das erstrebenswerteste Ziel ist.

Der Name der Katze ist im Ägyptischen „Mau“. Das Wort ist von „mau“, das Sehen abgeleitet und bedeutet auch „der Seher“. Das hat seinen Grund darin, dass die Katze im Dunkeln sieht und ihre Pupillen bei Nacht kreisförmig und am Leuchtendsten sind. Weil das bei der Mondscheibe ähnlich ist, wurde die allbekannte Katze ein natürliches Symbol für die Mondscheibe und aus der nächtlichen Leuchte am Himmel eine Katze. In Form der Göttin Pasht hält sie Wacht für die Sonne, wenn diese am Abend untergegangen ist. Dann tritt sie an die Stelle der Sonne und erleuchtet die dunkle Welt. In der Symbolik hält sie damit den ewigen Feind, die „Schlange der Finsternis“ nieder.

Das durch Reflexion entstehende Leuchten ihrer Pupillen steht symbolisch, wie das zu- und abnehmende Licht des Mondes, für die Schaukraft im seelischen Getriebe der Organismen. So wie das Licht des Mondes nur ein Abglanz des Sonnenlichts ist, so ist die Schaukraft, die in den Organismen die Seelendinge beleuchtet, ebenfalls nur von der wahren seelischen Sonne geliehen. Das Pulsieren der Katzenpupillen versinnbildlicht das Aus- und Einfalten des Sehers, des Menschen an sich, im Kreislauf seiner Wiedergeburten.

Das Objekt, „das zu Sehende“, „zu Erfahrende“, der Erfahrungsgegenstand, ist die innere und äußere Welt als Erscheinung. Nach der Metaphysik des Yoga Parinama sind sowohl die seelisch-geistigen, als auch die in der Materie stattfinden Vorgänge Schwingungen der Prakriti, der Urmaterie Akascha. Parinama bedeutet „Das-sich-Herumbiegen der Urmaterie“. Damit sind die ständigen Veränderungen, Wandlungen und Modifikationen des Schwingungsträgers Akascha gemeint.

In den Yogaschriften wird Parinama daher mit Schwingung übersetzt. In Bezug auf ihre jeweiligen Eigenschaften unterscheiden sie sich nicht im Wesen, sondern nur im Grad der Feinheit oder Grobheit. Die feinen finden im Äther statt und erzeugen Schaukraft und Leben, die groben im Ether Trägheit und damit das was wir Materie nennen.

Weil sie unterschiedlichen Schwingungsträgern angehören, sind die Schwingungen des „Kernwesens Mensch“, der ICH-BIN-HEIT, von denen der materiellen Welt radikal verschieden. In den Überlieferungen wird gern gesagt, dass Äther und Ether so verschieden sind wie Luft und Wasser. Verschieden müssen die Schwingungen die sich erkennend verhalten, von denen die erkennbar sind, schon sein, sonst könnte es weder Erkennen noch Bewusstsein geben.

Zum Beispiel sind die vielen Punkte aus denen die Schrift in einem Buch zusammengesetzt ist, nur deshalb mit Druckerschwärze gedruckt, damit zwischen der schwarzen Schrift und dem weißen Papier ein Unterschied besteht. Hätten die Drucker Farbe verwendet, die haargenau dem weißen Papier gleicht, könnte man die damit gedruckte Schrift in Ermangelung von Unterschieden nicht lesen. Erst der Unterschied zwischen der schwarzen Schrift und dem weißen Papier macht das möglich.

Das Gleiche gilt selbstverständlich auch für die Beziehung zwischen dem „Seher als Subjekt“ und der erkennbaren Welt als Objekt. Denn wäre der „Seher“ davon nicht verschieden, könnte er die Welt nicht erkennend auffassen. Daraus folgt, dass alles, was der „Seher“ erkennend auffassen kann, nicht mit ihm identisch ist. Mit Sicherheit ist er daher weder mit Licht-, Schall-, Druck- und Wärmewellen identisch, noch mit den von ihm riechend oder schmeckend unterscheidbaren individuellen Eigenschwingungen chemischer Stoffe. Da er auch seinen Körper mit all seinen materiellen Elementen unter entsprechenden Voraussetzungen wahrnehmen kann, ist er auch nicht im Körperlichen bestanden.

Daraus ergibt sich aber auch, dass er sich selbst, und alles was ihm gleich ist, nicht direkt wahrnehmen kann. Auf die Bedingungen, die das indirekt ermöglichen, kann hier leider nicht eingegangen werden. Nur soviel sei angemerkt: Auch das ist ohne einen Unterschied zwischen Erkennendem und Erkennbarem nicht realisierbar. Von den Meistern wird in diesem Zusammenhang gern auf das Auge verwiesen, das sich ja ohne Spiegel ebenfalls nicht sehen kann.

Die Seele ist eine Dreiheit. Sie besteht aus

  1. „Atma“ = dem Geist, Pneuma oder Äther als individualisiertem Schwingungsträger,
  2. Buddhi“ = einem darin Schaukraft hervorrufenden Schwingungszustand und
  3. „Manas“ = einem Schwingungszustand der Denkkraft erzeugt.


Wollte man die Beziehung der Drei in einem modernen Vergleich aus der Datentechnik darstellen, könnte man sagen, Atman ist der Datenträger und Buddhi und Manas zwei darauf befindliche Programme. Auch bei diesem Vergleich sind die Programme nur Schwingungen von kleinsten Teilen des Datenträgers. Sind alle Daten gelöscht, bleibt der Datenträger davon unberührt. Das gilt auch für Atman wenn Buddhi und Manas verschwinden.

Der Unterschied ist nur, dass Atman, das „Selbst“ oder Selbstexistierende, dann mit seiner Umgebung eins wird wie der sich im Wasser auflösende Eisklumpen mit dem Element, mit dem er Wesenseins ist. Will sich der nach Wahrheit dürstende „Mensch“ mit dem Merkmallosen einen, muss er „alle“ Merkmale aus seinem Geist tilgen. Dabei ist alles hinderlich was die ICH-BIN-HEIT trüben könnte. Dazu gehören auch Schau- und Denkkraft. Nur ein entprogrammierter, sündeloser, vom empirischen Ich befreiter Geist kann sich mit dem „Einen“ einen.

Hermes – Thot, die göttlichen Schreiber

Darum war der Wahlspruch eines ernsthaft Suchenden: „Die Weisheit ist bei den Demütigen!“ Denn nur wer sein Ich, sein ichbezogenes Nutzdenken das auf seinen vielen Wünschen, Trieben und Hoffnungen gründet und das daraus resultierende Weltbild aufgibt und als Bezugssystem fallen lässt, kann die Wahrheit finden. Viele von den Wissenden nannten aus diesem Grunde nichteinmal ihre Autorenschaft, sondern schrieben ihre Werke dem gerade herrschenden Gott der Weisheit zu, wie zum Beispiel die Ägypter Thot und die Griechen Hermes. Weil die Griechen in den ägyptischen Göttern ihre eigenen Gottheiten wieder erkannten, setzten sie ihren Hermes mit Thot, dem göttlichen Erfinder der Magie, der Schrift und des gesprochenen Wortes, gleich.

 

Abbildung 176

Trismegistos – Meister der alchimistischen Kunst“

Quelle: Kupferstich aus J. Boissard, De Divinatione et Magicis, Oppenheim, o. Jz.

Urheber: Nicht bekannt

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Das nebenstehende Bild ist ein Rebus. Darin hat der Künstler in symbolischer Form sein Wissen über Entstehen und Vergehen von Weltsein und Leben eingearbeitet. Darum hält die Hauptfigur z. B. einen Globus in ihrer rechten Hand. Sie stellt den Gott „Hermes Trismegistos“ dar. Er galt in der Antike als der Meister der alchimistischen Philosophie. Deshalb nannten sich ihre Anhänger Hermeten.  weiterlesen

 

Hermes, mit Beinamen „Trismegistos“, war der griechische Gott, der die Seelen in die unter Welt, in das dunkle Reich des Hades geleitet. Mit dem Buch des Lebens in dem er alle guten und schlechten Taten aufgezeichnet hat, dem Karman, öffnet er die Tore der Geburt und des Todes. Er lenkt den Tausch, den Handel und die Wissenschaft. Er ist Götterbote, Mittler und Versöhner. „Trismegistos“ bedeutet „der dreimal Größte“, ein Name, der zeigt, in welch hoher Verehrung er stand.

Als Sohn von Zeus und Maia, der Tochter des Titanen Atlas, war Hermes in der griechischen Mythologie Botschafter der Götter und spezieller Diener und Kurier von Zeus. Er besaß geflügelte Sandalen, einen geflügelten Helm und trug einen goldenen Kerykeion oder magischen Stab, der von Schlangen umwunden und mit zwei Flügeln gekrönt war.

Bei den Alchimisten hieß der Jüngling mit den Flügeln an den Fersen „Mercurio“. Dabei handelt es sich symbolisch sowohl um den schnellen Planeten „Merkur“, der ja in 88 Erdentagen einmal um die Sonne rast, als auch um „Mercurium“, das Quecksilber. Beides sind alchimistische Symbole für Bewegung, Aktivität oder Schwingung.

Das sollen die Flügel an Helm und Fersen versinnbildlichen. Indem wir sagen: „Er gibt Fersengeld“ wenn jemand schnell wegläuft, bringen wir noch heute Fersen mit Bewegung in Verbindung. Die Flügel am Helm des Gottes weisen darauf hin, dass mit diesen Schwingungen „Hauptschwingungen“, gemeint sind. Schwingungen die sich im Haupt oder Kopf befinden und durch ihn geschützt werden.

Physikalisch sind diese Hauptschwingungen das seelische Getriebe. Das Programm das Denken und Handeln steuert und durch einen Rückkoppelungseffekt immer wieder neu geschrieben wird. Der Mechanismus, der das bewirkt, schreibt sozusagen all unser Denken und Handeln auf, wie ein Schreiber Ereignisse in ein Buch. Thot und Hermes, die diesen Sachverhalt versinnbildlichen, sind daher die göttlichen Schreiber. Wir würden heute sagen, dieser Mechanismus, der die Seele programmiert, ist mit einem Brenner oder Prozessor vergleichbar. Beide Schreiben Daten auf einen Datenträger, die dann bei Bedarf wieder abgerufen werden um Abläufe zu steuern.

Abbildung 177

„Darstellung des Seelenwiegens“

Neues Reich, Louvre, Paris

Quelle: Privates Bildarchiv

Bildbearbeitung und Text:

Urheber: O. Jung

 

Darstellung des Seelenwiegens.

