Grüße aus dem Weserbergland
 Grüße aus dem Weserbergland

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Abbildung 92

„Kabbala Denudata“

Quelle: Aus Kabbala Denudata, Sulzbach, 1677

Autor: Knorr von Rosenroth

Bildbearbeitung und Text: O. Jung


Die Kabbala ist ein verschlüsseltes mystisches System, durch das der aufrecht Suchende Gott und die geschaffene Welt erkennen kann. Die Würdigen, denen die Geheimnisse geoffenbart wurden, hießen Mekkubalim. Die Kabbala Denudata, die „Enthüllte Kabbala“ wurde von Knorr von Rosenroth (1636 bis 1689) mit Hilfe eines jüdischen Rabbis zusammengestellt. Er geht darin von der Existenz eines einzigen Gottes mit zwei Seinsweisen aus.

 

Einer merkmallosen unerkennbaren und einer merkmalbehafteten erkennbaren. Letztere kam durch Emanation in zehn Stufen aus seinem unfassbaren Wesen hervor. Darum ist er Stoff, Gestalt und Wesen aller Dinge die das Zeichen seines Geistes tragen. Er ist alles, durch ihn ist alles, für ihn ist alles und es besteht alles in ihm (Kol. 1/Ep. l/V 15-17). Der Plan des Weltgebäudes und teilweise durch Spekulation auch sein göttliches Wesen, können vom Menschen erkannt werden.

 

Das hebr. Wort Kabbala bedeutet Überlieferung. Sie gliedert sich in die Theoretische und die Praktische Kabbala. Hauptthema der theoretischen ist die Schau Gottes. Die praktische zeigt einen Weg dorthin. Der Weg zu Gott ist die Umkehrung des Weges, aus dem der Mensch aus Gott gekommen ist. Wer die Entstehung der Welt und des Menschen kennt, ist auch im Besitz des Wissens, mit dem er wieder an die Quelle alles Seins zurückkehren kann. Somit spielt die Kosmologie in der Theoretischen eine zentrale Rolle. Um zu zeigen, wie die Textverfasser ihr physikalisches Wissen in Gleichnissen darboten, hier ein kleiner Auszug daraus.

 

Der Aufbau des Schöpfungsgebäudes.

 

Was bedeutet der Vers Hohelied 6, 11: „In den Nussgarten bin ich hinabgegangen?“ Der Nusskern, welcher von mannigfachen Schalen, nämlich der grünen, der harten und der häutchenartigen, umgeben ist, bietet ein Bild des ganzen Schöpfungsgebäudes. Von dem Urpunkt, in Verbindung mit En Soph, bis zur letzten aller Stufen bildet immer die Schale des anderen die nächste Stufe. Der Urpunkt nämlich, der wegen seines maßlosen Lichtes nicht begriffen werden konnte, dehnte sich aus und bildete ein Licht, das ihm als Hülle diente.

 

Dieses Licht, das zwar nicht so hell wie der Urpunkt ist, aber dennoch wegen seiner großen Helligkeit nicht angeschaut werden konnte, verbreitete sich seinerseits nach außen, und diese Ausdehnung wurde sein Kleid. So entstand alles durch eine Art stufenförmiger Veräußerlichung. Was sich aus Höherem entwickelte, wird zugleich dessen Hülle, die auch Schale genannt wird. Die niedere ist jeweilig die Schale des Nächsthöheren. Zugleich bildet die Schale aber in Bezug auf die ihr nachfolgende Stufe wiederum den Kern. So ist es auch beim Menschen, der als kleine Welt ein Abbild der großen Welt ist. Der Leib ist die Hülle der Geistseele, die ihrerseits die Hülle des höheren Geistes ist. Alles dieses bildet die Anordnung der Welt.

 

(Anmerkung: Mit Licht ist hier dasselbe gemeint, wie wenn wir sagen: „Mir geht ein Licht auf“, oder „Das ist ein heller Kopf der Licht ins Dunkel bringt“. Dieses Dunkel ist der Zustand des Nichterkennens der in der unentfalteten Seele vorherrscht. Der sich in Stufen entwickelnde Erkenntnisapparat erhellt diese Dunkelheit und verhilft dem Erkennenden Geist damit zu Welterkennen. Eine stetig heller werdende Lichtquelle auf dem eigenen Kopf erweitert in der Dunkelheit den Sichtbereich. Der immer effektiver arbeitende Erkenntnisapparat den Erkenntnishorizont des Erkennenden Geistes.)

 

En Soph und die Sephiroth.

 

Das Wort En Soph stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „Es hat kein Ende“.

„Der Prophet Eliah betete zu En Soph: „Herr der Welten, einzig bist du, erhaben in Zahl und Maß, der Höchste von allen Hohen, der Verborgene von allen Verborgenen, den man in keinem Begriff fassen kann! Zehn Formen, die wir Sephiroth nennen, brachtest du hervor, mit deren Hilfe du die verborgene und unsichtbare wie sichtbare Welt regierst. In diese deine Formen hülltest du dich, und weil du in ihnen bist, bilden sie eine vollendete Einheit. …

Diese deine Formen entwickeln sich in Abhängigkeit voneinander. … Du aber bist es, der sie alle regiert, obgleich du von niemandem regiert und beeinflusst wirst. Die Sephiroth der unteren Welten hast du für die Seelen als Durchgangsstufe nach oben geschaffen. Du hast sie mit Körperlichkeit umschlossen.

