Grüße aus dem Weserbergland
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Abbildung 89

Shesha – die tausendköpfige Wasserschlange“

Venus Aphrodite – Sinnbild des Begehrens“

Quelle Shesha: Privates Bildarchiv

Urheber „Venus“: S. Botticelli, 1478, Florenz

Bildbearbeitung und Text: O. Jung

 

Shesha, die tausendköpfige Wasserschlange symbolisiert die unverursachte ewige Schwingung in den Wassern des Raumes. Der Name bedeutet: „Der unendliche Zyklus der Zeit“. Es ist das Symbol für die unendliche Bewegung im Raum die den Weltenkeim enthält und periodisch die Blüte dieses Keimes, das geoffenbarte Weltall, ausstößt. Wenn Ananta, die große siebenköpfige Schlange während der Weltennacht untätig ruht, wird sie Shesha genannt. Ananta ist das Symbol für die in der Weltennacht schlafend verborgene Ursache der sieben Sinne. Erst wenn sie bei Beginn eines neuen Weltentages durch Brahma zu neuem Tätigsein erwacht gibt es Weltsein und Leben. Darum steht in der Bibel: „Es werde Licht!“ Das bedeutet: „Es werde Erkennen“.

 

Eine indische Überlieferung fasst den Sachverhalt so zusammen: „Vishnu, unbegreiflich, ohne Anbeginn, der Anfang des Weltalls, ruht schlafend auf dem Shesha, der Schlange der Unendlichkeit inmitten der Tiefe. Der Schöpfer schläft im Ozean des Raumes in der Form des Brahma. Wenn dieser erwacht lebt die Welt auf, wenn er seine Augen schließt sinken alle Dinge auf das Bett „mystischen Schlummers“.

 

Sarasvati, die Göttin zu seinen Füßen, wird im Ramayana als wunderschöne Frau dargestellt die auf einer Lotosblume schwimmt und wie Venus Aphrodite aus dem Schaum des Ozeans hervorgeht. Der Schaum unserer Erfahrungswelt setzt sich aus Blasen zusammen. Diese Blasen bestehen aus Luft und Wasser. Der hier gemeinte Schaum setzt sich aus Seelen und organischen Körpern zusammen. Sie bestehen aus Äther (Pneuma, Geist) und Ether (Materie).

 

Diesem lebendigen Schaum, kollektiv die ganze organische Welt, entsteigt das Begehren nach Leben und Lust. Es ist die Ursache allen Strebens in der Welt des Lebendigen und sichert seinen Fortbestand. Denn wäre z. B. der Zeugungsakt nicht mit einem so unerhört intensiven Lustempfinden verknüpft, dann wäre die Welt längst ausgestorben. Das Sinnbild für dieses Streben nach Lust war bei den Alten immer eine wunderschöne, begehrenswerte Frau wie z. B. Sarasvati, Aphrodite, Venus oder Eva. Sarasvati bedeutet „die Fließende“, Aphrodite „die Schaumgeborene“, Venus „Liebe“ und Eva „die Leben schenkende Mutter aller Lebendigen“.