Symbolisch wird die Seele nach dem Tode gewogen. Ist sie leicht wie eine Feder, darf sie zur Himmelswelt aufsteigen. Ist sie schwer mit Schuld beladen, muss sie diese auf der Erde im Pflanzen-, Tier- oder Menschenreich sühnen.  weiterlesen

Thot war bei den Ägyptern folgerichtig der Schutzherr der Gelehrten und Schreiber. Im Gerichtssaal der Unterwelt schreibt er das Urteil des Osiris nieder das ausgesprochen wird, wenn die Taten des Verstorbenen von Anubis, dem „Herzenswäger“, gewogen worden sind. Ist die Seele leicht wie eine Feder, weil sie in ihrem Leben nur Gutes dachte und tat, durfte sie zur oberen Welt, der Himmelswelt aufsteigen.

War sie hartherzig und schwer wie ein Stein, musste sie in die untere Welt, die materielle Welt, hinabsteigen und durch eine erneute Geburt in der Pflanzen-, Tier- oder Menschenwelt ihre Taten sühnen. Später wurde Thot-Hermes vermenschlicht und verwandelten sich in einen mythischen König, der 3.226 Jahre regierte und 36.525 Bücher über die Prinzipien der Natur geschrieben haben soll.

Der Kerykeion, griechisch - lateinisch Caduceus, ist bei uns als Herolds- oder Äskulapstab besser bekannt. Die beiden Schlangen, die sich um einen Stab, eine Ruhelage, winden, symbolisieren einander entgegengesetzte Schwingungen. Die eine steht für Ursache und Bestand der Schaukraft, die andere erzeugt und erhält die Materie.

Diese beiden Bewegungs- oder Schwingungszustände bedingen nach der Lehre der Alten die zwei total verschiedenen Welten mit ihren konträren Eigenschaften. Feinstofflich, lebendig, erkennend, die Lebenskeime ungeschlechtlich Einbringen die Himmels- oder Vaterwelt, und grobstofflich, träge, nichtlebendig, die Lebenskeime empfangend und austragend die Materie oder Mutterwelt.

Abbildung 178.        Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Das Abenteuer Leben

Durch ein Individuations-Prinzip, wahrscheinlich ein bestimmten Gesetzen folgender Verwirbelungs-Mechanismus, entsteht erkennende Individualität, ein Sohn der Vater -Welt den altindische Weise den Seher nannten. Verlässt dieser „Sohn“ den Vater und zieht wie Odysseus oder Sindbad der Seefahrer in 1001 Nacht hinaus in die materielle Welt, dem „Mare-Maria“, um das Abenteuer „Welt“ im Kreislauf seiner Wiedergeburten zu erleben, verbindet er sich zwangsläufig mit den Komponenten des Grobstofflichen und erzeugt darin das Kind der beiden Welten, die Fülle und Vielfalt des organischen Lebens.

Nunmehr, der materiellen Welt verfallen, von ihren Gesetzen gefangen, gefesselt und an den Felsen des Materiellen geschmiedet, ans „Kreuz des Leidens“ geschlagen, Qualen und Tod schmeckend, weiß er weder wie noch warum er in diese Welt kam und fragt im menschlichen Bewusstseinszustand nach dem Sinn des Lebens.

Er, ein Abenteurer, der dem mit großem Wagnis verbundenen Drang ins Unbekannte nicht widerstehen konnte, weil er die besondere Fülle und Intensität des „Welterlebens“ bewusst suchte, hat nun vergessen, dass es sein Wille war, das Abenteuer Welt zu erleben und kann nicht begreifen, warum ihm soviel Leid geschieht.

Abbildung 179.          Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

 

Oder ist das Leben im Kreislauf der Wiedergeburten durch die unzähligen Welten und Bewusstseinsebenen, von der kleinsten Mikrobe bis hin zum größten Riesensaurier, etwa kein Abenteuer? Die wechselnden Masken der physischen Körper, lateinisch „Personas“, mit den Elementen der Trägheit, die dem Wollen Widerstand entgegensetzen und durch die Wahrnehmungsorgane bedingt, nicht nur im menschlichen Körper „Weltliches-Erkennen“ ermöglichen? Die Geburt als lebendiges Wesen, der Lernprozess, der Teile des materiellen Körpers, diesem Wunderwerk an Präzision und Funktionstüchtigkeit, dem Willen unterordnet?

Das „Ich-Erleben“, mit all seinen Färbungen und Varianten? Ist das nicht auch im menschlichen Erdendasein ein einziges Abenteuer? Die Kindheit mit der Erforschung der unmittelbaren Umwelt? Der erste Roller, das Dreirad, das Rad? Der Kindergarten, die Schule? Die ersten Freunde und Feinde? Die Auseinandersetzung mit der tückischen und heimtückischen Umwelt? Die erste mehr oder weniger zarte Beziehung zum anderen Geschlecht mit der großen Liebe und Enttäuschung? Ist das nicht alles ein einziges großes Abenteuer?

Der Beruf mit all seinen Vorteilen und Problemen? Die Ehe und der unter Umständen damit verbundene „dreißigjährige Krieg“? Die eigene Wohnung, das erste Haus mit Grasgarten und Swimming-Pool? Die eigenen Kinder mit den damit verbundenen Freuden, Sorgen und Ängsten? Das Hobby, der Urlaub? Die Reisen in fremde exotische Länder?

Das Streben nach Besitz, Herrschaft, und Macht und der damit unausweichlich verbundene Konflikt mit der Umwelt, der allzu oft Tod und Verderben für viele Mitlebewesen zur Folge hat? Die Krankheit, das Altern mit Siechtum, Tod und Wiedergeburt? Auch das sind ja leider Elemente, die dem „Abenteuer Leben“ Farbe geben, das der Seher, der „Sohn Gottes“, erleben und erleiden muss, weil er es einst so wollte.

Der Seher – ein Zimmermann wie sein Vater

Es ist nicht leicht, die Beziehungen der individualisierten Schaukraft, den Seelen, zu den Elementen des Grobstofflichen in einem Vergleich darzustellen. Man könnte den „Seher“ mit einem Windwirbel vergleichen, der über eine trockene Sandwüste wandert und dabei den aufgewirbelten feinen Sand zwingt, sich seinen Strukturen anzupassen. Nach der Lehre der Weisen gestaltet der Seher ja den materiellen Körper, - das Haus, in dem er wohnt, - mit. Er ist daher symbolisch Zimmermann wie sein Erzeuger, sein Vater, der ja die Welt erbaut hat.

Leider ist der von mir angeführte Vergleich Seher = Windwirbel und Wüstensand = Materie nicht optimal. Zum Beispiel, weil der Seher als lebendiger Wirbel des Feinstofflichen die für seine Entfaltung erforderliche Bewegungsenergie von den Stoffwechselprozessen des materiellen Körpers bezieht, während der Windwirbel vom aufgewirbelten Wüstensand nur gebremst wird.

Ein zweiter schwerwiegender Grund ist die Tatsache, dass der Seher in der Hauptsache ein Pulsar ist, der bei seiner Entfaltung den physischen Körper in sich auf- und einbaut wie ein Schwamm Wasser, um ihn später bei seiner Einfaltung wieder auszustoßen. Ich habe diesen Vergleich nur angeführt, um wenigstens in etwa aufzuzeigen, in welcher Beziehung meiner Meinung nach Seher und Körper zueinander stehen.

Dieses Aus- und Einfalten ist die Spanne zwischen Geburt und Tot eines Lebewesens. Die Rosenkreuzer haben den Sehr daher in ihrer Symbolik mit einer Rose verglichen, weil er sich, seinem abgerufenen Programm gemäß, von Wiedergeburt zu Wiedergeburt eilend, wie diese Blume ein- und ausfaltet.

Abbildung 180

„Die Lotosblüte“

Quelle und Urheber nicht bekannt

Bildbearbeitung und Text,

Urheber: O. Jung

 

Der Lotos ist das Symbol für das sich ein- und entfal-tende Weltall. Der Grund dafür ist, dass der Lotos-samen schon die fertige Pflanze im Kleinformat enthält wie der Superpulsar in der Weltennacht den Weltenkeim. Durch den Wachstumsprozess wird sie nur vergrößert. Die Lotosblüte ist im Buddhismus das Sinnbild für den sich ein- und entfaltenden Seher im Kreislauf der Wiedergeburten und des Aufblühens des menschlichen Geistes bis hin zur höchsten Bewusstseinsstufe. Spezielle Jogaübungen auf dem achtfachen Pfad begünstigen diese Entfaltung bis Nirwana erreicht ist.

Abbildung 181

Das Rosenkreuz und die Rosenkreuzer Bienen.“

Aus Robert Fludd, „Summum Bonum“, Frankfurt, 1626

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Dat rosa mel apibus bedeutet: „Die Rose gibt den Bienen Honig“. Die Blüte der Rose symbolisiert hier den gleichen Sachverhalt wie die Lotosblüte. Das Rosenkreuz den fest mit der Erde verbundenen Menschen, den inkarnierten erkennenden Geist. Darum bildet ihr Stängel ein Kreuz das in der Erde fest verankert ist. Als Sinnbilder für die sechs Sinnesorgane sprießen über dem Querbalken zwei Verästlungen mit sechs Blättern. Darüber die entfalteten sieben Sinne mit dem „Seher“ im Zentrum. Ihn nannten die Gnostiker „Christos“.  weiterlesen

Abbildung 182

Christos der Gnostiker“

Foto: O. Jung

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Der Christos der Gnostiker ist identisch mit dem Kernwesen Mensch, dem erkennenden Geist der in jedermanns Seele erkennt. Weil er Schaukraft, symbolisch „Licht“ ist, lassen ihn die Weisen sagen: „Ich bin das Licht der Welt“. Physikalisch ist er ein individualisierter Schwingungsträger in dem Schwingungen des Äthers aktiv sind die die Schaukraft hervorrufen. Durch Identifizierung mit dem Erkannten erkennen sie verstandesbedingt: „Das bin ich und das bin ich nicht“. Geschieht dies in einem materiellen Körper, identifizieren sie sich von der Geburt bis zum Tode immer mit dem Augenblicklichen der sich ständig verändernden Persönlichkeit, erkennend: „Diese Persönlichkeit, das bin Ich“.

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Dieser Prozess der Ausfaltung beginnt schon im Mutterleib. Damit er ablaufen kann müssen drei Voraussetzungen gegeben sein. Fehlt eine, findet er nicht statt. Um welche Komponenten es sich dabei handelt erläuterte der Buddha seinen Schülern so: „Wenn Drei sich vereinen, ihr Mönche, bildet sich eine Leibesfrucht. Da sind Vater und Mutter vereint, aber die Mutter hat nicht ihre Zeit, und der Genius ist nicht bereit, so bildet sich keine Leibesfrucht. Da sind Vater und Mutter vereint und die Mutter hat ihre Zeit, aber der Genius ist nicht bereit, so bildet sich ebenfalls keine Leibesfrucht. Da sind Vater und Mutter vereint und die Mutter hat ihre Zeit und der Genius ist bereit, so bildet sich durch der Drei Vereinung eine Leibesfrucht“.