 

Akascha, das alles Beherrschende, das alles Werden schon in sich enthält und von dem es heißt: „Von Anbeginn das Spätere verkündend!“ (Jesaia, 46, 10), enthält als Geheimnis den göttlichen Weltplan, dessen Inbegriff der Name JHWH ist. Er bezeichnet den Gang der Entwicklung. Akascha ist die Quelle, die den Baum der Sephiroth tränkt und die Säfte durch seine Zweige und Äste treibt. Denn du, En Soph, Herr der Welten, Urgrund aller Gründe, Ursache aller Ursachen, speist den Baum aus jener Quelle.

 

Mit dir selbst aber ist nichts vergleichbar in der geistigen und körperlichen Welt! Du hast Himmel und Erde geschaffen, Oberes und Unteres, die himmlischen und irdischen Heerscharen. Dies alles hast du erschaffen, damit die Welten dich ahnen! Aber wirklich begreifen kann dich niemand! Wir wissen nur, dass du die einzig wahre Einheit und dass du der Herr über alles bist. Alles andere von deiner Wesenheit ist unbekannt!

 

Jede Sephira hat ihren einzelnen Namen. Du aber hast keinen Namen, füllst aber alle Namen aus und gibst ihnen den Inhalt ihres Wesens. Wenn du dich von ihnen zurückziehen würdest, so wären sie alle nur noch Körper ohne Seele. Du bist weise, doch von unbegrenzter Weisheit, verständig, doch von einem unbegrenzten Verstand. Auch hast du keinen begrenzten Ort. Dies alles wird von dir nur gesagt, um den Menschen deine Allmacht, große Weisheit und deine Weltregierung zu veranschaulichen. Wenn daher wie bei den Sephiroth von rechts, von links, von Mitte und von oben und unten die Rede ist, so soll dies nur deine Weltregierung im Vergleich mit menschlichem Handeln veranschaulichen, aber nicht ausdrücken, dass das beigefügte Attribut dein eigentliches Wesen bestimmt.“

 

(Anmerkung: Die Mitte, mit Links, Rechts, Oben, Unten, Vorn und Hinten, ist der Mikroprosopos, „Der Mensch“. Beim Makroprosopos „Der Raum“. In ihm kann sich der Mensch in sechs Richtungen bewegen. Wegen seiner sechs Seiten ist der Kubus das Symbol für den Raum. Bei der Weltwerdung wird er zur Kugel.

 

Die Überlieferung der Vratya - Weistümer im Atharvaveda enthält ein Rätsellied in dem es in Vers 9 heißt: „Seitwärts geht die Öffnung eines Bechers, oben ist der Boden. Drin ruht eine Allgestaltige Herrlichkeit. Da sitzen die sieben Seher all zusammen, die dieses Großen Hüter sind.“

 

Aus der Brihadaranyaka - Upanischad II, 2, 3, geht hervor, dass mit diesem Gefäß der Mensch, d. h. des Menschen Haupt, gemeint ist, das in Analogie zum Weltall steht. Die sieben Seher sind die sieben Kräfte im Haupt des Menschen. Und zwar die fünf Sinne, manas das „Denken", und Buddhi „die „Vernunft“. Atma, der „Geist“, dessen Bewegungszustände die Sieben sind, ist der Schwingungsträger „Äther“. Die Allgestaltige Herrlichkeit der im Menschen wesende Gott als Selbst. Im Weltall, zu dem der Mensch, der „Erkennende Geist“, in Analogie steht, sind diese sieben Seher mit den göttlichen Mächten ineinsgesetzt.)

 

Die große Welt „Makroprosopos“, griech. das große Gesicht

 

Sie kommt in zehn Stufen als Emanation aus dem Neutrum „En Soph“ hervor.

0 = Neutrum mit ewigem, unerkennbarem Erkennen.

      Darin befindet sich, unter großem Druck stehend,

1 = Akascha, ein unendlicher Schwingungsträger der keine Ursache hat.

      Darin latent enthalten, und nicht erkennbar, geschrumpfte

2 = Programme in Form von Schwingungsenergie. = die unerkennbare ewige Aktivität.

      Der latente Zustand wird beendet durch das Hervorbrechen eines

3 = Superpulsars in einem lokalen Bereich. Die erste „erkennbare Aktivität“.

      In der Expansionsphase durch Druckminderung im Inneren Erzeugung des

4 = Äthers, ein feinstofflicher Schwingungsträger mit der geringsten Viskosität.

      Bestimmte Schwingungen erzeugen im Äther die zweite Eigenschaft,

5. = Schaukraft, wie Licht die Mittlerin zwischen Erkennendem und Erkennbarem.

      In dem vom Äther eingenommenen Raum bildet sich die

6. = Himmelswelt, ein Ort in dem sich die „Ichbin“ entfalten, die erkennende    Seinsweise.