„Genius“ stammt aus dem lateinischen Wortschatz und bedeutet „Geist mit angeborener schöpferischer Geisteskraft“. Mit Geist ist der Schwingungsträger gemeint und die Schöpferische Geistkraft „das aus Schwingungen bestehende Programm“. Einen programmierten Geist nannten die Wissenden unseres Kulturraumes „Seele“, weil sie ein kleines Abbild der „großen See“, des mit den Urwassern gefüllten Raum-Ozeans ist. Sozusagen ein kleines See`le. Sie hat symbolisch drei Wohnungen. Das heißt, sie kann auf drei Ebenen erscheinen. Mit einem materiellen Körper in Avitchi was Hölle bedeutet, damit ist die materiellen Welt gemeint, als Engel oder Deva im Himmel und als programmierter, durch den Etherdruck geschrumpfter Schwingungsträger in Devachan.

Devas bedeutet Götter und Devachan, „ der himmlische Ort, wo dem Verstorbenen die Nahrung der göttlichen Gerechtigkeit gegeben wird“. Die esoterische Lehre nennt dieses Feld „Aufenthaltsort der Wonne“. Nach indischen Überlieferungen existiert die Seele dort totlos in ihrer Geistform. Dabei handelt es sich, im Gegensatz zum sinnlichen Dasein auf Erden, um ein übersinnliches Sein. Weil es für unsere Sinne unerreichbar ist, lassen sich darüber vorerst keine Aussagen machen.

Warum ein Leben tragender Planet für die Wissenden eine Hölle ist, begründeten sie so: „Leben hier auf Erden, ist quälen und gequälet werden!“ Der Grund für diese Ansicht sind auch die Grausamkeiten die Menschen und Tiere über sich ergehen lassen müssen und mussten, weil mitleidlose Zeitgenossen das für nützlich hielten. Zum Beispiel haben die Menschen von 1618 bis 1648 dreißig lange Jahre aufeinander eingedroschen und gestochen, sich gegenseitig erschlagen, gemartert, gerädert, gevierteilt und anderes mehr, um ihre von Machtstreben gefärbte Weltanschauung durchzusetzen.

Im ersten und zweiten Weltkrieg wurden sogar Millionen von Menschen bestialisch hingemordet, weil die Herrschenden ihren Machtbereich vergrößern oder verteidigen wollten. Auch in unser Zeit müssen aus dem gleichen Grunde unschuldige Menschen in den vielen Kriegen, die leider immer noch auf unserer Erde wüten, sterben. Freilich sind heute Rädern und Vierteilen out, aber dafür sind andere Praktiken in Mode.

Was in der Menschenwelt nicht sein müsste, ist im Tierreich allerdings unvermeidbar. Da heißt es: „Wer Leben will, muss Leben nehmen!“, so fordert es das eherne Gesetz des Lebens. Leider sind die dabei angewandten Methoden nicht angenehm. Lebendig zerreißen, zerbeißen, zerquetschen oder verschlingen sind ganz normale und gängige Praktiken bei der Nahrungsbeschaffung. Der gnadenlose Ursache-Wirkungs-Mechanismus fragt dabei nicht nach Schmerz und Leid des Opfers. „Des einen Lebewesen Tod, gibt anderen Kreaturen Brot!“, so lautet seine makabere Devise.

Auch wir Menschen bilden da keine Ausnahme. Obwohl wir in der Regel nicht direkt die Kreaturen töten, die wir für unseren Lebensunterhalt benötigen, so sind wir doch indirekt die Ursache für das, was mit ihnen auf unseren Schlachthöfen geschieht. Zweifellos sind die Leiden der so genannten Schlachttiere beim mehr oder weniger mechanisierten Tötungsakt auf der Schlachtbank geradezu Wonnen, wenn man sie mit den Qualen vergleicht, die ihnen in unseren Versuchsanstalten zugemutet werden. Man kann nur hoffen, dass lediglich Befürworter der Tierversuche in den Retorten der Laboratorien wiedergeboren werden. Vielleicht lässt sie ja ihre Einsicht in die Notwendigkeit der Experimente die Torturen leichter ertragen.

Die Wahrheit ist ein bitterer Trank

Die Überlieferer waren sicher, dass jedes Wesen seit Ewigkeiten im Kreislauf der Wiedergeburten durch die Schichten aller Lebensbereiche irrt, weil bestimmte Handlungs- und Verhaltensweisen sie nach dem Gesetz der „Affinität“ - Gleiches zu Gleichem - dort das Licht der Welt erneut erblicken lässt, wo die von ihnen so geschätzten Praktiken natürlich sind. Dabei spielt das Resonanzprinzip eine entscheidende Rolle. Nur wer oder was auf meiner Welle liegt, mit dem kann ich mich verbinden. „So keimen die Wesen immer in anderen Schößen, in anderen Welten und kehren im Wandelkreis hin und wieder!“

Dabei häufen sich Ereignisse oder Geschehnisse, die in unserer überschaubaren Lebenswelt nur sehr selten beobachtbar und noch seltener selbst erfahrbar sind, im Laufe dieser endlosen „Kette“ von Wiedergeburten derart an, dass sie nicht mehr zu zählen sind. Wie immer im Leben überwiegen dabei bei weitem die schlechten. Von dieser unerfreulichen Tatsache kann sicher jedermann sein eigenes Liedchen singen. Dass dies auf den Sprossen der Lebensleiter nicht anders ist, erfährt jeder täglich am eigenen Leibe.

Man muss sich schon gehörig anstrengen, wenn man die höchste Sprosse erklimmen und halten will um die damit verbundenen Früchte zu ernten. Mut, Anstrengung, Fleiß, Ausdauer und große Umsicht sind zwar unbequeme, aber unentbehrliche Wegbereiter auf dem steinigen Bergpfad des Lebens. Nur allzu leicht stürzt der Unachtsame wieder in die Tiefe. Vor allem helfen Nutznießer immer listig und mitleidlos nach, um dieses Stürzen auszulösen.

Dieses Auf- und Absteigen galt für die Wissenden auch für den Kreislauf der Wiedergeburten. Ihnen war nur zu gut bekannt, wie leicht es ist, vom höheren Bewusstseinsniveau zum tieferen zu gelangen und wie unendlich schwer, vom tieferen wieder zum höheren aufzusteigen. Schon auf der kleinsten Stiege geht es ja bekanntlich ganz von selber sehr viel schneller und schmerzlicher nach unten als nach oben.

Abbildung 183.          Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Das bewusst gewollte Aufsteigen zu immer höheren Bewusstseinsstufen ist aber nur im menschlichen Dasein möglich. Und zwar ausschließlich durch bestimmte Handlungs- und Verhaltensweisen, die sich bei uns keiner sehr großen Beliebtheit erfreuen. Ist ein Mensch aber erst einmal in den tierischen Schoß abgesunken, hat er seine Chance vertan; denn es ist für ihn so gut wie unmöglich, wieder in der Menschenwelt geboren zu werden, weil ihm im Tierreich die Möglichkeit fehlt, sein Bewusstsein in entsprechender Weise bewusst zu verändern.

Weil diese fundamentalen Realitäten das Lebensselbstverständnis infrage stellen, wurden sie nur vom Buddha unverschlüsselt aufgezeigt. Andere Wissende taten alles um zu verhindern, dass diese Angst einflößenden Wahrheiten vor den einfachen Leuten aufgedeckt werden. Selbst einer der größten deutschen Dichter warnte: „Der Mensch versuche die Götter nicht und trachte nie und nimmer zu schauen, was sie gnädiglich decken mit Nacht und Grauen!“

Leider ist der unangenehme Beigeschmack fast allen Wahrheiten gemeinsam und wohl der Grund dafür, warum sie so wenige hören wollen. Schon der Volksmund sagt: „Die Wahrheit ist ein bitterer Trank, wer sie kredenzt, dem wird kein Dank, denn der Menge schwacher Magen, kann sie ja nur verdünnt vertragen“. Unter ihrem erhellenden Schein schmilzt die Lebensfreude dahin wie der Schnee an der Frühlingssonne.

Oft genügt schon ein simpler Spiegel, eine einfache Personenwaage, der Blick in das Portemonnaie oder, in extremen Fällen, der Krebsbefund der Raucherlunge, um uns diese einfache Tatsache mehr oder weniger schmerzlich bewusst zu machen. Um wie viel mehr muss dies für die fundamentalen Wahrheiten gelten, die sich auf die Ursachen von Weltsein und Leben und damit auf den Kreislauf der Widergeburten beziehen. Durch das Erkennen dieser Grundgesetze verliert der Mensch ja seine Sonderstellung und alle seine Illusionen.

Auch die Hoffnung, dass am Weltende alles vorbei ist, erfüllt sich leider nicht, denn als Weltphänomen ist der Kreislauf der Wiedergeburten so ewig, wie die Energien, die das Werden und Vergehen der Welten bedingen. Wenn dieses Weltall sich am Jüngsten Tage auflöst, hört er nicht auf, weil die unerlösten Wesen ihre Wanderung auf dem neuen Weltenrad fortsetzen. „Die Letzten der alten Welt werden die Ersten der neuen Welt sein und die Ersten der neuen Welt werden auch wieder die Letzten sein“, lehrt auch die Bibel. Die Akteure, die Wesen, sind immer dieselben. Sie können niemals vergehen, sondern wandeln sich nur.

In der Kabbala gibt es eine kleine Geschichte die das bestätigt. Sie trägt den Titel: „Wesen und Formen der Seele“. Dort steht in der üblichen gleichnishaften Art unter anderem: „Als der Heilige Gebenedeite eine neue Welt schaffen wollte, stand sie schon fertig vor seinen Gedanken. Auch alle Seelen, welche später in die irdischen Körper kommen sollten standen alle vor ihm in derselben Form, die sie später im Körper haben sollten. Der Heilige betrachtete sie eine nach der anderen und bemerkte darunter eine Anzahl, die verderben würden.

Wenn nun ihre Zeit gekommen ist, so ruft er jede einzelne Seele zu sich und spricht zu ihr: „Gehe an diesen oder jenen Ort auf der Erde, um diesen oder jenen Körper zu beseelen“. Da antwortete ihm die fromme Seele: „Oh, Herr der Welt, ich bin glücklich wo ich jetzt bin, und ich habe kein Verlangen in jene andere Welt zu gehen, wo ich eine Magd bin und allem Schmerz ausgesetzt sein werde“! Da antwortete ihr der Heilige Gebenedeite: „Von dem Tag an, da du geschaffen wurdest, hast du keine andere Bestimmung gehabt, als diese, in jene untere Welt zu gehen, wohin ich dich jetzt schicken will“. Da sieht die Seele, dass sie gehorchen muss, und betritt traurig den Weg zu unserer Welt und steigt zu uns herab.

Alle Seelen, die später auf Erden Schlechtes tun, haben bereits in der Himmels-Welt begonnen, sich von dem Heiligen Gebenedeiten zu entfernen. Sie drängen nach der Pforte des Abstiegs zur Erde hin und können die Zeit ihres Abstiegs gar nicht erwarten. Und alles, was sie auf Erden lernen, wussten sie schon, bevor sie in diese unsere Welt eintraten“. Dieses Wissen ist das, was sich während der vielen Leben in der vergangenen Welt durch Denken und Handeln in die Seele eingeprägt hat. Dieses Programm, das in den Lehren Altindiens „Karman“ hieß, bestimmt, was der Seele im neuen Leben widerfährt.

In den Überlieferten Texten werden die Bits dieses Programms gern mit den Pflanzensamen in einem Garten verglichen, den man im Frühjahr aussät. Durch die sich im Laufe eines Jahres durch Sonne, Wärme und Feuchtigkeit ändernden Umfeldbedingungen, wird das in ihnen enthaltene Programm abgerufen. Und zwar dann, wenn die Schwingungen des Programms im Pflanzensamen, mit den Schwingungen des Umfelds auf einer Welle liegen. Dann führen die starken Umfeldschwingungen den Schwingungen des Pflanzensamenprogramms Schwingungsenergie zu und bringen sie so zur Entfaltung.

Das ist auch beim Programm der Seele so. Nur wird das Schwingungsumfeld nicht von Sonne, Wärme und Feuchtigkeit erzeugt, sondern vom Milieu in das sie hineingeboren wird. Ändert es sich, werden immer andere Programmteile abgerufen, die dann Denken und Handeln steuern. Dabei kommen in erster Linie die Programminhalte mit den stärksten Schwingungen zum Tragen.

Das sind anfangs jene, die die Seele im letzten Leben am meisten bewegten. Hat sie in ihrem Vorleben Gutes getan, wird ihr im neuen Dasein auch Gutes widerfahren. Hat sie nur Böses gedacht und gewirkt, wird ihr im neuen Leben auch nur entsprechendes zuteil werden. Das hier wirksame, unerbittliche Naturgesetz wird in den Überlieferungen „Dis, der große Ordner“ genannt. Das ist das Wissen, das die Seele im Gleichnis so traurig machte.

Dass die großen Wahrheiten traurig machen wussten schon die geistigen Urheber der Schöpfungsmythen der amerikanischen Indianer, die sich Mayas nannten, und deren Tempel-, Palast- und Städtebauten noch heute ihren einst hohen Kultur- und Wissensstand bezeugen. In ihrem Kulturgut wird folgendes überliefert:

„Am Anfang war nur das große Meer (Akascha). In dieser wüsten Welt (dem weltlosen Raum) lebte ein Gott namens Tepeu, der Schöpfer, und eine Göttin namens Gucumatz, die Gestalterin. Diese beiden teilten zuerst das Wasser (Akascha) und machten die Sonne (Schaukraft), nun gab es Licht (Erkennen). Danach erschufen sie die Erde, statteten sie mit Bergen, Flüssen, Bäumen und Büschen aus und gaben Tieren aller Arten das Leben.

Unglücklicherweise konnte keines dieser Tiere sprechen. Deshalb entschied das Götterpaar, dass Menschen erschaffen werden mussten. Sie formten Menschen aus Schlamm und Lehm. Aber diese sahen seltsam aus und waren zu weich. Die Wasser spülten sie fort. Da erschufen die Götter Menschen aus Holz. Diesmal gefiel ihnen die Gestalt der Menschen. Aber es zeigte sich, dass die Holzmenschen kein Herz hatten. Sie misshandelten die Tiere, bis diese zurückschlugen und viele Menschen töteten. Ein mächtiger Regen fiel nieder und vernichtete die meisten anderen Menschen. Nur einige wenige überlebten und kletterten auf die Bäume. Aus ihnen wurden die Affen.

Beim dritten Versuch erschuf das Götterpaar Menschen aus Fleisch. Diese gefielen den Göttern sehr. Sie waren dankbar, weise und freundlich und sie konnten alles begreifen! Weil sie aber alle Geheimnisse verstanden, wurden sie traurig und bedrückt. Das Götterpaar musste noch einmal eingreifen. Sie beschlossen: „Die Menschen sollen nur noch sehen, was nahe bei ihnen ist, immer nur einen kleinen Teil der Welt. Nebel wurde um ihre Augen geblasen und ihre wunderbare Weisheit verschwand“!

Nun waren sie sicher fröhlich; denn „Selig sind die Einfältigen, die da arm sind im Geist, denn das Himmelreich ist ihr!“, heißt es ja auch in unserer Bibel doppelsinnig. Dass dieser Ausspruch noch einen sehr ernsten zweiten Sachverhalt symbolisiert, der sich auf die vom aufrechten Adepten erstrebte Einung mit Gott bezieht, sei für diejenigen angemerkt, die dies Zitat schadenfroh erheitern sollte. Das gilt auch für die eben mitgeteilte Schöpfungsgeschichte der Mayas.

Die armen, wehrlosen, grausam gequälten Tiere werden mit Sicherheit zurückschlagen, und zwar nicht nur als Rückwirkung ihrer gnadenlosen Ausrottung durch raffgierige Menschen, sondern durch die tödlichen Seuchen die durch die Massentierhaltung bedingt sind und sich auf die Menschen übertragen. BSE, Schweineseuche und Vogelgrippe sind erst die Ouvertüre der Tragödie.

Der mächtige, Tod und Verderben bringende Regen, der niederfiel, und die Überlebenden, zu Affen und Monstern mutiert, auf die Bäume trieb, war bestimmt kein gewöhnlicher Regen. Der Leser mag diesen Teil der Symbolik selbst entschlüsseln. Niemand sägt ungestraft am Ast, auf dem er über dem tödlichen Abgrund sitzt. Sobald er bricht und alles in die Tiefe reißt, kann kein Geld der Welt das Verhängnis rückgängig machen. Viele der überlieferten Geschichten berichten nicht nur über Vergangenes, sondern sind, wie die eben mitgeteilte Geschichte der Mayas, gleichzeitig Prophezeiungen. Es sind Erinnerungen an die Zukunft, wie Erich von Däniken es seinerzeit treffend formulierte.

Weil sich in der Vergangenheit wenig Gutes ereignete, so ist auch in Gegenwart und Zukunft nichts anderes zu erwarten. Darum war das grenzenlose Mitleid, das die großen Weisen mit den unbekümmert dahinlebenden Menschen hatten, ein entscheidender Beweggrund für die Geheimhaltung der fundamentalen Wahrheiten. Dies geht für mich u. a. eindeutig aus der Paradiesgeschichte der Bibel hervor. Der in diesem Zusammenhang interessante Text steht im zweiten und dritten Kapitel des l. Buch Moses, und die entsprechenden Bibelzitate erinnern sicher manchen Leser wieder an seinen Religionsunterricht. Weil ich weiß, dass viele Menschen den Aussagen der Bibel recht skeptisch gegenüberstehen, will ich folgendes vorausschicken:

Die Bibel ist ein metaphysisch-mystisches Schriftwerk, durch das der aufrecht Suchende die grundlegenden Gesetze der geschaffenen Welt erkennen kann. Diese Erkenntnis erhebt ihn über das profane Alltagswissen und lässt ihn den Plan und die tiefe Bedeutung der Schöpfung verstehen. Wer aber die Texte wörtlich nimmt, dem sind die in der „Heiligen Schrift“ niedergelegten Geheimnisse nicht verständlich, weil die Bibel ein Buch von Symbolen ist. Wie Simon ben Jochai stellvertretend für viele andere Weise in Bezug auf die Tora lehrte, sind die darin enthaltenen Erzählungen nur das Gewand, in das die Offenbarungen gekleidet sind.

Wer die Umhüllung schon für die Offenbarung hält, für den sind diese einfachen Erzählungen schon die ganze Wahrheit. Die hebräischen Buchstaben der heiligen Texte sind aber nicht nur Zeichen, die von Menschen erfunden wurden, um Dinge, Ereignisse und Gedanken festzuhalten, sondern ihre Buchstaben und Zahlen sind vor allem Gefäße für die göttlichen Wahrheiten. „Unwandelbare Zahlen und Buchstaben“, sagt der Arzt und Philosoph Agrippa von Nettesheim (1486—1535), „hauchen die Harmonie des höchsten göttlichen Wesens aus!“

Die Paradiesgeschichte

Die Aufgabe des Suchenden ist es nun, diese verhüllte Bedeutung durch geeignete Methoden, die in der Regel durch mündliche Überlieferungen weitergereicht wurden, zu enträtseln. Da uns entsprechende Lehrer nicht zur Verfügung stehen, ist es kein Wunder, wenn viele Menschen vom „Buch der Bücher“ nichts wissen wollen. Was man nicht versteht, weil es voller Widersprüche ist, das mag man auch nicht lesen. Auch mir ist es nicht anders ergangen. Erst als ich entdeckte, was sich hinter dem Schlangensymbol verbirgt, erkannte ich mehr und mehr, dass die Bibel ein noch weitgehend ungelöstes riesiges Rätsel ist, in dem die Widersprüche als Stolpersteine fungieren. Weil Rätsel mich schon immer faszinierten, wurden Bibeltexte, wie die nun folgenden, für mich wieder hochinteressant:

„Und Gott der Herr machte den Menschen aus einem Erdenkloß und blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase, und also ward der Mensch eine lebendige Seele. Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen und setzte den Menschen drein, den er gemacht hatte. Er ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, lustig anzusehen und gut zu essen und mitten im Garten den Baum des Lebens und den „Baum der Erkenntnis“ des Guten und Bösen.

Und es ging aus von Eden ein Strom, zu wässern den Garten und teilte sich von dannen in vier Hauptwasser. Das erste heißt Pison, das fließt um das ganze Land Hevila und daselbst findet man Gold. Das andere Wasser heißt Gihon, das fließt um das ganze Mohrenland. Das dritte Wasser heißt Hiddekel, das fließt vor Assyrien. Das vierte Wasser ist der Euphrat.

Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten, dass er ihn baute und bewahrte. Er gebot dem Menschen und sprach: „Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen, denn welchen Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben.“

Und Gott sprach: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“ Da ließ er einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und dieser entschlief. Und nahm seiner Rippen eine und schloss die Stätte zu mit Fleisch und baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Und sie waren beide nacket, der Mensch und sein Weib, und schämeten sich nicht.