      Der Druck im Zentrum des Superpulsars nimmt zu und es bildet sich

7. = Ether. Ein Schwingungsträger mit hoher Viskosität.

      Bestimmte Schwingungen erzeugen im Ether die dritte Eigenschaft,

8. = Trägheit. Durch sie entsteht die träge Masse, Materie, die erkennbaren Elemente.

      In dem vom Ether eingenommenen Raum bildet sich die

9. = Materielle Welt, die erkennbare Seinsweise.

      Fallen die „Ichbin“ als Seelen in die Materie, entsteht durch ihre Verbindung

10. = Organisches Leben. Es setzt sich zusammen aus Monozellen die aus Äther  bestehen.

Durch den gewaltigen Druck der im Ether auf ihnen lastet sind sie mikroskopisch klein und ohne Bewusstsein. Sie enthalten Programme und werden Seelen genannt. Nach dem Resonanzprinzip rufen Umfeldschwingungen der materiellen Welt diese Programme ab. Dadurch entfalten sich die Seelen und formen in sich nach dem Prinzip einer Klangfigur materielle Körper. Damit identifizieren sich die „Ichbin“, erkennend: Dieser materielle Körper, das bin Ich! Diese Einzelseelen sind ein Mikrokosmos, eine kleine Welt.


Abbildung 92a

Die kleine Welt „Mikroprosopos“, griech. kleines Gesicht

 

Der Mikroprosopos ist die Seele. Sie besteht aus Schwingungsenergie, Schwingungsträger und Schwingung. „Drei in Einem“die eine untrennbare Dreiheit bilden und deren Elemente nicht einzeln bestehen können. Die Grundlage dieser Trimurti ist der Schwingungsträger „Äther“ als Ätherblase. Diese wird durch ein pulsierendes Feld periodisch ein- und ausgefaltet.

 

Ihr wohnen latent die drei Grundeigenschaften Aktivität, Schaukraft und Denkkraft inne. Bei der Ausfaltung werden sie aktiviert und bringen nacheinander Sinne und später Sinnesorgane hervor. Bei der Einfaltung wird alles wieder eingefaltet und die drei Grundeigenschaften deaktiviert.

Der Ausfaltungsprozess ist mit dem einer Rose vergleichbar der in zehn Stufen vor sich geht. In der Kabbala werden diese Stufen Schalen genannt. Weil sie nacheinander hervorkommen enthält die letzte schließlich alle anderen. Außerhalb dieser Schale befindet sich die erkennbare Welt.

 

Die zehn Stufen:

 

10. = Äther als individualisierter Schwingungsträger (Seele als Ätherblase)

            Ein Pulsar der die anderen als Schwingungsenergie enthält. Durch den

9. = Gesichtssinn entsteht Sehbewusstsein.

            Schwingung die Lichtwellen aufbereitet. Durch den

8. = Gehörsinn entsteht Hörbewusstsein.

            Schwingung die Schallwellen aufbereitet. Durch den

7. = Geruchssinn entsteht Riechbewusstsein.

            Schwingung die von Duftstoffen ausgehende Wellen aufbereitet. Durch den

6. = Geschmackssinn entsteht Schmeckbewusstsein.

            Schwingung die von Saftaromen ausgehende Wellen aufbereitet. Durch den

5. = Tastsinn entsteht Tastbewusstsein.

            Schwingung die Feedback von Getastetem aufbereitet. Durch den

4. = Denksinn entsteht Denkbewusstsein.

            Schwingung die alle eingehenden Informationen zu einem Bild verknüpft.

3. = Gedächtnis, eingeprägte Bewirker die auf Abruf warten.

            In Schwingungspaketen gespeicherte Informationen.

2. = Verstand, Fähigkeit des Denkens.

            Denkkraft, Denkvermögen. Zweite elementare Grundeigenschaft der Seele .

1. = Schaukraft, Fähigkeit des Erkennens, Unterscheidungsvermögen.

            Schwingung die die ins Bewusstsein eintretenden Objekte erkennbar macht und  dem Erkennenden Selbst wie in einem Spiegel darbietet. Erste elementare Eigenschaft der Seele.

0. = Erkennendes Selbst, identisch mit dem ewig Unerkennbaren.

            Dem Selbstexistierenden wohnt das Erkennen inne wie der Sonne das Leuchten.

 

Ist die Seele von der Himmelswelt in die Materie herabgesunken, werden die Programme in ihr nach dem Resonanzprinzip abgerufen. Im Pflanzenreich durch Umfeldschwingungen in der freien Natur und im Tier- und Menschenreich durch Umfeldschwingungen im Mutterleib. Dadurch sprießen dort aus den Sinnen der Seele Sinnesorgane hervor wie Zweige aus einem Baum. Das ist der Grund, warum sie in der Symbolik als Grundursache „Baum des Lebens“ genannt wird und als Erkenntnisapparat „Baum zur Erkenntnis des Guten und Bösen“. (Gut = nützlich, Böse = schädlich)

 

Abbildung 92b