Und die Schlange war listiger denn alle Tiere auf dem Felde, die Gott gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: „Ja, sollte Gott gesagt haben, ihr sollt nicht essen von allerlei Bäumen im Garten?“ Da sprach das Weib zu der Schlange: „Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten, aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rührets auch nicht an, dass ihr nicht sterbet!“ Da sprach die Schlange zum Weibe: „Ihr werdet mitnichten des Todes sterben, sondern Gott weiß,, dass, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan und werdet sein wie Gott und wissen was gut und böse ist.“

Und das Weib schaute an, dass von dem Baum gut zu essen wäre und lieblich anzusehen. Dass es ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte, und nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon und er aß. Da wurden ihrer beider Augen aufgetan und wurden gewahr, dass sie nacket waren und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Und sie höreten die Stimme Gottes des Herrn, der im Garten ging, da der Tag kühl worden war, und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes unter die Bäume im Garten.

Und Gott rief Adam und sprach zu ihm: „Wo bist du?“ Und er sprach: „Ich hörte deine Stimme im Garten und fürchtete mich, denn ich bin nacket, darum versteckte ich mich.“ Und er sprach: „Wer hat dir's gesagt, dass du nacket bist? Hast du nicht gegessen von dem Baume, davon ich dir gebot, du sollst nicht davon essen?“ Da sprach Adam: „Das Weib, das du mir zugesellet hast, gab mir von dem Baum, und ich aß.“

Abbildung 184

Der Sündenfall“

Quelle: Privates Bildarchiv

Urheber: Nicht bekannt

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Auf dem Baum der Erkenntnis die verführende Schlange die Adam durch Eva den Apfel zum Essen darreicht. Auch in diese Parabel sind Stolpersteine eingebaut. Sie sollen den Wahrheitssucher daran hindern, die Geschichte wörtlich zu nehmen. Warum eine so umständliche Apfelernte? Adam konnte sich den Apfel doch jederzeit selbst pflücken.  weiterlesen

Abbildung 185

Baum der Erkenntnis“

Quelle: Kupferstich aus „Geheime Figuren der Rosenkreuzer“, 1785

Urheber: Nicht benannt

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Die Allegorie leitet sich aus erheblich früheren Quellen ab. Sie ist u. a. ein Mandala. Dabei handelt es sich um ein figurales Schaubild, das den Mönchen im Hinduismus und Buddhismus als Meditationsvorlage dient. Das Wort stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Kreis. Es ist ein visuelles Hilfsmittel das den Adepten das Erreichen der einzelnen Versenkungsstufen erleichtert.  weiterlesen

Abbildung 186.           Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Abbildung 187.           Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Da sprach Gott der Herr zum Weibe: „Warum hast du das getan ?“ Das Weib sprach: „Die Schlange betrog mich also, dass ich aß.“ Da sprach Gott der Herr zu der Schlange: „Weil du solches getan hast, seiest du verflucht, vor allen Tieren. Auf deinem Bauche sollst du gehen und Erde essen dein Leben lang.“ Und zum Weibe sprach er: „Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst. Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären, und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein und er soll dein Herr sein.“

Und zu Adam sprach er: „Dieweil du hast gehorchet der Stimme deines Weibes und gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen - verflucht sei der Acker um deinetwillen. Mit Kummer sollst du dich drauf nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen und sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ Und Adam hieß sein Weib Eva, darum dass sie eine Mutter ist aller Lebendigen.

Und Gott machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und kleidete sie und sprach: „Siehe, Adam ist worden als unser einer und weiß was gut und böse ist. Nun aber, dass er nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem „Baum des Lebens“ und esse und lebe ewiglich!“ Da ließ ihn Gott aus den Garten Eden, dass er das Feld baute, davon er genommen ist und trieb Adam aus und lagerte vor den Garten Eden die „Cherubim“ mit dem bloßen hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens!“

 

Die Paradiesgeschichte wird entschlüsselt

Damit sich der Leser ein eigenes Urteil darüber bilden kann, ob sich hinter der Paradiesgeschichte tatsächlich mehr verbirgt, als es vordergründig den Anschein hat, will ich versuchen, hier einen ihrer Symbolgehalte so mitzuteilen, wie er sich aus meiner Weltsicht ergibt. Des besseren Verständnisses wegen, möchte ich vorher noch einige grundsätzliche Anmerkungen machen. Die geistigen Urheber der Parabeln haben in der Regel Symbole benutzt, die jedermann auch heute noch bewusst oder unbewusst in seinen täglichen Redewendungen gebraucht.

Ein Autofahrer in einer „Rückreisewelle“ steuert seinen Wagen beispielsweise in „Schlangenlinien“, wenn er betrunken ist. Sofort bildet sich hinter ihm eine lange „Autoschlange“! Dem hellen Polizisten, der dies beobachtet,  „geht ein Licht auf“! Mit seinem „messerscharfen Verstand“ hat er die Sachlage schnell erfasst. Er stoppt das Fahrzeug und bemerkt, dass der Fahrzeuglenker „beschwingt gestimmt“ in illusionären „paradiesischen“ Gefilden weilt und daher den „harten Tatsachen“ nicht zugänglich ist. Erst sein „Hausdrachen“, die „falsche Schlange“, lässt ihn nicht länger „im Dunkeln tappen“ und „öffnet ihm die Augen“, wenn er am anderen Morgen vergeblich seinen Führerschein sucht.

Als Sagengestalt, die meistens schlangenförmig und geflügelt dargestellt wurde, war der Drache bei den alten Babyloniern, Assyrern, Persern, Griechen, Japanern und Chinesen ein häufig dargestelltes Motiv. Die Mayas verehrten sogar eine gefiederte Schlange. Sie nannten sie Quetzalcoatl („Federschlange”). Für sie errichteten sie die mächtige Pyramide in Chichen Itza, (Yuc. Mexiko).

Abbildung 188.            Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

In germanischen und deutschen Sagen, wie z.B. im Nibelungenlied, hieß er Lindwurm und im bayerischösterreichischen Sprachraum Tatzelwurm. Auch dort war er ein Drache, der „Feuer speit“. Feuer symbolisiert noch heute Energie, Aktivität und Tatkraft. Bekanntlich hat ja ein aktiver Mensch „Feuer im Blut“, wobei hier mehr das „Feuer der Leidenschaften“ gemeint ist, wenn sein „seelisches Getriebe“ leidenschaftlich bewegt ist.

 

So hat der Drache symbolisch eine doppelte Bedeutung. Als Schwingung liefert er der materiellen Welt die physikalische Energie und im seelischen Bereich ist er die Ursache der Schaukraft und daher der Gemütstätigkeiten und Empfindungen. Er gehört zur Familie der Greife, weil zwei der vier Grundschwingungsarten, auf denen die Welt nach Ansicht der Überlieferer beruht, stehende Wellen sind. Sie schwingen auf der Stelle ohne von sich aus den Ort zu wechseln. Dabei erzeugen sie die vier Greifkräfte, die den Überlieferern bekannt waren. Aus diesem Grunde haben die Fänge eines echten hermetischen Drachen vier Greifkrallen.

Sein eines Bein steht symbolisch für jene sogkrafterzeugende Rotationsschwingung, die wir vom gewöhnlichen Wasser als wirbelnden Strudel kennen; das andere für den auf der Stelle pulsierenden Pulsar, der von innen nach außen und von außen nach innen schwingt, wie unsere atmende Lunge oder der Pulsschlag unseres Herzens. Seine zwei „Schwingen“ symbolisieren die beiden Grundschwingungsarten, die sich im Raum fortpflanzen.

Eine davon können wir auf jedem See oder Teich beobachten, wenn wir einen Stein hineinwerfen. Dann hüpfen die Wasserteilchen auf und nieder, wie der Flügel eines Vogels, und die dadurch entstehenden Wellen eilen auf der Wasseroberfläche dahin. Die andere Grundschwingungsart erzeugen wir in der Luft, wenn wir sprechen oder singen. Sie pflanzt sich fort, weil sich die Luft in Bewegungsrichtung streckt und wieder zusammenzieht, wie eine kriechende Schlange oder ein kriechender Wurm.

Weil die Schlange den Adam, hebräisch Mensch, Erdling, Erdensohn, betrügt, indem sie ihm Welt vorgaukelt, wo doch nur ein schwingendes Feld ist, wurde sie bei den Alten zur falschen Schlange, und weil der Mensch das nicht bemerkte, nannten sie sie listig. Auch der Mensch der Neuzeit hat begonnen, dies intrigante Spiel mit Hilfe moderner Apparaturen zu durchschauen. Die derart gewonnenen Forschungsergebnisse geben den Alten recht. Wir wissen heute, dass z. B. die Farbenpracht in unserer Umwelt nur reflektierte elektromagnetische Wellen sind. Erst unser Gehirn macht aus den unterschiedlichen Lichtfrequenzen die verschiedenen Farbempfindungen.
 
Der Gehirnforscher Hofmann erklärt das so: Die Außenwelt, die als Sender fungiert, bleibt stets dieselbe. Die menschlichen Innenwelten aber - die Empfänger – sind bei jedem auf verschiedene „Wellenlängen“ eingestellt. Hofmann: „Unsere Sinnesorgane arbeiten zwar als Antennen, aber nachher geschieht das Wunderbare, das wir nicht erklären können: dass etwas, das primär ein physikalischer Reiz ist, zum Erlebnis wird“.

Auch der bekannte Kybernetiker Heinz von Foerster betont, dass der menschliche Geist nicht das wahrnimmt, was da ist, sondern das, wovon er glaubt, dass es da ist. Unsere Netzhaut sei in einem bestimmten Sinne blind. „Dies sollte nicht erstaunen“, meint Foerster, „da es in der Tat dort draußen zum Beispiel kein Licht und keine Farbe gibt, dort gibt es nur elektromagnetische Wellen.“ Das dies so ist, erleben wir täglich, wenn wir vor einem Bildschirm sitzen. Dort sind ja nicht die Dinge, die wir dort zu sehen glauben, sondern nur Lichtpunkte die in Form von Elektromagnetischen Wellen auf die Netzhaut unserer Augen treffen. Erst unser Gehirn macht daraus Bilder.

Die verblüffende Verwandlung der elektromagnetischen Wellen, die in unserem Bewusstsein stattfindet, erklärt der chilenische Biologe Humberto Maturana so: „Die einfallenden Lichtstrahlen werden vom Auge nicht einfach nur aufgenommen und weitergeleitet, sondern die Nervenzellen der Netzhaut reden auch miteinander. Das Nervensystem bildet keine äußere Wirklichkeit ab, sondern spielt mit seinen eigenen Zuständen, es interagiert. So schafft es seine eigene Welt.“

Das war auch den Überlieferern bekannt und daher sagten sie: „Wie es jeder sieht, so scheint es ihm!“ Denn was jemand wahrnimmt das durchdenkt er, wie er es durchdenkt, so erkennt er, wie er es erkennt, so weiß er, wie er es weiß, so steuert es seine bewussten Handlungen und dementsprechend ist das Produkt seiner Taten. Weil jeder das Wahrgenommene anders durchdenkt und daher anders erkennt, lebt jeder in einer anderen Welt, in der er mehr oder weniger allein ist.

Darum sagen wir mit Recht: „Das sehe ich anders!“ Der Mensch ist aber nicht gern allein und daher sucht er ständig nach Gleichgesinnten die seine Sicht der Dinge mit ihm teilen. Leider sind diese dünn gesät und schwer zu finden. Darum versucht er Andersdenkende von der Richtigkeit seiner Weltanschauung zu überzeugen. Wenn nötig sogar mit Gewalt, wie z. B. durch Krieg.

Wie leicht unser Gehirn zu täuschen ist erleben wir auch auf unseren PC-Monitoren. Dort ist in Wirklichkeit ebenfalls nicht das was wir dort zu sehen meinen. Tatsächlich sind da nur kleine Punkte. Sie senden elektromagnetische Wellen aus die dauernd ihre Frequenz wechseln. Ähnlich verhält es sich auch mit der für uns erfahrbaren materiellen Welt.

Würden wir zum Beispiel einen Punkt aus Druckerschwärze immer weiter auflösen, erhielten wir immer kleinere Einheiten. Zuerst Moleküle, dann Atome, später Atomarteilchen, und letztlich würden wir entdecken, dass alles nur Kombinationen der vier Grundschwingungen sind, die sich unserer Wahrnehmung normalerweise entziehen. Daher ist die Welt aus der Sicht der Wissenden nur ein „Schwingungszustand des Ewigen“, der den Wahrnehmer, bedingt durch die organischen Sinnesorgane, täuscht.

Ein Mensch, der von Geburt an in einem Raum aufwachsen würde, dessen Fußboden, Decke und Wände riesige, ständig in Betrieb gehaltene Bildröhren wären, befände sich in einer ähnlichen Situation. Er würde die Fernsehbilder, die ja lediglich das Produkt unterschiedlicher Lichtfrequenzen sind, für real halten. Es wäre nicht leicht, ihm später den Betrug bewusst zu machen.

Um wie viel schwerer muss dies bei einem Weltbefangenen sein, für den noch die Trägheitseigenschaft der Materie erschwerend hinzukommt und der durch seine sechs Sinnesorgane die Welle auf sechs verschiedenen Ebenen erlebt? Das Sehende, „der Seher“ betrachtet die Welt ja nicht direkt, sondern die Schwingungen der seelischen Welt, wie wir das Programm auf einem Bildschirm. Erst die Tätigkeit der anderen fünf Sinne lässt ihn seine Umwelt erleben, weil sie die Bewegungen des seelischen Getriebes den Außeneinflüssen entsprechend verändert.

Wie schon gesagt, ist die ihm so dargebotene Welt illusionär, die „Maya“ oder große Täuschung, in der die „Mayas“, die Getäuschten wohnen. Maya kommt aus der indischen Religionsphilosophie und bedeutet Erscheinung, Verkörperung in materielle oder irdische Gegenwärtigkeit. Das Wort leitet sich her aus der Wurzel „Ma“, erweitert zu „Mai“, die in indogermanische Zeit zurückreicht. Ihre ursprüngliche Bedeutung ist „mit den Armen ausmessen“.

Daraus entwickelte sich dann ordnen, messen, schaffen, bauen. Eine andere Entwicklungslinie führt von hier zu der Bedeutung „mit den Armen hantieren um Tricks hervorzubringen die magische Gebilde schaffen“. Darum ist Maya in den Texten der Upanischad eine aus dem Urgrund allen Seins entsprungene Erscheinungsform, eine Scheinwelt die sich ins Sichtbare gestaltet hat. Real ist nur die ewige, unvergängliche Grundlage, alles andere ist eine Sinnestäuschung.

Darum unterschieden die Wissenden immer streng zwischen dem unvergänglichen, ewigen „Hauptsein“ und dem „Para- oder Nebensein“, der Werden und Vergehen unterworfenen Welt. Das Wort Paradies oder Paradeis hat eine doppelte Bedeutung. In Bezug auf seinen Begriffsinhalt „Nebensein“ lässt es sich vom Griechisch-Lateinischen herleiten. „Para“ (griech.) bedeutet dort soviel wie neben, entgegen, hinzu und „dies“ ist mit dem lat. „Deus“ verwandt, das mit Gott oder „Sein“ übersetzt werden kann. Weil „dies“ in alchimistischen Schriften „Tag“ bedeutet, ist mit diesem Neben-Sein der „Welten-Tag“, das Welt-Sein, gemeint.

Der zweite Wortsinn ergibt sich aus der persischen Übersetzung. Die alten Perser nannten das „Umwallte“ oder „Umhegte“ Paradies. Es war die Bezeichnung für einen Platz, der mit einem Schutzwall oder mit einem Gehege umgeben war. Das Gehege, der Schutzwall, an anderer Stelle auch die „Feste“, der das „Nebensein“ einfriedet, ist der Potentialwall, den wir Gravitation nennen, und der auch jeden Lebensplaneten umgibt. Der nicht nur die lebensnotwendige Gashülle am Entweichen hindert, sondern auch dafür sorgt, dass die Lebewesen nicht so leicht in den für sie tödlichen Weltraum gelangen können. Wie schwer es ist, den Potentialwall unserer Erde zu überwinden, wird uns spätestens dann bewusst, wenn wir andere Himmelskörper besuchen wollen.

Viele unserer heutigen Redewendungen haben eine lange Vorgeschichte und beziehen sich auf konkrete physikalische Sachverhalte. So sprechen wir vom „Garten Europas“, wenn wir eine bestimmte geographische Örtlichkeit mit besonders günstigen klimatischen und geologischen Lebensbedingungen meinen, und von einer „öden Wüste“, wenn es sich um lebensfeindliche Regionen handelt.

Die Überlieferer haben es in ihren Parabeln nicht anders gehalten. So ist z.B. das Wort „Eden“, von sumerisch „Edin“ abgeleitet und bedeutet Öde, Steppe, Wüste. In unserer Paradiesgeschichte ist damit die wüstenähnliche „Leere“ zwischen den Himmelskörpern gemeint; denn lebensfeindliche Regionen sind nicht nur auf die Sand-, Stein- und Eiswüsten der Planeten oder die Gluthöllen der Sonnen beschränkt.

Ein Raumfahrer, der mit einem Superraumschiff durch das Weltall reist, stellt sehr schnell fest, dass der Weltraum selbst die größte lebensfeindliche Wüste ist, in der die Leben tragenden Planeten wie Oasen in einer Sandwüste, nur an bevorzugten Plätzen innerhalb eines Planetensystems anzutreffen sind. Wohin unser Raumfahrer auch reisen mag, überall nur Öde, Weite, Leere.

Allein die Temperaturen, die seine Außenbordgeräte anzeigen, sie schwanken zwischen 270 Grad Kälte im leeren Raum und 20 Millionen Grad Wärme im Zentrum der Sonnen, machen jede Hoffnung auf Leben zunichte. Der Temperaturbereich, in dem wir Menschen elend frieren bis grausam schwitzen, zählt da ganz gewiss zu den besonderen Bedingungen.

Und doch besitzen alle Sonnen einen mehr oder weniger schmalen Gürtel gemäßigter Temperaturen, in dem sich organisches Leben entwickeln kann. Diesen lebensfreundlichen Gürtel innerhalb eines Sonnensystems nennt unsere Wissenschaft „Ökosphäre“. Sie ist mit dem Garten in Eden identisch. Weil das Wort „Eden“ bei den alten Griechen auch „Wollust“ bedeutet, wurde es später mit „Lustgarten“ übersetzt.

Abbildung 189.              Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

 

Ein Garten wie der in Eden war aber nicht nur bei den jüdischen Weisen ein Begriff. Auch die Wissenden Chinas kannten schon vor 2000 Jahren einen solchen ursprünglichen Garten, den die „Drachen der Weisheit“ bewohnten. Mit den Drachen der Weisheit sind hier jene Schwingungen gemeint, die mit Lebens-, Schau- und Erkenntniskraft begabt, die physischen Körper der Organismen bewohnen. Ihn wässern die vier Ströme Oxus, Indus, Ganges und Silo. Der Legende nach fließen sie aus einer gemeinsamen Quelle, dem „See der Drachen“. Sie symbolisieren den gleichen physikalischen Sachverhalt wie die vier Flüsse Pison, Gihon, Hiddekel und Euphrat, die den jüdischen „Lustgarten“ wässern.

Es ist nicht schwer zu erraten, dass sich hinter den vier Flüssen die vier Grundschwingungsarten verbergen. „Pison“ bedeutet z.B. der „Hüpfende“ und „Gihon“, der „Hervorsprudelnde, Hervorschnellende“. Der erste erinnert an die Schwingungen der hüpfenden Wasserteilchen und der zweite an den Pulsar, der mit Wucht aus dem Inneren hervorschnellt. Weil Flüsse sich durch die Landschaft schlängeln und ihre Schattenrisse große Ähnlichkeit mit denen der Schlangen haben, wurden sie von den Alten ebenfalls als Symbole für Schwingungen benutzt.

Wie sehr sich die Formen der Flüsse und die der Schlangen ähneln, hat der beliebte Moderator Frank Elstner seinerzeit in seiner Fernsehserie „Wetten dass ...“ vielen Millionen Menschen vor Augen geführt. In einer seiner interessanten Sendungen erkannte ein Kandidat die vielen Flüsse unseres Planeten allein an ihrer Form. Die zu diesem Zweck vorbereiteten Schattenrisse der zu erratenden Flüsse aber waren der Einfachheit halber alle als Schlangen gezeichnet. Der Schlangenkopf gab die Flussrichtung an und das Schwanzende die Stelle, an der die Wasserläufe der Erde entströmten.

Abbildung 190              Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Symbolisch steht das Wort „Erde“ in den Überlieferungen für die grobstoffliche, materielle Welt, die Materie. Sie beginnt ihr Dasein gegen „Morgen“ nachdem ihr Zwillingsbruder, die feinstoffliche, erkennende „Himmelswelt“, die Schale des „kosmischen Schlangeneis“ zerbrach und mit seinem erhellenden „Licht“, der erkennenden Schaukraft, die dunkle Weltennacht erleuchtend, den ersten „Weltentag“ einleitet. In den alten Schriften bedeutet daher „Es werde Licht“ immer „Es werde Erkennen“ und „Ich bin das Licht der Welt“, „Ich bin das Erkennende der Welt“.

Dagegen ist der „Baum der Erkenntnis“ die über Keim, Wurzel und Stamm wachsende, sich verästelnde Ursache des Erkennbaren, nämlich die Gesamtsumme der möglichen Erkenntnisse. Das Symbol für geheime heilige Erkenntnis war im Altertum allgemein ein Baum, worunter auch eine Schrift, eine Aufzeichnung oder ein Buch verstanden wurden, weil sie ähnlich wie ein Baum, mehr oder weniger gute Früchte tragen.

In der Paradiesgeschichte symbolisieren der „Baum der Erkenntnis“ und der „Baum des Lebens“ die erkennbaren Grundgesetze, die beide Welten wie eine Frucht reifen lassen. Diese Frucht ist in der Symbolik der Alten der „Weltenapfel“.

Abbildung 191.             Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

    
Wer nach Erkenntnissen strebt, gibt damit zu, dass er unwissend ist. Unwissenheit erzeugt, wie jeder Spannungszustand des Bewusstseins, Unlust. Das bewusst empfundene „Nichtwissen“ ist daher die Triebfeder für das Streben nach Wissen. Das Erkennen des „Nicht-Gewussten“ löst diese Unlust erzeugende Spannung im seelischen Getriebe, und das Bewusstsein empfindet für den Moment des „Aha-Effektes“ Lust. Aus diesem Grunde ist der Baum der Erkenntnis ein lustiger Baum, weil er klug macht.

Was für die tote Materie der Baum der Erkenntnis, das ist für die feinstoffliche, lebensmächtige Gegenwelt der „Baum des Lebens“. Hinter diesem Symbol verbergen sich die Grundgesetze, die das Leben mit seinen Eigenschaften hervorbringen und aufrechterhalten. Vom Baum des Lebens zu brechen und zu essen bedeutet daher in unserer Paradiesgeschichte, die erkannten Gesetzmäßigkeiten für die Verlängerung des eigenen Lebens zu nutzen. Dass dies im Prinzip möglich ist, wird auch von unseren modernen Forschern nicht bestritten. Allerdings sind wir in dieser Beziehung bis heute Unwissende geblieben.

Unwissende und Nackte haben manches gemeinsam. Beide sind z.B. den Unbilden ihrer Umwelt schutz- und hilflos ausgeliefert, aber in der Regel trotzdem unbekümmert. Erst wenn ihnen ihre Unwissenheit oder Nacktheit mehr oder weniger bewusst wird, weil sie dadurch Nachteile haben, versuchen sie, sich zu schützen. Das versuchte in der biblischen Erzählung auch Adam, als er erkannte, wie unerfreulich die Wahrheit ist.

Einer der Stolpersteine, der den aufrecht nach Wahrheit suchenden Schüler daran hindern soll, die Paradiesgeschichte wörtlich zu nehmen, sind in unserem Falle die Feigenblätter, aus denen sich Adam angeblich Schurze flocht, um seine Blöße zu bedecken. Wer einmal ein Feigenblatt berührt hat, wird zugeben müssen, dass es für diesen Zweck denkbar ungeeignet ist. So behauptet denn auch der britische Hautarzt D. Thomas Smith: „Adam kann im Paradies unmöglich ein Feigenblatt getragen haben!“

Er muss es schließlich wissen. Nur mit einem Feigenblatt bekleidet, war er stundenlang im Park spazierengegangen. Der Arzt: „Die untere Seite des Blattes ist rau wie Schmirgelpapier. Adam hätte nach kürzester Zeit eine sehr schmerzhafte Entzündung an seiner empfindlichsten Stelle haben müssen und wäre wohl kaum der Stammvater der Menschheit geworden!“ Beim Anblick seiner geschundenen Männlichkeit wäre sicher auch in seinem Weibe „Eva“ das „Begehren“ erloschen, das sie zur Mutter aller Lebendigen werden ließ.

Das Begehren nach Leben und Lust spielt in den Überlieferungen eine entscheidende Rolle. Für die Wissenden ist es Ursache und Triebkraft des Lebens, sichert seinen Fortbestand und zwingt den Handlungen der Lebewesen seine Zielrichtung auf. Diese Zusammenhänge hat der englische Autor und Wissenschaftler Prof. Chambell akribisch untersucht. In seinem Buch mit dem irreführenden Titel: „Der Irrtum mit der Seele“, bringt er seine Forschungsergebnisse in einem einzigen Satz auf den Punkt: „Wenn der Leser keine Pflanze ist, so strebt er stets nach Lust, denn das tun alle Tiere!“

Wie wahr das ist, erfährt jedermann täglich am eigenen Leibe. Auch wir geben möglichst den Tätigkeiten den Vorrang, die uns die meiste Lust verschaffen und meiden tunlichst, was Unlust erzeugt. Das hat seine Ursache in einem fundamentalen Prinzip. Nimmt der Spannungszustand unseres Bewusstseins zu, erfahren wir zunehmend leidvolle Empfindungen, nimmt er ab, empfinden wir weniger leidvoll, und diese mehr oder weniger kurze Zustandsänderung erscheint in unserem Bewusstsein als Lust.

Sieht man Kindern beim Rodeln zu, kann man beobachten wie das funktioniert. Wollen sie das schöne Gefühl bei der Abfahrt genießen, müssen sie sich erst mit ihrem Schlitten den Berg hochkämpfen. Weil sich dabei Unlust erzeugende Spannungen in ihrem Bewusstsein aufbauen, macht ihnen das sicher keinen Spaß. Erst die Schussfahrt verwandelt diese Unlust erzeugende Spannung in Lustempfinden.

Der Lust und Unlust erzeugende Spannungsauf- und Abbau ist auch dafür verantwortlich ob wir schmerzfrei sind oder nicht. Verbrennen wir uns z. B. einen Finger, wird die Spannung im Bewusstsein so groß, dass wir Schmerzen empfinden. Halten wir ihn in kaltes Wasser, nimmt diese Spannung ab und wir empfinden für kurze Zeit unsagbare Wonne.

Folgender Witz veranschaulicht noch drastischer, dass die Sache mit der Lust eine Mogelpackung ist: „Da steht ein Mann an einer Litfasssäule und schlägt seine Stirn absichtlich kräftig an die harte Reklamefläche. Dann wartet er eine Weile und wiederholt den Vorgang immer wieder. Ein Polizist der das beobachtet, geht zu ihm und fragt: „Männeken, was machen Sie denn da?“, worauf dieser antwortet: „Sie glauben ja gar nicht Herr Wachtmeister, wie schön das ist, wenn man zwischendurch aufhört und der Schmerz dann nachlässt“.

Die Suche vieler Menschen nach dauerhafter Lust ist also zum Scheitern verurteilt. Wer die größtmögliche Lust erfahren möchte, der muss „alle“ Spannungen in seinem seelischen Getriebe abbauen. Das aber ist nur durch Denk- und Verhaltensweisen zu erreichen, die bei uns nicht sehr beliebt sind. Nur wer seinen Geist von allem Schmutz gewaschen hat, erfährt „die Seeligkeit, die malen keine Lieder aus“, versprechen alle Weisen.

Eva als Symbol

Weil das Lustprinzip in den Augen der Wissenden so fundamental war, verbargen es die Alten hinter dem „Eva-Symbol“. Nach ihrer Meinung ist daher das „Begehren nach Leben und Lust“ die Mutter aller Lebendigen. Dem kann man nur beipflichten, denn wäre z.B. der Zeugungsakt nicht mit einem so intensiven Lustgefühl verbunden, wäre die Welt längst ausgestorben. Die „ewige Eva“ ist auch heute noch das Sinnbild des Begehrens schlechthin, denn „Ewig lockt das Weib“!

Wer das bezweifelt, braucht nur auf unsere Werbung zu achten und wird schnell eines Besseren belehrt. „Ob Auto, Zeitschrift, Hühnerei - ein schönes Weib ist stets dabei!“ Der Begriff „Weib“ ist hier in Bezug auf die holde Weiblichkeit selbstverständlich nur positiv gemeint - so, wie das in früheren Zeiten immer der Fall gewesen ist.

Der Name „Eva“ kommt von hebräisch „Chawwa“ und bedeutet „das Weib, das Leben“. Die Alten benutzten ihn auch als Symbol für das Begehren nach weltlicher Lust und weltlichem Sein, das den echten Adepten daran hindert, sich mit Gott zu einen. Weil er die Gier nach weltlicher Lust und weltlichem Leben zähmen, zügeln und später gänzlich abstellen musste, wenn er das höchste Ziel erreichen wollte, war „das Weib“ für ihn sündig.

Sein Wahlspruch sollte lauten: „Bist du fromm, so bist du angenehm bei Gott. Bist du aber nicht fromm, so ruhet die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen. Du aber herrsche über sie!“ Wenn also in den alten Schriften steht: „Das Weib sei untertan dem Manne, er soll ihr Herr sein!“, so bedeutet dies, dass der Adept über das Begehren herrschen soll und nicht das Begehren über ihn. Leider wurden und werden diese und ähnliche Aussagen der alten Schriften immer wieder allzu wörtlich genommen und müssen als billiger Vorwand herhalten, um die Unterwerfung des weiblichen Geschlechts zu rechtfertigen.

Dass die geistigen Urheber der Paradiesgeschichte als Ausgangspunkt für die Erschaffung der Stamm-Mutter aller Lebendigen eine Rippe des Mannes wählten, wird verständlich, wenn man das sumerische Wortspiel zwischen den Wörtern „Rippe“ und „Leben“ betrachtet, die beide durch dasselbe Ideogramm dargestellt und „ti“ oder „til“ ausgesprochen werden.

Es zeigt, dass das Begehren nach Leben und Lust ein Stück vom Menschen ist. Daher heißt es im Bibeltext: „Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Beine und Fleisch von meinem Fleisch, man wird sie Männin heißen, darum, dass sie vom Manne genommen ist. Darum wird ein Mann an seinem Weibe hangen, und sie werden sein ein Fleisch!“

Abbildung 192.           Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Der Mensch ist also an sein Begehren gebunden, weil es mit ihm identisch ist. Mit „Mensch“ ist hier der „Mensch an sich“ gemeint. Der erkennende Geist als Träger der Schwingungen, die in ihm Schaukraft und Erkennen und damit Bewusstsein hervorrufen. Das „Selbst“ oder „Selbstexistierende“, das keine Ursache hat und auf nichts mehr zurückgeführt werden kann. Das Ebenbild der ewigen Grundlage, der schiere Tropfen des unermesslichen Raum-Ozeans als individualisierter Schwingungsträger. Er verhält sich zum „Ewigen“ wie das schwingende Wasserteilchen zum Meer in dem es Welle ist.

Er ist das Höchste, des „Menschen Sohn - der Sohn Gottes“. Eine seiner inneren Regungen ist das Begehren nach Leben und Lust. Welche Grundschwingungsart sich hinter der Grundregung verbirgt, verrät uns die hebräische Übersetzung für Rippe die von „ti“ oder „til“ abgeleitet ist. Das bedeutet lahmen, hinken, stolpern, fallen und weist auf die Längswellen hin.

Damit haben wir das Geheimnis ein wenig gelüftet. Als physikalischer Sachverhalt verstecken sich hinter dem „Eva-Symbol“ jene Schwingungen im seelischen Getriebe des „Menschen“, die auch in uns das Verlangen nach Leben und Lust erzeugen. Nach Meinung der Weisen ist das der Drache den der wahre Adept mit seinem Schwert besiegen muss, weil er es ist, der ihn im Kreislauf der Wiedergeburten gefangen hält. Begehren will befriedigt werden.

Weil das nur in einem physischen Körper möglich ist, haftet es immer erneut an einem Lebenskeim, der mit den Schwingungen der Begierden auf einer Welle liegt. Sind sie so animalisch, dass sie nicht in der Menschenwelt befriedigt werden können, ergreifen sie einen tierischen Keim. Damit nageln sie des „Menschen Sohn“ an das Kreuz des Leidens und schmieden ihn an den Fels des Materiellen.

Abbildung 193.            Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

 

Schwert und Tod als Symbol

Ein Schwert ist bekanntlich ein großes Messer. Es steht symbolisch für den Verstand, weil beiden das Trennen oder Zerlegen gemeinsam ist. Das hauende Schwert trennt den Feinden die Köpfe vom Rumpf, der Verstand zerlegt die mit den Sinnen erfassbare Welt und trennt Schein und Wirklichkeit. Beide, Schwert und Verstand, können scharf oder stumpf sein, was ihre Brauchbarkeit steigert oder mindert. Ein scharfer Verstand, symbolisch ein scharfes Schwert, ist die einzige Waffe, mit der man den Drachen der leidenschaftlichen Bewegungen besiegen kann.

Das Töten des Drachens bedeutet in diesem Falle das „Zur-Ruhe-bringen“ der Bewegungen der seelischen Welt. Weil das ein Sieg durch Frieden ist, nannte man einen Drachentöter „Siegfried“. Dann eint sich der individualisierte Schwingungsträger mit dem „Ewigen“ wie das zur Ruhe gekommene Wasserteilchen mit dem Meer. Er wird mit dem „Einen“ eins.

Abbildung 194.         Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Als Sinnbild hat der Tod in der Paradiesgeschichte noch eine zweite Bedeutung. Wie jedermann weiß, ist er etwas Unwiderrufliches. Ein einschneidendes Ereignis, das nicht mehr umkehrbar ist, das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Dieser irreversible Sachverhalt bezieht sich in unserem Falle auf die Tatsache, dass einmal entdeckte Zusammenhänge für den Erkennenden nicht wieder zu Geheimnissen werden.

 

Ein intelligentes Kind, das seine Eltern heimlich beim Verpacken der Weihnachtsgeschenke beobachtet hat, wird schwerlich dazu zu bewegen sein, an den geschenkebringenden Weihnachtsmann zu glauben. Es wird von seinem scharfen Verstand daran gehindert. Wer einmal die Ursachen von Weltwerden und Vergehen durchschaut hat, wird ebenfalls von der eigenen Erkenntnisfülle daran gehindert, in die vorherige illusionäre Weltsicht zurückzufallen.

Die geflügelten Cherubim

Das hebräische Wort für „Fülle der Erkenntnis“ heißt „Cherubim“. Bei den Cherubim, den beiden geflügelten Gestalten aus der nächsten Umgebung Gottes, handelt es sich also um zwei Grunderkenntnisse, die unmittelbar mit der ewigen Grundlage zusammenhängen. Die eine Fülle von Erkenntnissen bezieht sich auf die erkennbaren Gesetzmäßigkeiten der toten Materie und die andere auf jene der feinstofflichen Gegenwelt.

Wer im Besitz beider Wahrheiten ist und auf der höchsten Bewusstseinsstufe das Wesen der ewigen Grundlage erfahren hat, weil er sich für Momente mit ihr einte, darf sich „Trismegistos“, der Dreimalgroße, nennen. Von dieser hohen Warte aus erfasst er den letzten Sinn der Paradiesgeschichte, indem er die Ursache erkennt, die für ihn den Kreislauf der Wiedergeburten in Gang gesetzt hat und aufrechterhält. Erst dann kann er sich vor ihm schützen.

Betrachtet man die Paradiesgeschichte unter den Aspekten der vorher aufgezeigten Weltsicht, so ist die Vertreibung aus dem Paradies für den nach Wahrheit dürstenden Schüler der Sturz aus seiner illusionären Weltsicht oder Weltanschauung, in der er vorher befangen war. Für den fortgeschrittenen Meister die Weltflucht, das Erreichen von „Nirwana“ auf dem achtfachen Pfade des Yoga. Übersetzt man nun alle Symbolgehalte in entsprechender Weise, ergibt sich für den Schüler in etwa folgende Aussage:

„Am Anfang der Weltwerdung (gegen Morgen) betätigte sich Gott, der Urgrund allen Seins, als Gärtner und setzte Leben hervorbringende Ursachen in der allgemein lebensfeindlichen, öden Weite des Weltraums (Eden), und zwar in einem schmalen begrenzten Bereich mit besonders günstigen Lebensbedingungen, der Ökosphäre.

Abbildung 195           Bildbearbeitung und Text, Urheber O. Jung

Eine gewaltige Schwingung (ein Strom), der Pulsar der Weltschöpfung, ausgehend von der allgemein lebensfeindlichen öden Weite des Weltraums erhielt und nährte auch diesen lebensfreundlichen Gürtel. Durch unterschiedliche Bewegungen teilte sich der Welten erzeugende Pulsar in dem von ihm erfassten Bereich in vier Grundschwingungsarten (vier Hauptwasser) auf und schuf damit vier Grundkräfte, die auch den Fortbestand der Ökosphäre sichern. Aus dem darin enthaltenen Materiellen ließ Gott, der Urgrund allen Seins, verschiedenartige Abläufe und Formen hervorgehen (allerlei Bäume), deren Wahrnehmen Lust vermittelt und deren Wirkungen und Hervorbringungen dem Leben dienlich sind.

Die Ursachen, deren Früchte das Lebendige (Baum des Lebens), und die Ursachen, deren Wirkungen Erkenntnisse des allgemein Nützlichen und des allgemein Schädlichen sind (Baum der Erkenntnis), stellte er in den Mittelpunkt. In diesen lebensfreundlichen Gürtel integrierte nun Gott, der Urgrund allen Seins, den durch seine Unwissenheit (Nacktheit) schutzlosen und daher allen Unbilden seiner Umwelt hilflos ausgelieferten Menschen, mit seinem Begehren nach Leben und Lust (Eva), damit er ihn weitsichtig nutzen und vor Zerstörung bewahren und schützen sollte.

Er erlaubte ihm, von allen Abläufen und Ursachen die Wirkungen oder Früchte für die Zwecke des Lebens zu nutzen, außer von denen, die im Mittelpunkt stehen und deren Wirkungen Erkenntnisse des allgemein Nützlichen und allgemein Schädlichen in Bezug auf seinen Lebenssinn sind. Sollte der Mensch dieser einzigen Forderung, die Gott an seinen Willen stellte, nicht nachkommen und doch nach den im Mittelpunkt stehenden Erkenntnissen streben, so würde ihm Einschneidendes, nicht mehr Umkehrbares widerfahren.

Denn wenn der Mensch, verführt und getrieben von seinem Begehren nach Leben und Lust, unter den immer vorhandenen und immer erkennbaren Gesetzmäßigkeiten und Sachverhalten entdeckt, wie ihm die weltenhervorbringende Schwingung, symbolisiert durch die Schlange, gesetzmäßig und periodisch die Welt, den Weltenapfel, zum Zwecke des Weltessens, des Welt-Erlebens und seiner Befreiung davon, darbietet, werden ihm die Augen aufgetan. Nun erst wird ihm der Zusammenhang offenbar zwischen sich als Subjekt und der Welt als Objekt und der Sinn seines Lebens bewusst. Er kann nun leicht unterscheiden zwischen den Handlungen, die diesem eigentlichen Lebensziel förderlich, also gut sind und solchen, die diesem Lebensziel abträglich, also böse sind.

Diese Erkenntnis vertreibt ihn radikal aus seiner bisher vertretenen, illusionären Weltsicht und stellt ihn erbarmungslos auf den Boden der harten Tatsachen. Diese zwingen ihn unumgänglich zur Erreichung des nun sichtbar gewordenen hohen Zieles, die harten Realitäten in einem genau vorgegebenen Rahmen selbst für diesen Zweck nutzbar zu machen, denn niemand kann ihm dies abnehmen. Das ist ein schweres Unterfangen, denn schmerzliche Rückschläge und Widerstände (Dornen u. Disteln) erschweren die notwendigen Fortschritte auf diesem beschwerlichen Wege.

Nur unter großen Opfern und Mühen, die nicht spurlos an ihm vorübergehen (Schweiß im Angesicht), stellen sich die von ihm so heiß ersehnten notwendigen Erfolge ein auf dem steilen, steinigen Pfade, der zu Gott und damit zur Befreiung führt. Ein Zurück aber in seine vorherige illusionäre Weltsicht versperrt ihm der eigene, auf das gute Ziel ausgerichtete, geschulte, erkennende, Schein und Wirklichkeit messerscharf trennende Verstand (Cherubim mit Schwert), der ihm die Fülle der Erkenntnisse beschert hat“.

Soweit der unerfreuliche Symbolgehalt der Paradiesgeschichte, wie er sich aus meiner Sicht ergibt. Mag sein, dass so mancher Leser mit meiner Darstellung der Sachverhalte nicht einverstanden ist und alles für ein Horrormärchen hält. Vielleicht ist er der Überzeugung, dass unserer Menschheit eine Vertreibung aus einer illusionären Weltsicht nicht bevorstehen kann, weil wir als letztes und klügstes Glied in der langen Kette der Evolution das meiste Wissen zusammengetragen haben und daher am aufgeklärtesten sind.

Wer dieser Ansicht ist, sollte aber bedenken, dass unsere Wissenschaft noch weit davon entfernt ist, die entscheidenden Fragen über Weltwerden und Vergehen schlüssig und bindend zu beantworten. Hier hat sie lediglich eine Reihe konkurrierender Theorien anzubieten, von denen bis heute noch keine als gesichert gelten kann.